Gemeinde verkauft Freizeitcamp

  • Thomas Brückner
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Rabenau(tb). Die Lumdatal- gemeinde Rabenau ist alles andere als auf Rosen gebettet. Um wieder etwas Luft zu bekommen, wurde bereits die Grundsteuer B auf ein kreisweites Rekordniveau von 690 Prozent angehoben. Teil des Konsolidierungskonzeptes ist überdies der Verkauf des "Tafelsilbers", der beiden Kindergärten und der Freizeitanlage auf dem "Melmes". Für Letzteres fasste der Bauausschuss nun einstimmig den Grundsatzbeschluss und brachte zugleich eine neue touristische Nutzung auf den Weg.

Die 2,2 Hektar große Anlage mit Haupt- und Sanitärgebäude sowie fünf Blockhütten befindet sich auf einer Anhöhe unweit von Geilshausen, inmitten unberührter Natur. Herrliche Fernsicht, die Lage an der Wanderroute "Rabenauer Höhenweg", das nahe Radwegenetz Richtung Gießen, Marburg oder Grünberg - ideale Voraussetzungen für sanften Tourismus.

Zwei Versuche gab es bereits: Die Delta Tours KG hatte 2005 den Anfang gemacht, das Gelände von der Gemeinde in Erbbaupacht erworben und baulich erschlossen. Der Fokus lag auf Aktivurlaubern, für die man Kanutouren auf der Lahn organisierte. Fünf Jahre später aber war Schluss - aus "persönlichen Gründen", wie es hieß. Ab 2014 bot hier ein niederländischer Veranstalter christliche Freizeiten an. Der Plan, das Areal über Mietzahlungen zu erwerben, scheiterte 2016 an der Restfinanzierung. Im September des Jahres entschied sich die Parlamentsmehrheit gegen einen Verkauf an privat und für den Rückerwerb des Erbbaurechts für rund 180 000 Euro. Das vorläufig letzte Kapital wurde im Vorjahr geschrieben, als die Politik die erwogene Nutzung als Kita fallen ließ.

Nur zwei Bewerber

Jetzt also der neue Anlauf. Bürgermeister Florian Langecker musste im Bauausschuss wenig Überzeugungsarbeit leisten. Ein Verkauf bringe nicht nur dringend benötigte Einnahmen (rund 200 000 Euro, die Red.), er entledige die Kommune auch von den Unterhaltungskosten. Auf die Ausschreibung hätten sich zunächst zehn Interessenten gemeldet. Langecker: "Am Ende waren es dann nur noch zwei, ob’s an Corona lag?"

Beide Bewerber planen eine Nutzung im Sinne eines sanften Tourismus, setzen auf Kooperationen mit Naturfreunden. Einen kennen die Rabenauer: Ein Hundeservice aus dem Kreisgebiet, der sich 2016 vergeblich um den Ankauf bemüht hatte. Unter dem Motto "Leben, erholen und lernen im Einklang mit der Natur" soll das Camp zu einem Ort werden, an dem "Menschen (und gegebenenfalls Tiere) zur Ruhe kommen und lernen, miteinander zu kommunizieren". Übernachtungen von Individualreisenden, Wanderreitern oder Wohnmobilisten sind Teil des Businessplans. Als "wichtiger Punkt" umfasst der die Arbeit mit Hunden. Und so sind Urlaube, Wanderungen oder Workshops mit den Vierbeinern Teil des Konzeptes.

Auch beim zweiten Anbieter handelt es sich um einen Hundeservice. Den Baden-Württembergern schwebt ein Bildungs- und Freizeitcamp vor. Den "Melmes" wollen sie zum Ausflugsziel für Wanderer, Radfahrer, aber auch für Familien, soziale und pädagogische Einrichtungen machen. Der Grillplatz könnte etwa für private Feiern genutzt werden. Als Besonderheit wird ein Streichelzoo avisiert, der in erster Linie Kinder ansprechen soll, denen unter Anleitung der respektvolle Umgang mit Tieren vermittelt werden soll.

In der Beratung sprachen sich Ewald Thomas (FW) und Uwe Höres (SPD) für das Konzept der Kreis-Gießener aus, auch wegen der "Ausdauer". Anders Karl-Heinz Till (Grüne) und Heinrich Nachtigall (CDU): Das zweite Konzept sei breiter aufgestellt als ein "Hundecamp", bringe wohl mehr Gäste nach Rabenau. Am Ende stand die Einigung, vor einem Zuschlag die Bewerber zur persönlichen Vorstellung hinter verschlossenen Türen einzuladen.

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