Hartmut Reyl, Sassy Em und Harald Pfeiffer lassen im Hofguttheater Rabenau den großen Mahner Erich Kästner wieder lebendig werden. FOTO: VH
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Hartmut Reyl, Sassy Em und Harald Pfeiffer lassen im Hofguttheater Rabenau den großen Mahner Erich Kästner wieder lebendig werden. FOTO: VH

Mahner und Gesellschaftskritiker

  • vonVolker Heller
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Rabenau(vh). Erich Kästner stand auf dem Spielplan des Hofguttheaters in Odenhausen. Um den Corona-Regeln zu genügen, gab es nachmittags zwei Vorstellungen. Nun fragt sich der Theaterfreund: Was hat denn Kästner für die Bühne geschrieben? Und überhaupt, wie könnte ein Kinderbuchautor für intellektuelle Unterhaltung sorgen? Kästners Problem ist das Fernsehen. Wer dort einmal auftaucht und dann immer wieder, wird auf eine Rolle festgelegt.

Bezüglich Kästner gehört das "Fliegende Klassenzimmer" zum kollektiven Gedächtnis, weil der Lieblingslehrer Dr. Johannes Bökh vom damaligen Liebling der Nation, Joachim Fuchsberger, verkörpert wurde. Der andere Kästner, ein Mahner und Moralist, Satiriker, Gesellschaftskritiker und letztlich Intellektueller, der den Nationalsozialisten als entartet galt, spielt lange schon keine Rolle mehr.

Im Hofguttheater, wo man allein aus Platzgründen vorzugsweise immer auch ein wenig collageartig improvisiert und die räumliche Kleinheit in anspruchsvolle Kleinkunst ummünzt, wurde das Berlin der späten 20er Jahre im Vorfeld der Machtübernahme der Nationalsozialisten lebendig. Es ging um Erich Kästner als Moralisten, der seine Botschaften im Roman "Fabian" oder in Gedichten wie "Abendlied des Kammervirtuosen", "Kennst Du das Land, wo die Kanonen blühn" und "Kurzgefasster Lebenslauf" weitergab.

Der Tastenkünstler Hartmut Reyl - seitdem der Musiklehrer Rentner ist, spielt er praktisch nur noch Klavier - brachte Liedmelodien dieser Zeitspanne mit.

Harald Pfeiffer, vormals festes Ensemblemitglied am Stadttheater in Gießen, rezitierte und Sassy Em, Spezialistin für Cabaret und Burlesque, gefiel als Revuetänzerin.

Kästners Aphorismen sind legendär. Lange vor jeder Weltklimakonferenz mahnte er etwa im "Fabian": Was tut man mit unserem Globus? Man behandelt ihn mit Kamillentee. Alle wissen, dass dieses Getränk nur bekömmlich ist und nichts hilft. Aber es tut nicht weh.

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