"Baum fiel": das Streitobjekt am Rüddingshäuser Boden. F.: PM
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"Baum fiel": das Streitobjekt am Rüddingshäuser Boden. F.: PM

"Da war Gefahr im Verzug"

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
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Rabenau(tb). Für Manfred Loth sind die Vorwürfe ungerecht. Er spricht gar von "Rufmord", verweist auf einen Shitstorm bei Facebook. Worum es geht und worüber diese Zeitung gestern berichtet hatte: Am Samstag hatte der Rüddingshäuser eine gut 70 Jahre alte und 20 Meter hohe Pappel fällen lassen. Auf seinem Privatgrund. Doch, wie er betont, aus einem triftigen Grund: Von dem Baum, wenige Meter von einem Weg entfernt, begrenzt von einem Wohngebiet und Gärten, sei Gefahr ausgegangen. Immer wieder habe er spielende Kinder ansprechen müssen: "Bleibt weg!" Mehrere Dorfbewohner hätten ihn daher aufgefordert, etwas zu unternehmen. Was auch ein Nachbar gegenüber der GAZ bestätigt: "Schwere Äste sind runtergefallen, teils direkt auf den Weg." Der werde häufig genutzt, auch von Friedhofsbesuchern.

Dass Gefahr im Verzug gewesen sei, so wieder Loth, habe auch ein Bekannter, Forstwirt von Beruf, bestätigt. Diese Pappel habe nun mal ihr Alter erreicht gehabt, wäre über kurz oder lang auseinandergebrochen. Nach der Fällung sichtbare hohle Stellen im Stamm stützen für den 64-Jährigen diese Befürchtung. Nur, und das gibt er unumwunden zu: "Es war eine Dummheit, nicht zuvor eine Genehmigung einzuholen. Eine Kurzschlusshandlung." Für die er nun in den "sozialen Medien" mit harschen Angriffen überschüttet werde. Dass die Fällung am Samstag mit Ausnahme eines Mannes, der "Baummörder" rief und gleich wieder verschwand, von keiner Protestkundgebung begleitet worden sei, nur eine Handvoll Nachbarn zuschaute, fügte Loth noch an. Und auch, dass er zuvor schon seine Pläne für die Anlage einer Streuobstwiese kundgetan habe.

Wie der Landkreis auf Nachfrage erklärte, werden in § 67 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) "Befreiungstatbestände" genannt. Eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung fällt darunter; insbesondere unterm Aspekt Verkehrssicherungspflicht. Vor einer Fällung aber, so die Pressesprecherin, hätte eine Genehmigung beantragt werden müssen. Unterfüttert mit einem Fachgutachten, das Aspekte des Artenschutzes wie die Frage aufgreife, ob es sich um einen Eingriff gemäß § 14 BNatSchG handele, also die "Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushalts oder das Landschaftsbild erheblich beeinträchtigt" werden. Da weder Antrag noch Gutachten vorlägen, könne die Fachbehörde auch nicht sagen, ob eine Genehmigung erteilt worden wäre. Die Sprecherin machte im Weiteren und grundsätzlich noch darauf aufmerksam: "Verkehrssicherungspflicht geht nicht in jedem Fall vor, wenn ein Baum Äste abgeworfen hat."

Klar stellte der Kreis am Ende noch, dass die Untere Naturschutzbehörde (UNB) die Pappel nicht als ortsbildprägend eingestuft habe. Da jedoch auf Luftbildern gut zu erkennen, sei zu prüfen, inwieweit § 14 BNatSchG (Eingriffe in Natur und Landschaft) seine Anwendung finde.

Der Rabenauer werde nun zu einer Anhörung geladen. Aufgrund der Gesetzeslage und seiner Stellungnahme werde hernach über das weitere Vorgehen entschieden. Ob ein Bußgeldverfahren eingeleitet werde? "Vermutlich."

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