Jugendlichen eine Perspektive bieten

  • vonVolker Heller
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Rabenau(vh). Rabenau hat als einzige Kommune des Lumdatals keinen Jugendpfleger angestellt. Die Beteiligung an der kirchlichen Stelle des Gemeindepädagogen wurde aufgekündigt, sodass Patrick Papendorf, den das Dekanat Grünberg beschäftigt, seit 2018 die Jugendzentren in den Ortsteilen nicht mehr mitbetreut. Ob es in dieser Richtung einmal eine Kehrtwende geben wird, ist ungewiss. Damit die Jugendlichen der Rabenau nicht ganz unter den Tisch fallen, hat Ingrid Macht dem Sozialausschuss der Gemeinde einen Vorschlag unterbreitet.

Jugendbeauftragter als ein Baustein

Der Kreistag hat das Vorhaben "Jugendgerechte Städte und Gemeinden - jugendgerechter Landkreis Gießen" beschlossen. Ein Baustein dieses Projekts wäre, dass Rabenau aus den Reihen der Gemeindevertreter einen Jugendbeauftragten bestimmt. Wie Macht erläuterte, gebe es die allgemeine Tendenz, sich um Kinder bis einschließlich deren Zeit in der Grundschule zu kümmern. "Nach der vierten Klasse ist tote Hose." Die Belange der Jugendlichen gerieten in den Hintergrund. Kindertagesstätten und Grundschulen seien mit viel Geld auf ganztags ausgedehnt worden. Nur ein Bruchteil dieser finanziellen Anstrengung sei für Jugendliche geflossen.

Der 15. Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung (2017) betrachte diese Altersspanne als eigenständige Lebensphase, so Macht. Jugendliche machten eine Ausbildung oder studierten, suchten ihren Weg und verselbständigten sich. Laut einer aktuellen Studie der Universität Hildesheim bemängelten viele der befragten Jugendlichen, sie würden im Zusammenhang mit der Corona-Krise nur noch als Schüler gesehen. Betriebe hätten jedoch Praktika abgesagt und Ausbildungsstellen gestrichen.

Damit Jugendliche, die an ihrem Wohnort bleiben oder nach ihrer Ausbildung wieder hierher zurück kommen, Verantwortung für das Gemeinwohl in den Parlamenten und Vereinen übernähmen, müsse ihnen eine Perspektive geboten werden. Macht: "Hören Sie auf die Jugendlichen, lassen Sie Experimentierfreude zu, außergewöhnliche Ideen." Der Jugendbeauftragte übernehme dabei die Schlüsselrolle als Vermittler.

Karl-Heinz Till (Grüne) gab zu bedenken, die Gemeindevertreter taugten altersmäßig mehrheitlich als Vertreter des Seniorenbeirats denn für Jugendbelange. Einstimmig beschloss der Sozialausschuss, dass die Fraktionen zunächst intern beraten, dann dem Finanzausschuss einen Beschlussvorschlag für das Parlament vorlegten. Es geht dabei um die Beteiligung an dem Vorhaben des Landkreises in Form einer Kooperationsvereinbarung. Der Jugendbeauftragte wäre ein Baustein.

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