pax_88schneeschippen_120221
+
Die Schneekehrmaschine im Einsatz.

Der Winterdienst früher und heute

  • vonVolker Heller
    schließen

In den letzten Tagen wurde wieder einmal deutlich, dass der Schneeschieber noch lange nicht ins Heimatmuseum gehört. Sylvia Sommerlad aus Kesselbach ist da ihrem Nachbarn Helmut Ermel dankbar: »Er schiebt bereits den kompletten Winter für die ganze Straße Auf dem Trieb die Gehwege«, schreibt sie und wollte sich an dieser Stelle mal für diesen Einsatz bedanken.

Die kleine Schneekehrmaschine erinnert ein Stück weit an die großen Gerätschaften der Straßenmeistereien. Immer, wenn das Thermometer sich dem Gefrierpunkt nähert, verlassen die orangefarbenen, PS-starken Schneepflüge vorsorglich ihr Depot und streuen zunächst die Autobahnen und Schnellstraßen ab. Und notfalls kommt dann auch der Schneepflug zum Einsatz - in manchen Wintern selten, dieses Jahr mal wieder mehr.

In den 1950er Jahren fehlte es nicht an Schnee, wohl aber an den notwendigen PS für dessen wirkungsvolle Beseitigung - jedenfalls auf den abgelegenen Landdörfern.

Hans Keil aus Allertshausen ist ein Augenzeuge der Schneeräumpioniere. Die zogen damals mit einem Pferdegespann einen Keilpflug aus Holz hinter sich her. Dieses Verfahren war schon deshalb nicht effektiv, weil die gewichtigen Kaltblüter zunächst unweigerlich den Schnee festtraten, der dann wieder mühsam durch den Keilpflug gelockert werden musste. Die bis zu drei Meter breite Holzkonstruktion wurde ihrerseits mit Gewicht belastet, etwa Steine, oder die Dorfkinder setzten sich darauf.

Keil erzählt, dass die Ankunft des pferdebetriebenen Schneepflugs gerne auch von Erwachsenen herbeigesehnt wurde, denn somit konnten sie praktisch kostenlos von Dorf zu Dorf gelangen - das Körpergewicht allein diente als Fahrkarte.

In Keils Erinnerungen gab es mehrere Personen, die um Allertshausen herum den üppigen Schnee wegräumten. Sie alle waren in Allendorf ansässig, kamen aus dem Lumdatal hoch, zogen durch Climbach, Allertshausen und via Londorf zurück zum Ausgangsort.

Weil das Smartphone mit Frontkamera noch nicht erfunden war und man Kamerabesitzer an einer Hand abzählen konnte, fehlen leider die Bildbelege von vor 70 Jahren.

Keil kennt noch die Herstellung der Gerätschaft. Der heute ausgestorbene Beruf des Stellmachers (auch Wagner genannt) und ein Schmied waren daran beteiligt. Vom Wagner kam die Holzkonstruktion, im Hauptteil zwei an der Spitze zusammengefügte Bohlenschare. Der Schmied montierte die Eisenbeläge zum Gleiten und das starke Eisenblech an der vorderen Schnitt- und Gleitfläche. vh/FOTO: PM

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare