Bürgermeister Florian Langecker beim Aktenstudium mit seiner Sekretärin Sandra Rinker.
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Bürgermeister Florian Langecker beim Aktenstudium mit seiner Sekretärin Sandra Rinker.

Rabenaus Bürgermeister Langecker im Interview:

»Ob ich wieder antrete? - Definitiv ja«

Kurz vor der EM sei der Vergleich erlaubt, auch wenn er hinkt: Beim Fußball wie beim Bürgermeisteramt wird zur Halbzeit Bilanz gezogen. Rabenaus Bürgermeister Florian Langecker hat soeben die erste Hälfte der Amtszeit hinter sich. Im Interview spricht er über Erfolge und Ärgernisse, verrät, wo es spannend werden könnte, und auch - dies als letzter rhetorischer Fehlpass -, dass die zweite Halbzeit nicht seine letzte sein soll.

Wenn Sie an den Berufswechsel vor drei Jahren zurückdenken, haben sich Ihre Erwartungen erfüllt?

Insgesamt gesehen, ja. Von meiner Kandidatur hatten mir einige abgeraten. Ich bin froh, dass ich es dennoch gemacht habe. In den »Zehn Geboten für Bürgermeister« heißt es, der sei immer schuld, wenn was schiefläuft. Ganz so hart ist es aber nicht gekommen.

Bürgermeister ist kein Nine-to-five-Job, bleibt da noch Zeit für Privates?

Stimmt schon, als Bürgermeister ist man immer im Dienst. Private Dinge, besonders die Familie, müssen da oft hintenanstehen. Allerdings war ich von Schlimmerem ausgegangen - immerhin musste ich meine Motorräder nicht abmelden (lacht). Auch Urlaub mit der Familie und gelegentlich Sport sind noch möglich.

Als Sie das Amt übernahmen, prägte die prekäre Finanzlage Rabenaus die öffentliche Wahrnehmung. Wie weit ist die Haushaltskonsolidierung gediehen?

Auch durch die Teilnahme an einem Entschuldungsprogramm haben wir den Schuldenberg seither um drei auf 16,6 Millionen Euro abgebaut.

Absolute Zahlen sind nur bedingt aussagekräftig. Was heißt das bezogen auf die Einwohnerzahl?

Der positive Trend lässt sich auch an der Pro-Kopf-Verschuldung ablesen. Diese sank von 3845 auf 3271 Euro.

Rabenau hat dafür aber viel von seinen Bürgern abverlangt. Bei den Steuern nimmt man einen Spitzenplatz im Kreis ein. Ihre Ansätze, um zu einer Entlastung zu gelangen?

Die Schmerzgrenze ist erreicht. Die hohen Steuersätze - aktuell 410 bzw. 690 Punkte bei Gewerbe- und Grundsteuer B - aber waren wichtig, um nach außen hin zu dokumentieren, dass wir am Limit sind. Das führt zu hohen Förderzuschüssen.

Was waren die wichtigsten Erfolge ihrer ersten »Halbzeit«?

Obenan steht erwähnte Konsolidierung, seit 2018 sind die Haushalte und Jahresergebnisse positiv. Auch die Einführung wiederkehrender Straßenbeiträge, Neukalkulation der Wasser- und Kanalgebühr und die Planung von Bau- und Gewerbegebieten fallen mir dazu ein. Die positiven Entwicklungen aber waren nur möglich, da die Kommunalpolitik mitgezogen hat. Ich bin kein Alleinentscheider.

Oft wird Kommunen eine kurzsichtige Finanzplanung vorgeworfen. Trifft dies auf Rabenau zu?

Wir haben eine Haushaltsstrukturanalyse und eine Investitionsplanung erstellt. Keineswegs kurzfristig, sondern bis 2030.

Was heißt das in nackten Zahlen?

Bis zum Ende der Dekade müssen wir 30 Millionen in die Infrastruktur investieren, um den Investitionsstau abzubauen. Wir haben klare Vorstellungen über die Finanzierung, was uns trotz Zuweisungen aber weiter an die Grenzen der Belastbarkeit bringen wird.

2020 gab es den ersten Bürgerentscheid in Rabenaus Geschichte. Ein Punkt auf der Habenseite Ihrer Bilanz?

Ja, wird doch nach jahrelanger Diskussion ab 2022 das Gerätehaus Geilshausen neu gebaut. Am Ortseingang und nicht wie früher geplant auf dem Festplatz; so sind auch die Hilfsfristen in die anderen Ortsteile einzuhalten.

Welches Projekt verbuchen Sie noch in der Rubrik »Wichtigste Erfolge«?

Das betrifft wieder Geilshausen, wo noch dieses Jahr mit Bundes- und Landesmitteln ein viergruppiger Kindergarten gebaut wird.

... aber was bleibt an der Gemeinde hängen?

Beim Gerätehaus rechnen wir bei einem Landeszuschuss von 288 000 Euro mit rund 1,3 Millionen. Die Kindertagesstätte, die Submission soll noch vor der Sommerpause sein, ist mit zwei Millionen veranschlagt. Zugesagte Zuschüsse summieren sich auf 800 000 Euro, wir hoffen aber auf eine Million, wofür noch ein Antrag zu stellen ist.

Zum (Berufs-)Leben gehören nun mal auch Enttäuschungen. Was hat Sie am meisten geärgert?

Ich hätte gerne mehr Zeit für Gespräche mit Bürgern, im Büro bin ich oft schon etwas gehetzt und muss sehr stark fokussieren - man bekommt sonst ganz einfach nicht alle Aufgaben erledigt oder übersieht womöglich etwas.

Wie ihr Vorgänger Kurt Hillgärtner haben auch Sie die Benachteiligung eines »Kleinzentrums« wie Rabenau kritisiert. Auch das ein Ärgernis?

Ja, gewiss. Ich hätte mir vom Land mehr Unterstützung für die kleinen Kommunen gewünscht. Die Gespräche dazu waren teilweise schon enttäuschend.

Was ist eigentlich aus der Klage gegen das Land wegen der Unterfinanzierung Ihrer Kommune geworden?

Vor einer Klage muss eine Gemeinde zunächst versuchen, alles ihr selbst Mögliche aufzugreifen und umzusetzen. Da sind wir gerade dran, haben das im Haushaltskonsolidierungskonzept festgeschrieben. Aktuell haben wir auch einen Antrag für Mittel aus dem Landesausgleichsstock gestellt.

Interkommunale Zusammenarbeit hilft zu sparen. Lange gefordert, kommt die Kooperation mit Allendorf endlich voran. Zufrieden?

Bedingt, die Umsetzung dauert zu lange. In den nächsten Monaten aber soll sie nachhaltig ausgebaut werden, was Kläranlage, Ordnungsamt und Kasse betrifft.

Wie beurteilen Sie die politische Kultur in Rabenau, insbesondere was Ihre Zusammenarbeit mit der Gemeindevertretung betrifft?

Ich möchte mit keinem anderen Bürgermeister tauschen. Das Miteinander war immer sehr fair. Ich bekomme etwa Unterstützung, wenn ich erkläre, dass die Verwaltung stark ausgelastet ist, wir nicht dazu kommen.

Im März haben die »Bürger für Rabenau« 43 Prozent geholt. Geführt werden die von Christoph Nachtigall. Beobachter munkeln, er werde 2023 wieder als Bürgermeister kandidieren. Potenzial für eine - neutral formuliert - andere politische Kultur?

Nein. Ich gehe davon aus, dass alle, auch die BfRab, weiter zum Wohle der Gemeinde an einem Strang ziehen.

allerdings sind im neuen Gemeindeparlament viele neue Gesichter.

Man könnte schon von einem Generationenwechsel sprechen. Daher dürfte es eine Zeit dauern, bis alle »Neuen« erfahren haben, dass viele Pflichtaufgaben bei den Kommunen abgeladen werden, die auch zu finanzieren sind - und dass das Geld nicht vom Himmel fällt.

Sie haben als Unabhängiger kandidiert, den Wahlkampf aus eigener Tasche bezahlt, legen Wert auf Ihre Neutralität. Haben Sie Ihre CDU-Mitgliedschaft da als Problem erfahren?

Nein. Ich bevorzuge keine Gruppierung, informiere alle umfassend. Nur so ist es erklärbar, dass schwierige, die Bürgerschaft belastende Entscheidungen mehrheitsfähig waren. An diesem offenen Umgang möchte ich festhalten. Parteidenken hat für mich auf kommunaler Ebene keinen Platz.

Das Amt als Bürgermeister hält neben trockenen Zahlen gewiss auch kuriose Seiten bereit?

Ich packe Dinge gerne sofort an und bin manchmal sehr ungeduldig, zum Leidwesen der Mitarbeiter. Dann repariere ich schon mal was selbst ( so kam’s, dass er 2018 als Brunnen-Reparateur Schlagzeilen machte, die Red ). Meine neueste Errungenschaft ist der Fahrausweis für Baumaschinen. Sie sehen: Das Amt kann auch deshalb Spaß bereiten.

Was haben sie sich für die zweite »Halbzeit« vorgenommen?

Einiges schon, aber noch befindet sich das im Stadium der Planung. Spannend wird es, wenn die Investitionen umgesetzt werden. Auch die überdurchschnittlichen Steuersätze sollten wir bis dahin senken können. Ich habe noch eine Menge Wünsche und Vorstellungen, wir dürfen uns aber nicht verheben. Langeweile wird es nicht geben.

Zwar noch etwas früh, sei doch die Frage erlaubt: Kandidieren Sie 2023?

Definitiv ja.

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