Kommunalwahl im Kreis Gießen

Wahl des Gemeindeparlaments in Rabenau: »Die haben uns aufgesogen«

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Die »Bürger für Rabenau« fahren satte 43,4 Prozent ein - und das aus dem Stand. Die Liste um Ex-Bürgermeisterkandidat Christoph Nachtigall löst die Freien Wähler ab, die von 35,6 auf 11,6 Prozent abstürzen.

Rabenau (tb). Wer hätte das gedacht? Satte 43,4 Prozent haben die »Bürger für Rabenau« (BfRab) am Sonntag eingefahren - und das aus dem Stand. Die Liste um Ex-Bürgermeisterkandidat und Ex-FW-Mann Christoph Nachtigall wird mit zehn von 23 Sitzen stärkste Fraktion. Und löst die Freien Wähler ab, die von 35,6 auf 11,6 Prozent abstürzen. FW-Vorsitzender Ottmar Lich: »Die haben uns aufgesogen«.

Grüne: Geldkoffer haben sie nicht

Für Nachtigall rührt der Erfolg zu »80 bis 90 Prozent« aus der Aufbruchstimmung, die seine Mitstreiter ausgelöst hätten. »Alles Leute, die was verändern wollen.« Dass viele nicht in den Politikbetrieb eingebunden und relativ jung sind, dürfte hilfreich gewesen sein. Gehe es um Zukunftsthemen wie Gemeinde-App oder mehr Angebote für die Jugend, sähen sich die Wähler bei ihnen offenbar besser aufgehoben, meint Nachtigall. Ein sehr präsenter Wahlkampf und renommierte Bewerber nennt er als weitere Gründe des Erfolgs. Ida Becker, Vorsitzende der Gemeindevertretung, oder Markus Titz, Ortsvorsteher von Geilshausen, beide ehemals FW, stehen dafür. Nicht zu vergessen aber sei das Programm unterm Motto »Gemeinsam für Rabenau«. Für mehr Transparenz, bessere Vermittlung von Entscheidungen der Politik. »Die Bildung eines Mehrheitsbündnisses«, schließt Nachtigall, »war noch kein Thema.«.

»Das Neue interessiert immer«, schickt Ottmar Lich voraus. Zaubern aber könne auch die Bürgerliste nicht. Gerätehaus oder Kitas kosteten nun mal viel Geld. Der Freie Wähler verweist nun auf Versäumnisse von Bund und Land; im Sinne von »Bestellen, aber nicht bezahlen«. Die Kommunen müssten dann unpopuläre Entscheidungen treffen, um - wie hier der Fall - vom Wähler abgestraft zu werden. »Unfair«, meint Lich. Der damit rechnet, dass Nachtigall das Feld für eine neue Bürgermeisterkandidatur bereitet. Den Vorwurf, einen Generationenwechsel versäumt zu haben, weist er zurück, auch bei ihnen arbeiteten bereits ganz Junge mit.

Schon eine Protestwahl, meint SPD-Vorsitzender Dr. Roland Baetzel. Offenbar hätten viele Wähler ihren Unmut zum Ausdruck gebracht. Etwa darüber, dass beim Gerätehausbau oder der Kinderbetreuung viel Dissens geherrscht und es lange gedauert habe, bis »man zu Potte kam«. Das Versprechen, für neuen, jungen Schwung zu sorgen, habe wohl gezogen. Tatsächlich seien die Protagonisten in Rabenaus Politik schon etwas älter, merkt Baetzel an, dessen SPD wohl ebenso unter den neuen Mitspielern gelitten hat. Nicht anders die Grünen, die gegen den Trend sogar etwas verloren haben. Wie Karl-Heinz Till ankündigt, wolle man die BfRab daran messen, ob sie ihre Versprechen halten, etwa was die Jugendarbeit angeht. Dass bei den Neuen auch Ex-FWler zu Hause seien, die Entscheidungen mitgetragen hätten, die die BfRab jetzt kritisiere, merkte Till am Ende noch an. Und: »Einen Geldkoffer bringen sie auch nicht mit.«

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