Vorfall Londorf

Gewalt an Grundschüler in Rabenau: Kreiselternbeirat und Schulamt äußern sich

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Tritte und Schläge von Neunjährigen gegen den Kopf eines Mitschülers in Londorf sorgen weiterhin für Diskussion. Auch Kreiselternbeirat und Staatliches Schulamt äußern sich zum Vorfall.

Pause: Während Kinder auf dem Hof der Grundschule in Londorf rannten, spielten und lachten, gerieten mitten im Getümmel drei Kinder aneinander. Die Polizei schildert den Fall, der sich bereits am vergangenen Dienstag zutrug, so: Zwei neunjährige Zwillinge beleidigten einen zwei Jahre jüngeren Mitschüler. "Hört auf", wehrte sich dieser. Doch die beiden Brüder ließen nicht von ihm ab. Sie schlugen und traten wild auf ihn ein, trafen seinen Oberkörper und seinen Kopf. Der Junge landete mit Prellungen im Krankenhaus, musste dort zur Beobachtung zwei Tage verbringen.

Kinder setzen doch nur Verhaltensweisen ihrer Eltern fort

Michael Chadim

Die brutalen Schläge machen vor allem betroffen, weil sie sich zwischen Grundschülern ereignet haben. Einer der Prügler ist von der Schule für eine Woche vom Unterricht suspendiert worden. Der Vorfall sei nun aufzuklären, erklärt Dr. Arne Hogrefe vom Staatlichen Schulamt. "Es ist davon auszugehen, dass es zwischen den Beteiligten schon im Vorfeld Streit gab." Ein Verweis auf eine andere Schule droht dem Neunjährigen vorerst allerdings nicht. Dafür reiche in der Regel kein einmaliger Vorfall, erklärt Hogrefe. Und gerade bei noch so jungen Schülern setze man auf Gespräche.

Jugendamt ist eingeschaltet

Die Mutter des Opfers zeigte die Tat an. Inzwischen gab es Treffen zwischen den betroffenen Kindern, den Eltern, begleitet von Polizei und Sozialarbeitern. Das Jugendamt wurde eingeschaltet. Am gestrigen Dienstag war zum wiederholten Mal auch eine Schulpsychologin vor Ort.

Gegen die Schulleitung – etwa wegen Vernachlässigung der Aufsichtspflicht – werde nicht ermittelt, erklärte eine Sprecherin der Polizei. Ohnehin verhinderte eine Lehrerin der Rabenschule Schlimmeres, wie die Polizei berichtet: Sie wurde auf die Prügelei aufmerksam und ging dazwischen.

RTL auf dem Schulhof 

Gewalt sei an Grundschulen kein schwerwiegendes Problem, betont Hogrefe. Überhaupt seien Schlägereien an Schulen in den vergangenen Jahrzehnten stark rückgängig. "In den 70er und 80er Jahren gab es wesentlich mehr Prügeleien. Wir reagieren heute nur sensibler darauf." Inzwischen spiele Mobbing über soziale Medien eine viel stärkere Rolle. Michael Chadim, stellvertretender Vorsitzender des Kreiselternbeirats, sieht das allerdings anders. "Gewalt ist an Grundschulen durchaus ein Problem. Das dringt nur sehr oft nicht nach außen."

Mehrere Fernsehkameras waren am gestern auf die Rabenschule gerichtet, eine RTL-Reporterin schritt über den Hof der Londorfer Grundschule. Der Fall schlägt Wellen. Die Schulleitung äußert sich unterdessen nicht zu dem Vorfall. Dies sei üblich und auch verständlich, erklärt Chadim vom Kreiselternbeirat. "Ganz schnell sind Eltern und Kinder gebrandmarkt."

Zunehmende Respektlosigkeit

Laut einer Polizeisprecherin sind die Eltern der beiden prügelnden Schüler Asylbewerber, die Nationalität nannte die Polizei nicht, das Opfer ist deutsch. Gewaltfälle, bei denen Flüchtlingskinder involviert sind, seien durchaus ein Thema, räumt Hogrefe vom Staatlichen Schulamt ein – "wenn auch nicht gerade an einer kleinen Grundschule auf dem Dorf."

Doch gerade Kinder im Grundschulalter reagierten auf Neues, Fremdes und andere Kulturen auch kritisch, dann seien Konflikte möglich. "Kinder aus Flüchtlingsländern haben sehr viel erlebt, ihre Eltern auch", hält Chadim fest.

Allerdings beobachten Experten eine zunehmende Respektlosigkeit auch bei deutschen Kindern. "Die Kinder setzen doch nur Verhaltensweisen ihrer Eltern fort", sagt Chadim. Es helfe oft, wenn Kinder in Vereinen engagiert seien und Respekt lernen. "Häufig fehlt es an sozialer Kompetenz in den Familien."

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