Bienenzuchtverein Lumdatal feierte 140-Jähriges

Rabenau (vh). "Und seid zu dieser Morgenzeit, so früh schon voller Tätigkeit", würdigt Wilhelm Busch anfangs seiner Bildergeschichte "Schnurrdiburr oder die Bienen" die wohl fleißigsten Lebewesen überhaupt. Der Bienenzuchtverein Lumdatal feierte am Samstag sein 140-jähriges Bestehen im Dorfgemeinschaftshaus Allertshausen.

Rabenau (vh). "Und seid zu dieser Morgenzeit, so früh schon voller Tätigkeit", würdigt Wilhelm Busch anfangs seiner Bildergeschichte "Schnurrdiburr oder die Bienen" die wohl fleißigsten Lebewesen überhaupt. Der Bienenzuchtverein Lumdatal feierte am Samstag sein 140-jähriges Bestehen im Dorfgemeinschaftshaus Allertshausen.

Weil aus verständlichen Gründen nicht wie sonst üblich Gründungsmitglieder geehrt wurden, fiel alles Lob der Honigbiene zu. Ob von der Schirmherrin der Feierstunde, Landrätin Anita Schneider, dem Vorsitzenden des Landesverbands Hessischer Imker, Manfred Ritz, dem Vorsitzenden des Kreisvereins Gießen, Jakob Rühl, oder dem Vorsitzenden des Gastgebers, Oskar Scheld.

"Bienen gibt es seit Menschengedenken", sagte Oskar Scheld in seiner Begrüßung. Daher komme die Honigbiene auch gut ohne den Menschen aus. So jedenfalls gestaltete sich das Verhältnis einmal in der Vergangenheit.

Dann folgte in den Nachkriegsjahren mit dem Wirtschaftswunder die Intensivierung der Landwirtschaft und damit verbunden der bis heute andauernde Rückgang des vielseitigen und ganzjährigen Angebots für Bienen, Hummeln und andere Insekten, die auf Blütennektar-Quellen angewiesen sind.

Intensive Landwirtschaft Gefahr

Insofern vermittelte die Jubiläumsveranstaltung den immensen Wert der Biene über das Produkt Honig hinaus. Ja, die stärkste Nachricht war eben jene, dass der für den Menschen sehr nahrhafte Honig eigentlich nur ein liebenswertes Nebenprodukt des Bienenfleißes sei, aber nicht deren wichtigste Arbeit. Scheld blickte kurz in die Pflanzenbiologie und informierte über die für Artverbreitung notwendige Bestäubung, die lediglich zu knapp 22 Prozent der Wind besorge. Ansonsten falle diese Zuständigkeit den Nektar suchenden Insekten zu. Doch die Honigbiene gerät zunehmend unter Druck. Jakob Rühl erkärte in seinem Kurzreferat zur "Rolle der Biene in der Landwirtschaft", dass der erhöhte Futterbedarf in einer intensiv geführten Landwirtschaft bis zu viermal pro Jahr eine Wiesenmad erforderlich mache. Die notwendige Menge und Vielfalt der Blühpflanzen bleibe auf der Strecke.

In Zusammenarbeit mit den Landwirten sollte für ausreichend Blühstreifen und -flächen gerade zur Hochzeit des Bienenflugs im Mai und Juni gesorgt werden. Für diese Maßnahme stünden einige Fördertöpfe zur Verfügung. Ebenso wichtig ist dem Bienenzuchtverein Lumdatal die Nachwuchsförderung. Die Idee: der "Probe-Imker". Ein Neuling erhält dabei vom Verein ein Bienenvolk zur Verfügung gestellt und wird von einem erfahrenen Imker als Pate mindestens ein Jahr lang begleitet. In der Vergangenheit wurden vom Verein im Lumdatal sieben Neuimker, davon drei Frauen, gewonnen.

Freiherr von Nordeck 1870 erster Vorsitzender

In seinem Vereinsrückblick ging Oskar Scheld auf die Gründungsversammlung am 28. April 1870 ein, die den Freiherrn Adolf von Nordeck als ersten Vorstzenden wählte. Ihm folgten die Herren Lepper (Nordeck), Schmitt (Kesselbach), Mauer (Allertshausen), Zahrt (Lumda), Kaspar Stöckle (Geilshausen), Eckhard Merz (Lich), Herbert Elgner (Londorf) sowie ab 2001 Oskar Scheld. Der Bienenzuchtverein umfasst als einer von fünf Kreisvereinen die Kommunen Lollar, Staufenberg, Allendorf, Rabenau. Rund 30 Mitglieder hegen 170 Bienenvölker. Weitere Kreisvereine sind Gießen, Hungen, Mücke und Grünberg mit zusammen 350 Mitgliedern, die sich um 2249 Völker mit rund 90 Millionen Bienen kümmern, die von März bis Oktober ausschwärmen.

Unter den Gästen waren auch Rabenaus Bürgermeister Kurt Hillgärtner, weitere Parteienvertreter aus dem Lumdatal und von den übrigen Kreisvereinen. Eine Ausstellung informierte über die verschiedenen Körbe, das Leben im Bienenstock und die Honigherstellung. (Foto: vh)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare