Im Rabenauer Wald werden Restbestände der Fichte noch gepflegt, eine Neuanpflanzung gibt es nicht mehr. FOTO: VH
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Im Rabenauer Wald werden Restbestände der Fichte noch gepflegt, eine Neuanpflanzung gibt es nicht mehr. FOTO: VH

Markt für Fichte "völlig am Boden"

  • vonVolker Heller
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Rabenau(vh). "Die Bäume leiden massivst unter Waldschäden", sagte Wettenbergs kommissarischer Forstamtsleiter Ralf Jäkel zu den Mitgliedern des Rabenauer Finanzausschusses. Diese hatten eine bittere Pille zu schlucken: knapp 88 000 Euro Fehlbetrag aus dem Forstwirtschaftsplan 2021. Zu den hinlänglich bekannten Schäden komme noch der "völlig am Boden liegende Markt für Fichtenholz" hinzu. Jäkel: "So etwas habe ich noch nie erlebt." Im Wald habe soeben der Einschlag von Buchenholz begonnen. Wesentliche Absatzgebiete für dieses Holz und seine Produkte seien Asien und Nordamerika. In wieweit die Corona-Pandemie diesen Absatzmarkt beeinflusse, wisse man nicht.

Jäkel informierte, das berechnete Defizit könne sich noch vermindern, wenn kommendes Jahr weitere Zuschüsse flössen. Darüber werde aus Richtung Wiesbaden viel geredet, es gebe Gerüchte, aber keine konkrete Zusage. Zurzeit seien wohl Förderrichtlinien für Wetterextreme in Arbeit. Außerdem würden mög-licherweise die Beförderungskosten für Waldbesitzer weiter abgesenkt.

Ausschussvorsitzender Ottmar Lich (FW) wollte wissen, ob es vielleicht Fördermittel vom Bund oder der EU gebe oder für alternative Waldbewirtschaftung. Auf stillgelegte Flächen könne die Gemeinde (geldwerte) Ökopunkte erhalten, sagte Jäkel. Allerdings müssten diese Flächen eine besondere ökologische Wertigkeit haben und, das gab er zu bedenken, Ökopunkte würden für eine Fläche nur einmal gewährt. Gefördert werde all- gemein die Wiederaufforstung mit Laubbäumen, entweder in Mischform mit Nadelhölzern oder als Reinbestand.

Revierförster Rainer Alberding, der kommissarisch den Rabenauer Wald betreut, wusste von 800 Millionen Euro Fördergeld, das Wiesbaden vermeintlich zur Verfügung stellen wolle. Aber: "Hier ist noch nichts angekommen."

2021 wird frühestens im Herbst neu gepflanzt. Das Frühjahr steht im Zeichen von Nachbesserungen. Alberding hat ein vorläufiges Wiederbewaldungskonzept erstellt. Es umfasst eine Fläche von ins-gesamt 49 Hektar. Weitere 40 Hektar, eine Vielzahl kleinere Parzellen, überlässt man der natürlichen Verjüngung. Je nach Flächengröße werden zwei, drei oder vier Baumarten gemischt, sodass nirgendwo mehr eine anfällige Monokultur hochwächst. Für die 49 Hektar kalkuliert Alberding in den ersten drei Jahren Gesamtkosten über 1,4 Millionen Euro für Flächenräumen, Aufforsten, Zaunschutz, Kulturpflege und Nachbessern. Abzüglich der zu erwartenden Förderung verblieben für Rabenau noch 760 000 Euro. Der Finanzausschuss stimmte dem Forstwirtschaftsplan 2021 mit fünf Jastimmen zu (je eine Neinstimme und Enthaltung).

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