Gebürtig kommt der Filmemacher Marvin Rizzo aus Rabenau, aber für Studienarbeiten steht er regelmäßig in Bayern hinter der Kamera. FOTO: PATRICK ITTNER
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Gebürtig kommt der Filmemacher Marvin Rizzo aus Rabenau, aber für Studienarbeiten steht er regelmäßig in Bayern hinter der Kamera. FOTO: PATRICK ITTNER

Regionaler Nachwuchsfilmer

Marvin Rizzo aus Rabenau träumt von der großen Leinwand

  • vonKatharina Gerung
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Noch steht Marvin Rizzo am Anfang seiner Karriere, doch in zehn Jahren will er seinen ersten Spielfilm im Kasten haben. Am Wochenende zeigt der 22-Jährige eigene Kurzfilme im Grünberger Kino.

Marvin Rizzo nippt an seinem Kaffee und grinst wissend. "Mach doch was Richtiges!" - diesen Satz hören viele junge Kunstschaffende. Auch Rizzo wurde damit schon konfrontiert. "Es ist wirklich so, dass man für seine Berufswahl manchmal belächelt wird", sagt der junge Filmemacher. Nur bei seiner Familie musste er sich nie dafür rechtfertigen, dass er sich direkt nach dem Abitur auf das Abenteuer Film eingelassen hat. "Hätte ich ihren Support nicht gehabt, wäre ich jetzt vielleicht Banker", sagt der 22-Jährige.

Doch in dieser Branche Fuß zu fassen, ist nicht einfach - das erfährt Rizzo gerade am eigenen Leib. "Ich kenne wirklich keine Branche, in der man zu Beginn so viel umsonst arbeitet", sagt er. Das würde nicht nur Kameramänner betreffen, sondern auch Schauspieler. Hart verdientes Brot nennt er seine Filmprojekte - aber irgendwann zahlt es sich aus, da ist er sich sicher. "Es ist schwierig, ja. Man muss viel Arbeit, Geduld und Rückschläge einplanen", sagt der Rabenauer, "aber dafür kann man sich gestalterisch entfalten. Das ist wahnsinnig erfüllend."

Grünberg: Erste versuche am Tablet

Auf die Frage, ob er schon immer kreativ gewesen sei, antwortet Rizzo überraschenderweise mit nein. "Es braucht die nötige Motivation und den richtigen Auslöser." Bei ihm dauerte es relativ lange, bis er das erste Mal mit kreativem Schaffen in Berührung kam. Damals, in der Theater-AG in der Oberstufe, dachte er sich das erste Mal, "dass ich Regisseur werden will". So fängt es bei vielen an, sagt er. Rizzo fing an, sich mehr und mehr mit der Film-Thematik zu beschäftigen und begann, Referate mit kleinen Videos am Beamer aufzupeppen. "Die Videos habe ich ganz billig und ziemlich schlecht mit dem Tablett gefilmt und dort gleich geschnitten. Ich bin froh, dass das heute keiner mehr sieht."

In Fulda absolvierte Rizzo kurz vor dem Abitur ein Praktikum in einer Werbeagentur und lernt, dort einen selbstständigen Filmemacher kennen. Der empfahl ihm ein Studium an seiner ehemaligen Hochschule in Ansbach und so verschlug des den Rabenauer nach Franken, wo er heute im fünften Semester Multimedia und Kommunikation mit dem Schwerpunkt Film studiert.

Christian Pätzold: Kollegen am Set

"Mit meiner ersten Kamera, der Sony Alpha 6300, bin ich einfach raus und habe jeden Tag geübt", erinnert sich Rizzo. Das schärfe den Blick. "Es ist das eine, ein gutes Bild im Kopf zu haben, aber man muss es auch sehen und umsetzen können." Denn am Ende würde man nicht für das technisch perfekte oder das schönste Bild bezahlt werden, sonder für das, das am meisten Emotionen transportiert.

Emotionen sind der Treibstoff der Kunstmaschinerie. Es ist nicht überraschend, dass sie auch bei Rizzos Arbeit ständige Begleiter sind. "Ich würde lügen, wenn ich sage, ich will keinen Preis", gesteht der Rabenauer, "aber meine Priorität liegt darauf, Filme zu machen, die Menschen so berühren wie mich."

Noch steht Rizzo am Anfang seiner Karriere. Aber schon in zehn Jahren will er seinen ersten Spielfilm gedreht haben. Es zieht ihn nicht etwa nach Hollywood - er möchte in seiner Heimat verwurzelt bleiben. Die Filmszene in Deutschland hätte in den vergangenen Jahren große Schritte gemacht, sagt er. "Es gibt viele richtig gute Produktionen in Deutschland die zeigen, dass wir mehr als Till Schweiger zu bieten haben." "Dark" beispielsweise - die erste Netflix-Serie, die in Deutschland entwickelt, produziert und gefilmt wurde. Dass Rizzo später bei einer Spielfilmproduktion vom Film Theater Forum quasi Kollege von Dark-Darsteller Christian Pätzold war, erwähnt er nur am Rande.

Filmbranche: Man muss dranbleiben

Lernen von denen, die bereits angekommen sind. Das ist Rizzos Methode. "Man muss an seinem Traum dranbleiben. Mit den Leuten sprechen und sich ständig Feedback einholen", sagt der 22-Jährige. So würde es auch später in der Branche laufen. Selbst wenn er seinen Weg noch nicht gegangen ist, will er darum die motivieren und inspirieren, die vielleicht wie er damals mit der Idee von einem Job beim Film spielen. Im Grünberger Kino zeigt er am Wochenende in 100 Minuten Kurzfilme, an denen er für die Kamera und in einem Fall auch für die Regie verantwortlich war.

Kunst, und in seinem Fall Film, ist ein anspruchsvoller Job - auch das will Rizzo bei seiner ersten Kurzfilmveranstaltung deutlich machen. Bühnenbild, Kostüm, Maske - Film sei eine sehr breitgefächerte Branche mit zahlreichen handwerklichen Berufen und Platz für viele Talente.

Die einstigen Aussagen, dass man sich lieber etwas "Richtiges" suchen solle, seien darum völlig überholt. Er lacht und sagt dann etwas mit sehr wahrem Kern. "Die, die das belächeln, sind doch am Ende des Tages die, die auf der Couch liegen und Filme schauen."

Info: Kurzfilmabend

Am Sonntag, 15. März, zeigt Filmemacher Marvin Rizzo ab 11 Uhr sieben Kurzfilme im Kino Grünberg. Dabei handelt es sich um studentische Projekte, die größtenteils selbstfinanziert sind. Zwei weitere Filmemacherinnen werden anwesend sein und Fragen beantworten. Die Veranstaltung kostet drei Euro.

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