Blick auf Rüddingshausen und den Windpark am "Läushübel" (Teilansicht): Vier der insgesamt sieben Mühlen werden demontiert durch zwei leistungsstärkere ersetzt. Aus dem Ort, seit 2008 der erste im Landkreis mit einem Windpark, wird nun die Forderung nach einem finanziellen Ausgleich laut. ARCHIVFOTO: TB
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Blick auf Rüddingshausen und den Windpark am "Läushübel" (Teilansicht): Vier der insgesamt sieben Mühlen werden demontiert durch zwei leistungsstärkere ersetzt. Aus dem Ort, seit 2008 der erste im Landkreis mit einem Windpark, wird nun die Forderung nach einem finanziellen Ausgleich laut. ARCHIVFOTO: TB

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  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
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Rabenau(tb). Repowering von Windkraftanlagen, nichts Neues im Vogelsberg. Für den Kreis Gießen aber schon. Geplant ist das nun für den hierzulande ältesten Windpark in Rüddingshausen. Der Ortsbeirat hat seine Zustimmung erteilt - freilich nicht ohne eine "Entschädigungsforderung" zu erheben. Dazu später mehr.

Grundsätzlich hat ohnehin das Gemeindeparlament das letzte Wort. Nach den Voten der Fachausschüsse aber ist auch da ein Ja zum Vertrag mit dem Betreiber Juwi zu erwarten. Zumal die Gemeinde, wie Rathauschef Florian Langecker durchblicken lässt, im Ergebnis der Verhandlungen mit einer erhöhten, fünfstelligen Summe rechnen kann - Pacht- und Nutzungszahlungen für Wege sowie benötigte Abstands- und Rotorüberflugflächen.

247 Meter hoch

Wie Langecker im Bauausschuss sagte, sei der von Bürgern geäußerte Wunsch nach Verschiebung der nördlichsten Mühle in den Wald - mithin von jetzt privaten auf Gemeindeflächen - nicht genehmigungsfähig (Vorrangfläche).

Mit dem Repowering verbunden ist auch hier ein erhebliches Höhenwachstum: Die Rotorspitzen der alten Windräder vom Typ "Gamesa 58" - technisch überholt und unwirtschaftlich - reichen 100 Meter in den Himmel über Rüddingshausen. Bei den neuen Anlagen der "5-Megawatt-Klasse"" werden es rund 247 Meter sein. Wohlgemerkt: Vier werden ab-, nur zwei aufgebaut, dennoch soll sich die Gesamtnennleistung von 3,4 auf rund 11 Megawatt verdreifachen. Die Stromerzeugung soll sich sogar mehr als versechsfachen, von vier Millionen kW/h pro Jahr auf über 25 Millionen.

Im Sinne der Ortsbewohner kleiner positiver Nebeneffekt: Demontiert wird die dem Dorf am nächsten gelegene Mühle (rund 950 Meter entfernt), der neue Standort liegt rund 70 Meter weiter weg.

In der Sitzung des Bauausschusses - wie der Hauptausschuss stimmte er einmütig für die Verträge - sprach Rüddingshausens Ortsvorsteher Ewald Thomas die Nachteile für die Bürger an. Seit 1998 bereits nehme man die Belastungen durch den Windpark - neben den Juwi-Anlagen umfasst der drei weitere eines anderen Betreibers (Typ Fuhrländer, je 1,5 MW, Gesamthöhe 138,5 Meter) - in Kauf, akzeptiere die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes, die Schallemissionen. "Die Bürger sollten merken, dass ihr Entgegenkommen für die Umwelt und die Allgemeinheit belohnt wird", meinte Thomas mit Hinweis auf die Pachteinnahmen. Und erachtete einen "Obolus für die Ringshäuser" als angebracht.

Juwi ist bereits mit den Grundstückseignern handelseinig geworden, gemäß Bundesimmissionsschutzgesetzes sind nun eine Reihe von Gutachten der Genehmigungsbehörde vorzulegen. Eine Bürgerbeteiligung soll ermöglicht werden. Die Inbetriebnahme, so der Projektierer auf GAZ-Nachfrage, sei Ende 2024 geplant. Und: "Die Fundamente der alten Anlagen werden komplett zurückgebaut."

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