Flotte Hommage an die Siebzigerjahre

  • vonVolker Heller
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Es ist ein schier endloses Thema: das Lästern über die mutmaßlich typische Musik eines Jahrzehnts. Normalerweise sind damit stets Schlager gemeint. Manchmal versteckt sich ein Chanson in der Aufzählung. Der Schlager ist in Deutschland so etwas wie das Volkslied des 20. Jahrhunderts. Im Hofguttheater Rabenau waren jetzt die 70er Jahre an der Reihe. Sie wurden von Frank Mignon und Anita Vidovic mit künstlerischer Sorgfalt seziert.

Es ist ein schier endloses Thema: das Lästern über die mutmaßlich typische Musik eines Jahrzehnts. Normalerweise sind damit stets Schlager gemeint. Manchmal versteckt sich ein Chanson in der Aufzählung. Der Schlager ist in Deutschland so etwas wie das Volkslied des 20. Jahrhunderts. Im Hofguttheater Rabenau waren jetzt die 70er Jahre an der Reihe. Sie wurden von Frank Mignon und Anita Vidovic mit künstlerischer Sorgfalt seziert.

Die Vielzahl der Schlager-Protagonisten und ihre melodiösen, oft einschmeichelnden Überlieferungen sind schon erstaunlich. Was damals "erste Sahne" war oder schien, darüber kann man heute prächtig lästern. Wesentliche Merkmale sind immer auch der Kostümfummel und die Plateauschuhe. Diesbezüglich gab sich Vidovic in Hochform. Selbst Mignon hatte eines dieser "unmöglichen" Discohemden in blauvioletten Farbtönen übergeworfen.

Mignons eindeutige Analyse der oft fantasievollen Liedtexte beruhte auf der mutmaßlich lasterhaften 68er-Generation. Sicher hätten "die alten Kiffer" Zeilen fabriziert wie etwa "Der Junge mit der Mundharmonika" (Bernd Clüver). Nichtsdestotrotz gab sich das Publikum dem gerne hin und verzückt wie Generationen zuvor schon. Man mag über die Frisuren der 70er und Schlaghosen lachen – doch so viel steht fest: der Eingängigkeit und dem Wiedererkennungswert solcher Melodien gebührt Anerkennung.

Beide Künstler moderierten auch das musikalische Zeitgeschehen, Mignon lieferte die grandiose Tastenmusik und ab und an einen Titel, etwa "Die kleine Kneipe" (Peter Alexander). Vidovic trug mit heller Freude die singende Hauptlast, tanzte (intensiv zu Nico Haaks "Schmidtchen Schleicher") und unterstrich mit lebhafter Gestik die Tonkunst noch. "Seien sie einfach frei und steigen sie in das Lied ein", forderte Mignon die Zuhörer auf. Im Kollektiv wurde das verwirklicht bei "Im Wagen vor mir" (Henry Valentino & Uschi). "Rada rada radadada" ertönte es aus einer Vielzahl Kehlen. Die 70er als Zeit der großen Shows wurden an diesem Abend noch einmal lebendig. Rudi Carrells früher Vorliebe für Ballettauftritte kam Vidovic nach. Als Ballettersatz tanzte sie mit einem Schirm zu "Wann wird’s mal wieder richtig Sommer". Für die Zugabe "Tränen lügen nicht" (Michael Holm) machte das Publikum den Backgroundchor. Schluchz! So schön waren die 70er Jahre.

Wiederholung der erstklassigen 70er-Show am Sonntag, 2. Juni, 18 Uhr im Hofguttheater Rabenau (Odenhausen/Lumda, Appenborner Weg).

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