»Von oben«

Odenhausen/Lumda: Kleines Dorf, groß in Kultur

  • Jonas Wissner
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Zwei Hofgüter und eine romanische Kirche zieren Odenhausen schon seit Jahrhunderten. Weitere Sehenswürdigkeiten sind in jüngerer Zeit hinzugekommen – und vor allem viel Kultur.

Eins vorweg: Auch in Odenhausen/Lumda ist in jüngerer Vergangenheit manches weggebrochen. Der Gesangverein hat sich aufgelöst, die Kirmes ist vorerst Geschichte. Und bereits Ende der 1990er hat das letzte von einst drei Lebensmittelgeschäften dicht gemacht. Doch das ist eigentlich kaum bemerkenswert für einen Ort mit rund 470 Einwohnern, sondern ein Trend im ländlichen Raum insgesamt.

Bemerkenswert ist allerdings, wie die Odenhäuser ihrem Ort in der vergangenen Jahren frischen Wind eingehaucht, ihn lebenswerter gemacht haben: Im Zuge der vom Land geförderten Dorferneuerung wurden 2008 bis 2017 auch neue Treffpunkte geschaffen. »Wir waren 30 Jahre ohne Gastronomie«, sagt Jürgen Bender. Er war in der heißen Phase des Projekts Ortsvorsteher für eine Amtszeit. Inzwischen gibt es das »Gleis 1«, ein zum Bistro umgebauter Eisenbahnwaggon. »Da ist immer was los«, sagt Bender.

Neubürger rasch integriert

»Der Zusammenhalt ist durch die Dorferneuerung gestärkt. Es ging ein Ruck durchs Dorf.« Und die Odenhäuser haben es offenbar fertig gebracht, diesen Ruck mitzunehmen. Vieles wurde in Eigenleistung geschafft.

Die Alte Schule, erbaut 1905, wurde wieder aufgepäppelt, das Mobiliar stammt aus der Stuhlbauerstadt Rabenau in Sachsen, mit der die oberhessischen Namensvettern verschwistert sind. Wo früher das Einmaleins gebüffelt wurde, findet sich heute eine Art Wohnzimmer der Dorfgemeinschaft. Und eine Bühne: »Odculture« ist mittlerweile nicht nur in Odenhausen ein Begriff.

Außerdem beherbergt der Saal die »Bücherstube«, geöffnet an jedem ersten Freitagnachmittag im Monat. Was die Dorferneuerung hier bewirkt hat, wird an diesem Treffpunkt greifbar.

Viele alteingesessene Familien wohnen in Odenhausen, doch in jüngster Zeit, sagt Ex-Ortsvorsteher Bender, seien auch einige Auswärtige dazu gekommen. Wenn ein Haus leer stehe, finde es in der Regel schnell neue Besitzer. Die meisten Neu-Odenhäuser seien engagiert, ins Dorfleben eingebunden, das freut Bender. »Wir gehen dann auch mal hin und fragen: Wollt ihr mitmachen?« Auf die Menschen zuzugehen, sie mitzunehmen, das habe sich hier bewährt. Gelegenheit, sich in der Gemeinschaft einzubringen, bieten die Feste: Etwa das Forellenessen, veranstaltet vom Sportverein, oder das Schmierschelkuchenessen. Ein für Mittelhessen eher exotischer Teil der Gemeinschaft ist der Winzerverein. Alle zwei Jahre wählt der sogar eine Weinkönigin.

Sogar eine Weinkönigin

Stolz sind die Odenhäuser auch auf ihre evangelische Kirche. Der romanische Bau aus dem 13. Jahrhundert ist eine der ältesten Kirchen im Landkreis. Zu den Sehenswürdigkeiten gehören zweifellos die Hofgüter, einst Residenzen derer von Nordeck zur Rabenau. Im Odenhäuser Hofgut wird mittlerweile Theater geboten. Es ist vermutlich das höchstgelegene freistehende, bewohnte Fachwerkhaus in ganz Hessen.

Im Hofgut Appenborn, einige hundert Meter außerhalb gelegen, fand erst jüngst ein Keramikmarkt statt. Passender Titel: »durchgebrannt«. Tausende Besucher haben sich hier seit der Premiere 2010 Inspirationen geholt. Nicht anders wohl Rainer Maria Rilke: Als der vor rund 100 Jahren auf dem Gut vorbeischaute, dürfte er freilich eher vom imposanten Fachwerkbau von 1708 beeindruckt gewesen sein

Jahrhunderthochwasser

Die Lage an der Lumda hat für Odenhausen nicht nur Vorteile: Bis in die 1980er gab es immer mal wieder Überschwemmungen, berichtet Bender. Das »Jahrhunderthochwasser« im Juli 1966 ist bis heute in Erinnerung geblieben. 2006 wurde ein großes Rückhaltebecken zwischen Odenhausen und Geilshausen in Betrieb genommen und hat das Dorf seither vor großen Fluten bewahrt.

Zur Gemeinde Rabenau gehört der Ort seit 1972. Bender war damals mit Anfang 20 jüngster Gemeindevertreter in der neu entstandenen Kommune. »Immerhin haben wir im Zuge der Gebietsreform ein Dorfgemeinschaftshaus bekommen«, erzählt er. Im Anbau an die Alte Schule trägt unter anderem die Tischtennisabteilung des SV Odenhausen ihre Partien aus. Die Sportart ist seit langem in Odenhausen etabliert, die erste Mannschaft behauptet sich in der Bezirksliga. Die Fußballer bilden eine Spielgemeinschaft mit Allertshausen und Kesselbach.

Tief blicken lässt der Uzname der Odenhäuser: »Dolle Honn«, also »tolle Hunde«. Jürgen Bender vermutet, das leite sich von Tollkirschen ab, die man lieber nicht essen sollte. »Wir sind halt bisschen verrückt«, sagt Bender lachend. Der nächste Höhepunkt steht dem Dorf kurz bevor: Donnerstag und Sonntag feiern die Odenhäuser das 925-jährige Ortsjubiläum. Auch dafür haben sich die »dolle Honn« einiges einfallen lassen.

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