Hoffnung auf ein gutes Ende

  • Thomas Brückner
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Rabenau (tb). Viele Jahre stand das Haus an Londorfs Ortsdurchfahrt leer. Ein »Lost Place«, könnte man meinen. Und dazu mit etwas anrüchiger Geschichte: Dereinst soll hier eine Domina ihre Kunden »verwöhnt« haben. In einem Narrenboten der »Blauen Raben«, scherzt Bürgermeister Florian Langecker, hätte vielleicht ein Rätsel gestanden: »Wusstet Ihr schon, dass am Dom eine Ina wohnt .

..?«

Doch seit zehn Jahren schon wohnt in dem Haus an der verkehrsreichen Gießener Straße gegenüber dem Dom der Rabenau kein Mensch mehr. Tiere schon, wie Beschwerden von Nachbarn vermuten lassen.

Ein Problemfall der Kategorie »Leerstand«. Und ein hartnäckiger dazu. Bis mit Mehmet Demir nun ein Käufer gefunden wurde, waren dicke Bretter zu bohren.

Was mit der kuriosen Rechtslage zu tun hat: Nach dem »Hörensagen«, so Rabe-naus Verwaltungschef beim Lokaltermin, sei das Anwesen nach der Insolvenz der privaten Eigner herrenlos geworden. »Mein erster Gedanke war, prima, dann verschenken wir es.« Doch wäre das zu einfach gewesen: Gebe jemand den Besitz an seinem Haus auf, habe die Gemeinde zwar die Verkehrssicherungspflicht, doch kein Recht, darüber zu verfügen. Das »Aneignungsrecht« stehe vielmehr dem Landesbetrieb Bau und Immobilien (LBIH) zu. Der verwalte herrenlose Häuser, ohne sie zu besitzen und - wie hier der Fall - ohne sich vor Ort zu kümmern.

»Wir als Gemeinde hatten den Ärger, der LBIH wollte es gewinnbringend veräußern, konnte aber das nötige Engagement nicht aufbringen - ein unglückliches Konstrukt.« Hohe Grundschulden erschwerten zusätzlich die Suche nach einer Lösung »Wie sollte man da das Haus gewinnbringend veräußern?« Immerhin 150 Jahre alt und vor allem baufällig, da das Dach undicht und über ein kaputtes Fallrohr permanent Wasser ins Gebäudeinnere eindrang. Irgendwann, so Langecker, wäre das denkmalgeschützte Gebäude eingestürzt.

Das freilich war für ihn keine Option. Stattdessen suchte er nach Käufern. Stimmte sich dabei mit der Landesbehörde ab, die zunächst ein regelgerechtes Gutachten verlangte, da man ohne Wertermittlung einem Verkauf nicht zustimmen dürfe. Alles in allem musste fürs Land Rabenau 2500 Euro vorstrecken. Langecker konnte hier auf die Unterstützung von Jens Köhler von der Gesellschaft SWS (Sozialer Wohnungsbau und Strukturförderung) im Kreis zählen. Dieser wird nun auch den neuen Eigner über Fördermittel beraten. Dass Wiesbaden wenigstens keinen Mindestpreis forderte, antwortete der Rathauschef auf Nachfrage. Der hatte derweil mit den Gläubigern einen Verzicht auf Außenstände erreicht, sodass die Grundschuld getilgt werden konnte.

Zehn Interessenten meldeten sich auf eine Annonce, zwischen den Jahren fanden die Besichtigungen statt. Schließlich ging das Anwesen neben dem ev. Gemeindehaus und ehedem im Besitz der Kirche an den Meistbietenden, erhielt der Wiesecker Mehmet Demir den Zuschlag. Rabenaus Rathauschef hatte also den Immobilienmakler fürs Land gegeben, das den Kaufpreis im vierstelligen Bereich vereinnahmte. Wenigstens übernahm es die Gutachterkosten.

Der neue Eigner verfügt über einschlägige Erfahrungen, schätzte, in drei bis fünf Monaten mit der Sanierung fertig zu sein. Dafür will er viel Eigenleistung und 100 000 bis 150 000 Euro investieren. Zunächst werde er das Haus vermieten, später verkaufen.

Wie Langecker noch anmerkte, gebe es in der Kerngemeinde nurmehr einen weiteren Leerstand, in den anderen Dörfern keine. »Ich frage das regelmäßig bei den Ortsvorstehern ab, werde vielmehr oft kontaktiert, ob ich eine Wohnung oder Haus weiß.« FOTO: TB

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