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Der ehemalige Feuerlöschteich nördlich des alten Sägewerks (Bildhintergrund) an der Brodbachstraße (rechts). Hier wurden kürzlich alle Bäume abgesägt. Das Parlament beschloss, die Fläche solle der Investor mit übernehmen und in eigener Verantwortung neu gestalten.

Diskussion über ehrgeiziges Projekt

  • vonVolker Heller
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Rabenau (vh). Die Luft in der Londorfer Lumdatalhalle war lange noch nicht raus. Mit ungebremster Freude am politischen Diskurs absolvierte das Rabenauer Gemeindeparlament nur zwei Tage vor der hessischen Kommunalwahl Freitagabend seine letzte Sitzung in der alten Wahlperiode. Kürzlich in Staufenberg benötigte das Parlament eben mal neun Minuten, um den Haushalt 2021 zu beschließen.

Die 20 Rabenauer Fraktionsvertreter aber diskutierten sich knapp zweieinhalb Stunden lang die Köpfe heiß.

Selbst einer der »alten Herren«, Walter Scheerer, Gemeindevorstand aus Rüddingshausen, hatte am Abend seines 81. Geburtstags den Weg ins Lumdatal gefunden. Er bedauerte, dass er aufgrund von Corona keinen ausgeben konnte.

Frage der Energie

Langatmig ging es beim Bebauungsplan »Brodbachstraße« zu. Ein Investor hat das Gelände um das alte Sägewerk in Londorf angekauft, um dort ein kleines Wohngebiet zu vermarkten. Gleichwohl die Gemeindevertreter bei vier Enthaltungen einstimmig den Planentwurf zur Offenlage freigaben, ist das ehrgeizige Projekt lange nicht in trockenen Tüchern.

Insofern scheint es ein Klacks, die vorgefundene Population Zauneidechsen an einen geeigneten Ort umzusiedeln. Uwe Höres (SPD) schlug dafür das Wanderhäuschen des OHGV vor. Deutlich anspruchsvoller wird wohl die Gestaltung des ehemaligen Feuerlöschteichs in unmittelbarer Nähe der Brodbachstraße. Höres: »Im Bauausschuss hatten wir beschlossen, das macht der Investor«. Bürgermeister Florian Langecker: »Man sollte konkretisieren was zu tun ist«. Gottfried Schneider (FW): »Das Löschen ist gesichert. Dafür brauchen wir keinen Teich«.

Schließlich wurde der Beschluss um die Notiz ergänzt, der Investor übernehme das Teichgelände samt Neugestaltung in seine Verantwortung. Höres: »Damit die Gemeinde nicht auf den Kosten für die Pflege hängen bleibt«. Langecker gab zu bedenken, der Investor habe »keinen Spielraum für Extrawürste«, denn der Abriss des Sägewerks, die Entsorgung von Bauschutt und Altlasten, jene seien übrigens eindeutig kartiert, würde bestimmt »ein Vermögen verschlingen«.

Der Investor - die Gebrüder Wagner vom gleichnamigen Architektur- und Ingenieurbüro in Solms/Lahn - war eigens zur Befragung durch das Parlament eingeladen. Sergei Wagner sagte, man wolle den Bauwilligen faire Grundstückspreise offerieren. Um wirtschaftlich rentabel zu bleiben, dürften die Erschließungskosten nicht explodieren. Dem im Finanzausschuss angedachten Thema »Blockheizkraftwerk« (BHKW) erteilte er daher eine Absage. Fernwärme (in diesem Fall wohl Nahwärme) verursache bei der Installation zu hohe Kosten. Alternativ schlug er den Einbau energieeffizienter Luft-Wärmepumpen vor.

Karl-Heinz Till (Grüne) wollte das BHKW nicht auf Biegen und Brechen, aber zukunftsorientierte Energie, die »ökologisch sinnvoll ist«. Heinrich Nachtigall (CDU) vertrat die Meinung, der Bebauungsplan sollte wohl gültige Vorschriften umsetzen, aber »die Energieform sollte jeder selbst auswählen«. Wer alternativ heizen wolle, bekomme dafür vielleicht bessere Kredite. Egon Kellermann (CDU) rügte eine weitere Gängelei des Investors. »Nach den Vorschriften zu bauen, ist doch die Hauptsache«. Bernd Schladitz (SPD) meinte: »Es darf auch ein bisschen mehr sein«.

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