Holz zu Schleuderpreisen

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Rabenau (vh). "Der Wald trägt schwarz und leidet", könnte man das "Abendlied" von Matthias Claudius leicht verfremdet wiedergeben. Die Hiobsbotschaften aus den Wäldern reißen nicht ab. Revierförster Peter Krautzberger und der kommissarische Leiter des Forstamts Wettenberg, Ralf Jäkel, berichteten auf einer gemeinsamen Sitzung der Ausschüsse für Finanzen und Bauen. Das Defizit für den Waldwirtschaftsplan 2020 beträgt demnach 83 800 Euro.

Krautzberger: "Wir müssen der Realität ins Auge sehen." Schlechte Nachrichten aus dem Forst gebe es europaweit. "Die lebende Förstergeneration hat so etwas noch nicht erlebt." Jäkel nickte zustimmend. Das einzige halbwegs Funktionierende sei der Holzexport nach China, so Krautzberger. Das Überangebot führe zu Schleuderpreisen. Früher habe der Festmeter Fichte rund 90 Euro gebracht, China überweise maximal 35 Euro. Nur ein Drittel des eingeschlagenen Holzes gehe in den Export, das übrige liege noch im Wald. Die Förster seien schuld am Dilemma, hätte man sagen können, wenn nur die Fichte betroffen wäre (sie hätten ja nichts anderes gepflanzt), gab der Revierleiter zu. Bloß seien diesmal alle Baumarten betroffen. Die Eiche, momentan mache sie noch einen fitten Eindruck, kränkele erfahrungsgemäß mit Zeitverzug, also voraussichtlich 2020/2021. Jäkel erklärte, dass Buchen, denen das Feinreisig in der Krone fehle und die schon im Juli und August Blätter abgeworfen hätten, aufgesucht und Baum für Baum begutachtet werden müssten. Schneller als die Fichte werde ein Buchenstamm von innen heraus marode und für den Verkauf als Stammholz entwertet. Der Neuaufbau eines klimastabileren Waldes soll mit einer Vielzahl an Pflanzen durchgeführt werden: Esskastanie, Hemlockstanne, Weißtanne, Douglasie, Traubeneiche, Roteiche, Lärche, Lebensbaum, Flaumeiche oder Atlaszeder. Das Land Hessen gebe Zuschüsse für die Aufarbeitung von Schadholz (4,80 Euro pro Festmeter). Zuschüsse für Neuanpflanzungen seien zugesagt, aber noch nicht klar definiert.

Die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt Göttingen sammle zurzeit alle Ergebnisse, die in Deutschland in vergangenen Jahrzehnten mit verschiedenen Baumarten gemacht wurden. Beide Ausschüsse stimmten dem Wirtschaftsplan jeweils zu.

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