Gudrun Maecker
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Gudrun Maecker

"Es ist jetzt ein Privileg, auf dem Land zu wohnen"

  • vonLena Karber
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Rabenau(lkl). Die Corona-Pandemie hat den Alltag aller auf den Kopf gestellt. Das öffentliche Leben steht still, soziale Kontakte haben viele nur noch telefonisch oder online.

An dieser Stelle werden in den kommenden Tagen Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen Einblicke in ihren neuen Alltag gewähren. Heute: Gudrun Maecker, Leiterin des Hofguttheaters Rabenau und Inhaberin einer Ballettschule.

Frau Maecker, wie verläuft Ihr Tag normalerweise?

In der Ballettschule hier im Haus haben wir normalerweise fast jeden Nachmittag Unterricht, im Schnitt etwa vier Stunden. Da ich außerdem noch das Hofguttheater Rabenau betreibe und wir auf einem großen Hofgut wohnen, ist mein Alltag sehr arbeitssam.

Und wie sieht Ihr Alltag jetzt aus?

Die Ballettschule musste ich zumachen, aber wir stellen unseren Ballettschülern Aufgaben und sie senden uns dann Videos mit den Ergebnissen zu. Meine Tochter korrigiert sie dann. Auch das Theater hat zu und unsere geplanten Aufführungen können nicht stattfinden, aber ich arbeite jetzt die neuen Spielpläne aus und bereite mich auf die Zeit danach vor. Insofern habe ich genauso viel Arbeit wie sonst. Zudem haben wir ein paar Gärten und fast meine gesamte Familie wohnt hier auf dem Hofgut. Nur das Einkaufen ist ein bisschen schwerer, aber nicht unmöglich. Ich meide große Läden und lege einen Zettel mit den Dingen, die mir fehlen, vor die Tür des Dorf- ladens im Nachbarort. Die Sachen hole ich dann ab oder sie werden mir gebracht.

Was vermissen Sie am meisten?

Den direkten Kontakt zu den Menschen - zu meinen Freunden, zu den Schülern, zu dem Publikum. Durch die sozialen Medien geht es einigermaßen, aber normalerweise haben wir hier sehr viele persönliche Kontakte. Es ist immer sehr lebendig. Das ist es jetzt im Moment leider nicht. Viele Leute haben immer gesagt, dass sie wahnsinnig gerne zu unseren Aufführungen kommen. Dass ich den Menschen im Moment diese Freude nicht machen kann, das macht mich traurig.

Was ist positiv?

Für mich hat sich nicht viel zum Positiven verändert. Das, was jetzt positiv ist, das hatte ich immer schon - jetzt eben mit den situationsbedingte Abstrichen. Meine Tochter und ich leben beruflich vom Kontakt mit Menschen. Wenn die momentane Situation ewig dauern sollte, wäre unsere berufliche Existenz gefährdet. Aber noch haben wir keine negativen Reaktionen erhalten. Man muss auch sagen, dass die Lage auf dem Land grundsätzlich eine andere ist als in der Stadt. Hier sind die Leute noch viel stärker familiär eingebunden. Es gibt sehr viele Möglichkeiten, die es in der Stadt nicht gibt, wo Kinder nicht einfach aus der Wohnung in den Garten können und alle Spielplätze gesperrt sind. Wenn man in einer engen Wohnung eingepfercht ist, machen sich schnell Aggressionen breit. Ich habe gehört, dass Frauenhäuser enormen Zulauf haben. Das finde ich erschreckend. Man muss sagen, es ist jetzt ein Privileg, auf dem Land zu wohnen. FOTO: PM

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