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Keramiker Karl-Heinz Till zeigt angemeldeten Besuchern, wie der Holzbrennofen funktioniert.

Auf jeden Fall Unikate

  • vonVolker Heller
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Rabenau (vh). Launisches Frühjahrswetter begleitete den 16. Tag der offenen Töpferei am Wochenende. Etwa 40 hessische Werkstätten und Keramik-Ateliers luden ein zum Schauen und Staunen - trotz Corona, dafür unter den vorgegebenen Regeln.

Samstag brachte Karl-Heinz Till seinen Holzbrennofen in Schwung. Im Garten des Hofguts Appenborn steht wohl der einzige Schornstein weit und breit, der, wenn aus ihm heraus Feuer- und Rauchwolken aufsteigen, die Freiwillige Feuerwehr weiterhin ruhig atmen lässt. Denn dort künden die brandgefährlich scheinenden Rauchzeichen an der Landesstraße 3146 zwischen dem Odenhäuser Kreuz und Weitershain von Keramikkunst im Werden.

Holzbrennofen im Fokus

Kurz nachdem ein heftiges Frühjahrsgewitter mit Platzregen und Hagelschauer über der Rabenau niedergegangen war, schien der Nahbereich um den »Train Kiln« wie eine kleine Wohlfühloase inmitten der Wetterkapriolen. Von den über 1000 Grad im Ofeninneren gelangte durch die eine oder andere Ritze zwischen den Schamottsteinen noch genügend Wärme in die unmittelbare Umgebung.

Auf dem unterhalb gelegenen Reitplatz standen derweil noch die Pfützen. Eine bunt gefärbte Hühnerschar im Pferch linksseits pickte Körner und Grünzeugs. Till und sein Kollege Michael Limbeck (Keramiker aus Homberg-Ohm) überwachten den Brennvorgang. Zuschauer hatten sich zuvor über einen Online-Dienst in eine Liste eingetragen, um coronakonform für eine halbe Stunde mit dabei sein zu können.

Die bei stundenlanger Hitze entstehende Keramik-Kunst blieb zwar dem neugierigen Blick verborgen, aber man konnte sich wenigstens die Funktion des »Train Kiln« erläutern lassen. Mit reichlich Fantasie kommt die Grundbauweise einer Dampflok zum Ausdruck. An der einen Stirnseite werden Hartholzscheite eingebracht, die Luft zieht einmal längs durch den Brennraum und entweicht an der gegenüber liegenden Stirnseite, dem Schornstein. In einem bestimmten Stadium des Brennvorgangs entweichen übrigens jene typischen Geräusche, die einer anfahrenden Dampflok ähneln.

Wenn am Dienstag nach dem Abkühlen des Brennofens die Brennkammer geöffnet wird, kommen Vasen, Gefäße, Becher, Teller, Steinzeug und Porzellan, meist Unikate, zum Vorschein. Till und Limbeck sind da zuversichtlich. Das Überraschungsmoment spielt trotz aller Berufserfahrung stets eine Rolle.

Keramikfreunde, die schon jetzt mitfiebern, können am 10. und 11. April, dem Tag des Europäischen Kunsthandwerks, im Atelier von Karl-Heinz Till die neue »Frühjahrskollektion« in Augenschein nehmen. Es sei denn, Corona spielt nicht mit. Anmeldungen wären dann jedenfalls wieder erforderlich.

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