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Die Nikolauskirche mit ihrem mächtigen Turm aus dem 14. Jahrhundert.

Hoher Aufwand für Gemeinde

Nikolauskirche Geilshausen ein Sanierungsfall

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
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Die evangelische Kirche Geilshausen mit ihrem mittelalterlichen Chorturm ist zum Sanierungsfall geworden. Nicht ungefährlich: Ab und an fallen Bruchstücke der Schiefereindeckung runter.

Für ein kleines Dorf ist das schon eine »Hausnummer«: Geilshausens mächtige Nikolauskirche, sie gereichte auch einer größeren Stadt zur Ehre. Zumal wenn der 21 Meter aufragende Turm in den Fokus gerät. Nur fällt selbst dem Laien sein schlechter Zustand auf - und ab und an ein Dachziegel runter.

Ältester Chorturm im Landkreis Gießen

Auf dass die in der Höhe lauernde Gefahr nicht real wird, gilt für das Umfeld »Nicht betreten!«. Die Sanierung des Turms aber wird nun angegangen, nächstes Jahr soll es losgehen.

Wohl aus dem 14. Jahrhundert stammt der Turm der einstigen Wehrkirche, der in den folgenden beiden Jahrhunderten freilich mehrfache Veränderungen erfuhr. Wie das Landesamt für Denkmalpflege weiter erklärt, handelt es sich vermutlich um den spätesten gotischen Chorturm im Kreisgebiet.

Nicht minder außergewöhnlich ist danach der Wehrgang mit seinen Zinnen und Scharten sowie der als steiles Walmdach ausgeführte Turmhelm. An dessen vier Seiten fallen die vorspringenden Gauben auf - womöglich hätten die in unruhigeren Zeiten die Funktion von Pechnasen gehabt.

Im Vergleich zum Turm ist das sich anschließende Kirchenschiff ein »Jungspund«: 1954 erst war es anstelle des Vorgängers gebaut worden. Das Fazit der Denkmalpflege für das Ensemble insgesamt aber lautet: »Die Nikolauskirche ist aus geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Gründen ein Kulturdenkmal.«

Gesamtkosten belaufen sich auf 1,3 Millionen Euro

Mit dessen Bewahrung ist neben anderen Thomas Lang, Bauleiter seitens der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, betraut. Gegenüber dieser Zeitung stellt der zunächst klar: »Vor allem anderen bedarf der Turm dringend der Sanierung.« Was vor allem für das Dach gilt. Da denkmalgeschützt, ist die Neueindeckung wiederum mit Schieferziegeln vorzunehmen, wie es jüngst bei einem Lokaltermin hieß. Mit dabei auch Architekt Reinhold Melzer, Kirchenvorsteherin Ursula Zaha und Pfarrer Gabriel.

Seither stehen erste Eckdaten im Raum. Die Kosten allein für den Turm, inklusive Erneuerung der wahrlich unschönen Fassade, werden nach den Voruntersuchungen auf 600 000 Euro geschätzt, die Gesamtkosten auf 1,3 Millionen Euro. Denn neben dem Chorturm sind Arbeiten am Kirchenschiff vorgesehen. Auch da, so Lang, ist das Dach zu reparieren; übrigens nicht das erste Mal. Eine Innenrenovierung aber werde es nicht geben. Geplant sind nur die Erneuerung der Haustechnik und vor allem die der nicht mehr sicheren Leitern, über die der Zugang zum Turm erfolgt. Wie der Bauleiter am Ende unterstreicht, befinde man sich noch in der vorbereitenden Phase, stehe unter anderem die Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde aus.

Um die Millionen-Investition zu stemmen, sollen die Baumaßnahmen in mehrere Abschnitte aufgegliedert werden.

60 000 Euro fehlen: Spenden erbeten

Als erstes soll der Turm eine neue Dacheindeckung und Regenabführung erhalten, der Außenputz gesäubert und wo nötig erneuert sowie der Anschluss zum Kirchenschiff abgedichtet werden. An Eigenmitteln hierfür muss die Kirchengemeinde etwa 120 000 Euro aufbringen. Noch fehlen 60 000 Euro, sodass man versuchen muss, Drittmittel von Land, Bund, Privat oder Stiftungen einzuwerben. Und: Spenden jedweden Umfangs sind natürlich und herzlich willkommen.

Pfarrer Gabriel: »Die finanzielle Lage unserer Kirche setzt uns enge Grenzen. Trotzdem sind die Arbeiten erforderlich, da in den letzten Monaten immer wieder bei stürmischer Wetterlage einzelne Dachschieferbruchstücke vom Turm heruntergefallen sind.« Daher ergeht die dringende Bitte, das Gelände rund um den Turm nicht zu betreten.

Solange eben, bis das Kulturdenkmal wieder in neuem Glanz erstrahlt - idealerweise bereits im nächsten Jahr.

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