Der nicht mehr ganz so neue "Ringshäuser" und die Liebe auf den zweiten Blick

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Ein kleines unrundes Jubiläum feiert unser Leser Leonhard Buth: Als Sohn ukrainischer Eltern in Bayern geboren, war er nach Stationen in der Pfalz sowie in einem guten Dutzend Gemeinden im Kreis Gießen vor zehn Jahren nach Rüddingshausen gezogen. Inzwischen, berichtet Buth, sei der Rabenauer Ortsteil ihm und seiner Ehefrau zur "echten Wahlheimat" geworden. "Einen alten Baum verpflanzt man nicht, und so hoffen wir, dass es uns vergönnt sei, hier zum letzten Mal Wurzeln treiben zu dürfen."

Ein kleines unrundes Jubiläum feiert unser Leser Leonhard Buth: Als Sohn ukrainischer Eltern in Bayern geboren, war er nach Stationen in der Pfalz sowie in einem guten Dutzend Gemeinden im Kreis Gießen vor zehn Jahren nach Rüddingshausen gezogen. Inzwischen, berichtet Buth, sei der Rabenauer Ortsteil ihm und seiner Ehefrau zur "echten Wahlheimat" geworden. "Einen alten Baum verpflanzt man nicht, und so hoffen wir, dass es uns vergönnt sei, hier zum letzten Mal Wurzeln treiben zu dürfen."

Die nicht mehr so neuen Neubürger erfreuen sich dessen, was ein Dorf ausmacht: Hier kennt (fast) jeder jeden, interessiert sich für ihn und bietet spontan seine Hilfe an. Das erfuhr Buth etwa, als er einmal gegen elf Uhr abends dringend in die Zahnklinik musste und wegen der blutenden Wunde nicht mehr selbst fahren konnte: "In meiner Not rief ich R. an, der lag schon im Bett, doch überlegte er nicht lange und sagte: ›Na klar fahr ich dich‹."

Was die "Integration" des Zugezogenen gewiss erleichterte: Er engagiert sich im Dorfleben. Leonhard Buth macht mit bei der 2016 gegründeten Helfergruppe, die sich um die Flüchtlinge kümmert. Für ihn unvergesslich, hatte ihn bald nach dem ersten Kennenlernen eine der Helferinnen beiseite genommen, um etwas zu klären: "Das mit dem Siezen geht so nicht weiter, ich heiße G. und will, dass wir uns duzen."

In der Gruppe, fügt Buth an dieser Stelle noch an, herrschte just zu Beginn dieser Woche große Freude, kamen doch die Kinder eines betreuten syrischen Flüchtlingsehepaars in Deutschland an, war die Familie wieder zusammen. "Drei Jahre hatten die Bemühungen gedauert, bis ihr Leiden endlich ein Ende fand."

Was die Buths nicht minder an Rüddingshausen schätzen: Man kommt, kaum dass man das Haus verlässt, ins Gespräch. Sei es beim Spazierengehen hinauf zu den Windrädern oder im Geschäft vor der Wurst- und Bäckertheke (zum Glück gibt es das noch in Rüddingshausen, die Red.).

Führe er sich das alles vor Augen, so Leonhard Buth, merke er: "Ich bin dabei, mich zu verlieben – nicht auf den ersten Blick, nach zehn Jahren." Natürlich, räumt er ein, sei nicht alles eitel Sonnenschein, doch allemal sei Rüddingshausen liebens- und lebenswert. Er schließt mit einem Versuch auf "Ringshäuser" Platt: "Aich soi de Mann, der wu bei Naue wuuhnt und hai isses arch schieh." (tb)

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