Kanonenschüsse in Londorf - Michaelismarkt eröffnet

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Michael Kuster heißt Rabenaus neuer Marktwächter. Vor zwei Wochen erst, beim Lichterfest im Burggarten, vorgestellt, hatte er gestern schon seine erste Bewährungsprobe zu bestehen. Wie seine Vorgänger zog er mit Dienstfahrrad und Schelle durch die Ortsteile, um jeweils hochoffiziell den am Wochenende gefeierten 30. Michaelismarkt bekannt zu machen. Vorweg: Der Neue machte seine Sache gut.

Michael Kuster heißt Rabenaus neuer Marktwächter. Vor zwei Wochen erst, beim Lichterfest im Burggarten, vorgestellt, hatte er gestern schon seine erste Bewährungsprobe zu bestehen. Wie seine Vorgänger zog er mit Dienstfahrrad und Schelle durch die Ortsteile, um jeweils hochoffiziell den am Wochenende gefeierten 30. Michaelismarkt bekannt zu machen. Vorweg: Der Neue machte seine Sache gut.

Zum einen, was das Verlesen der Markturkunde angeht. Anno 1812 ausgestellt, gewährte somit Großherzog Ludewig seinen gnädigsten Untertanen zu Londorf das Recht, alljährlich dreimal Markt zu halten. Das Amtsdeutsch vor 200 Jahren war "etwas anders", um nicht "sperrig" zu sagen. Doch meisterte Kuster die Aufgabe perfekt, ohne einen Stolperer.

"Michel" für Fotogruppe

Was ebenso für den inoffiziellen, bei den Rabenauern beliebteren Part gilt. Die Rede ist von der seit Wiederbelebung des Marktes 1989 gepflegten Tradition, einen humorigen Rückblick aufs Dorfgeschehen zu geben. Meist in Mundart. Nur: Der neue Ortsdiener wohnt zwar in Londorf, stammt aber aus Hanau. "Platt schwätze" ist also nicht seins, wofür er sich entschuldigte: "Ich ko kee Platt." Dank galt seinen Amtsvorgängern für den Beistand und besonders Hans Heinz Fabel, der ihm beim Reimen half. "Ein Dichter, wie es keinen anderen gibt im Tal."

Am Ende seiner Tour stand die feierliche Markteröffnung im Alten Schulhof Londorf. Der angemessene Rahmen für die Verleihung des "Rabenauer Michel": Die Ehrung für besondere Verdienste ums Gemeinwohl nahm erstmals der neue Bürgermeister Florian Langecker vor, zuteil wurde sie der örtlichen Fotogruppe (Bericht dazu folgt).

Doch zurück auf Anfang: Seine Tour begann Kuster in Rüddingshausen. Wie überall, sorgten die Londorfer Schützen auch dort mit unüberhörbaren Böllerschüssen für die nötige Aufmerksamkeit des Publikums. Gefühlte 100 Dezibel leisere Töne stimmten die Alphornbläser Ohmtal an. In Rüddingshausen berichtete Kuster von einem Schildbürgerstreich: Die alte Eingangstür der SKH war fachmännisch aus-, die neue schnell und sauber wieder eingebaut worden. "Es hat aber kenner genau nachgeschaut: Man konnte nicht hineingehn, nur heraus. Das war ein Spektakel, malt es euch selbst aus."

Nächster Halt: Odenhausen. Hier erinnerte er an die gelungene 925-Jahr-Feier. Kein Grund zum Feiern aber sei, dass benötigtes und von der Politik beschlossenes Baugebiet nicht so schnell komme, da notwendige Unterlagen verschwunden seien. "Man fragt sich, wer da wohl pennte, denn plötzlich sind die Papiere fort."

In Geilshausen griff er das sportliche Highlight des Jahres heraus, den Klassenerhalt der Fußballer. Dafür gaben die alles: "Aus dem Urlaub kommt dann schon, der Trainer flugs zur Relegation. Schießt noch zwei Tore, kaum zu fasse. So bleibt Geilshausen in der Klasse."

Klar dass sich der Ortsdiener in Allertshausen dem Dorfteich widmete, der – sofern er denn mal wieder genug Wasser hat – zum Schlittschuhlaufen einlädt. Daher steht dort das Schild "Betreten der Eisfläche verboten". Immer. Kuster: "Im Winter, bei Frost, macht das ja Sinn. Aber im Juli, bei 36 Grad plus, will mir das net in de Kopp erinn."

Dem Hochwasserproblem nahm er sich in Kesselbach an. "So mancher betet: Oh Herr, sei uns gnädig. Hier sieht’s ja aus wie in Venedig. Drum wird im Ort hier spekuliert, ob der Schaafs Jürgen statt Autos bald Gondeln repariert. Zu viel Wasser, die Rohre zu dünn, wollen wir mal hoffen, die Gemeinde kriegt’s hin."

Schließlich Londorf. Dort kam er auf die Probleme mit der Aschenbahn am TSV-Sportgelände zu sprechen. "Sie ist nicht mehr rot, es ist wie verhext, weil lauter Unkraut auf ihr wächst. Doch wie ist es auf der Welt? Die Gemeinde hat kein Geld. Doch hättet ihr mehr bewegt auf der Bahn eure Haxen, wär das Unkraut erst gar nicht gewachsen..." (tb/Fotos: tb)

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