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Holzsägen-Schnitzkünstler Alexander Lorenz arbeitet an der Martin-Luther-Büste in Londorf.

Luther-Büste im Skulpturenpark

  • vonVolker Heller
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Rabenau (vh). Bei Erich Kästner gab es in Romanform das »doppelte Lottchen«, in Londorf gibt es ganz real den »doppelten Martin Luther«. Das kommt nicht von ungefähr. Das für Rabenau eigentlich überdimensionierte Gotteshaus, im Volksmund »Dom der Rabenau« bezeichnet, ist die Heimstätte der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde. Hinter der schweren Eingangstür im Foyer steht schon lange eine täuschend echt wirkende Figur des Reformators, ein Pappaufsteller.

Nun, anlässlich des 500. Jahrestags von Luthers Verweigerung des Widerrufs seiner Schriften auf dem Wormser Reichstag (18. April 1521), steht sein zweites Abbild im Skulpturenpark, geschaffen von Alexander Lorenz. Freilich ist jenes weitaus standfester als die Aufsteller-Variante.

Luther wirkt auf der Wiese zwischen dem evangelischen Pfarrhaus und der Begrenzungsmauer zum Burggarten ebenso standfest wie einst in Worms, wo er den Kirchenoberen mutig die Stirn bot. Das hölzerne Ebenbild des Reformators war einmal eine Tanne und ist von der Burgstraße aus einsehbar. Dort steht übrigens ein Schild mit der freundlichen Aufforderung, den Skulpturenpark zu besichtigen.

Spezialität Tiere

Pfarrer Frank Leissler berichtet von ganzen Busladungen, die hierhin einen Abstecher machten. Der Skulpturenpark ist gewissermaßen ein geweihter Ort wegen der Präsenz eines steinernen Außenaltars. Freiluftgottesdienste sind somit möglich. Leissler informiert, es habe schon Kindstaufen gegeben. Das ist ein wenig ungewöhnlich für eine Kirchengemeinde.

Der Motorsägen-Schnitzkünstler Alexander Lorenz aus Ronneburg im Main-Kinzig-Kreis hat in dem Areal in den vergangenen Jahren seine Handschrift hinterlassen, hat Stümpfen von Bäumen, die der Sturm beschädigte oder deren Wuchshöhe ein gefährliches Ausmaß angenommen hatte, neues Leben eingehaucht. Bereits vorhanden sind die drei Erzengel Michael, Gabriel und Rafael, ein Bischofsstab und ein Domspatz (Vogel). Nun also Luther. Und abschließend kommt noch eine Osterkerze aus einem Ahornstumpf hinzu.

Lorenz Spezialität sind eigentlich Tierfiguren. Luther ist erst seine zweite Büste. Zuerst sägte er ausgerechnet Odin, den Göttervater der Wikingerzeit. In seinem Montagebus warten die Werkzeuge auf ihren Einsatz. Das Modellieren Luthers benötigt Kettensägen mit Schwertlängen von zunächst 60 Zentimetern bis hinab zu 20 Zentimetern Länge. Elektroschleifmaschine und Schnitzmesser formen letzte Feinheiten im Gesicht.

Lorenz im Internet: http://eichenwerk.com.

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