Kurzfilmpreis für »Familienzuwachs« aus Rabenau

  • Thomas Brückner
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Ihre Heimat ist Bayern, einen großen Erfolg aber feierte sie, gewissermaßen, im Lumdatal, genauer in der Rabenau: Teresa Hoerl, Studentin an der Münchner Hochschule für Film und Fernsehen. Für ihren Streifen »Familienzuwachs«, für den sie das Drehbuch verfasste und auch die Regie führte, erhielt die 34-Jährige soeben den Hessischen Filmpreis in der Kategorie Kurzfilm.

Ihre Heimat ist Bayern, einen großen Erfolg aber feierte sie, gewissermaßen, im Lumdatal, genauer in der Rabenau: Teresa Hoerl, Studentin an der Münchner Hochschule für Film und Fernsehen. Für ihren Streifen »Familienzuwachs«, für den sie das Drehbuch verfasste und auch die Regie führte, erhielt die 34-Jährige soeben den Hessischen Filmpreis in der Kategorie Kurzfilm.

Die Auszeichnung dürfte nicht nur ihre Familie – die Mutter und deren Mann wohnen in Kesselbach – freuen: Der rund 30-minütige Streifen wurde schließlich in Geilshausen gedreht, und in einer kurzen Sequenz kommen auch die Sangesfreunde vom Liederkranz Kesselbach zu Ehren.

Anke Sevenich im Liederkranz-Chor

Zum Inhalt von »Familienzuwachs«, bei dem die aus Film und Fernsehen bekannten Mimen Anke Sevenich und Rainer Reiners in den Hauptrollen zu sehen sind: Das kinderlose Ehepaar Renate und Manni lebt auf dem hessischen Land, sie haben sich auseinandergelebt, sind gefangen im immer gleichen Trott ihres dörflichen Alltags.

Eines Tages quartiert Renate, ohne Manni zu fragen, eine geflüchtete Familie in der Einliegerwohnung des Hauses ein. Ihr Mann muss nun lernen, sich mit vier neuen Mitbewohnern, noch mehr neugierigen Nachbarn, aber auch mit seinen Vorurteilen zu arrangieren. Nach anfänglichen Missverständnissen gelingt zunehmend das Zusammenleben.

»Der Film«, so heißt es in der Würdigung der Jury, »schafft es, sich humorvoll, vielseitig und authentisch mit verschiedensten Perspektiven auseinanderzusetzen.« Das Drehbuch gebe den Figuren Raum, ihre Zuwendung und Sehnsüchte zeigen zu können. Wo man gerade noch vermuten könnte, der Humor stünde im Vordergrund, werde der Inhalt wieder schärfer, bleibe einem das Lachen im Halse stecken. »Tolles Schauspiel von allen Beteiligten, und eine herrlich authentische Ausstattung mit viel Lokalkolorit runden das gelungene Drehbuch der Regisseurin Teresa Hoerl ab.« Dotiert ist der Kurzfilmpreis mit 5000 Euro.

Die Mittdreißigerin hatte zunächst ihren Master of Arts in Theaterwissenschaften, Neuere Deutsche Literatur und Psychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München gemacht, 2009 begann sie ihre Ausbildung im Fach »Regie für Kino und Fernsehfilm« an der HFF München. »Familienzuwachs« ist der dritte von vier »Pflichtaufgaben«, als Abschlussarbeit hat sie jetzt noch einen Streifen in Spielfilmlänge vor der Brust.

Dass Teresa Hoerl und ihr Team in der Rabenau drehten, liegt vor allem daran: Ihre Mutter, vor zwölf Jahren aus dem Raum München der Liebe wegen nach Kesselbach gezogen, lebt nicht nur in ländlicher hessischer Umgebung, sie engagiert sich ebenso gemeinsam wie ihr Mann in der örtlichen Flüchtlingshilfe. Vor allem um die Menschen in den Gemeinschaftsunterkünften in Londorf und Geilshausen kümmern sie sich.

Markus Titz, Ortsvorsteher von Geilshausen, hatte im Vorjahr eine, wenn auch kleine Statistenrolle. »Bei einer Einkaufsszene im Edeka bin ich zu sehen, aber nur kurz.« Die wurde freilich aus Platzgründen nicht im örtlichen Tante-Emma-Laden gedreht, sondern in Allendorf/Lumda. Das Gros des Kurzfilms aber verdient das Siegel »Made in Geilshausen«: Vor allem im Haus von Hilde Muth wurde »auf Zelluloid« gebannt, wie sehr der Alltag von Manni und Renate aus dem Trott gebracht wird.

Zwei Wochen dauerten die Aufnahmen, fast unbemerkt von der Einwohnerschaft – mal abgesehen von einer kurzfristigen Straßensperrung. Und natürlich der Chorprobe des Gesangvereins Liederkranz Kesselbach, in der Anke Sevenich und Rainer Reiners mitsangen. Ob sie den Ton trafen, das sei an dieser Stelle nicht verraten. Sondern vermutlich im Dezember, wenn der Bayerische Rundfunk als Co-Produzent den »Familienzuwachs« aus der Rabenau in seinem Dritten zeigen wird.

Drei Fragen an Teresa Hoerl

Wie kam es, dass Sie für die Dreharbeiten die Rabenau ausgesucht haben?

Teresa Hoerl : Basis für das Drehbuch waren Beobachtungen, die ich in der Rabenau unter Flüchtlingshelfern und unter den geflüchteten Menschen machen durfte. Ich wollte mit dem Film möglichst nah an den Geschichten und Menschen sein, die ich hier kennengelernt habe. Deshalb war es mir ein Anliegen, den Film in der Rabenau zu drehen.

Wie ist es Ihnen gelungen, solch bekannte Protagonisten »an Land zu ziehen«?

Hoerl: Bei Hochschulfilmen haben wir Regisseure das Glück, dass Schauspieler sehr offen und interessiert an unseren Projekten sind. Wichtig ist, glaube ich, dass das Drehbuch überzeugt und die Passion derer, die den Film machen. »Familienzuwachs« lag mir als Projekt und als Stoff sehr am Herzen und es ist ein großes Glück für mich, dass ich mit einem so wunderbaren Cast arbeiten konnte.

Gibt es schon neue Pläne und wo wird man den Film sehen können?

Hoerl: Da ist vor allem der Abschlussfilm an der HFF, der vor der Tür steht. In den nächsten eineinhalb Jahre soll mein erster Kinofilm in voller Spielfilmlänge entstehen. In der Zeit, die mir neben der Vorbereitung für dieses Projekt bleibt, mache ich kürzere Regie-Projekte oder schreibe Drehbücher und Konzepte. »Familienzuwachs« geht jetzt erst mal auf Festival-Tour. Jetzt im Oktober feiert der Film seine Festival-Premiere auf den Hofer Filmtagen. Ich hoffe natürlich, dass wir auch nach Hessen kommen mit dem Film. Nach der Festival-Tour ist »Familienzuwachs« im bayerischen Fernsehen zu sehen. (tb/Foto: pm)

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