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Altlasten nicht unterschätzen

  • vonVolker Heller
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Rabenau (vh). Neue Vielfalt an ungewohnter Stelle: Die Gemeindevertretung Rabenau hatte im August 2019 die Aufstellung des Bebauungsplanes »Brodbachstraße« (ehemaliges Sägewerk) in Londorf beschlossen. Das Wettenberger Planungsbüro Fischer fertigte im Oktober 2020 einen Vorentwurf. Die frühzeitige Beteiligung der Träger öffentlicher Belange und der Öffentlichkeit ist nun abgeschlossen.

Während der letzten Sitzung in dieser Wahlperiode am Montagabend hatte der Haupt- und Finanzausschuss noch Beratungsbedarf. Das Gremium fasste einstimmig bei einer Stimmenthaltung die Beschlussempfehlung für das Gemeindeparlament zur Fortschreibung des Bebauungsplans in einen Entwurf mit erneuter Offenlage.

Zuhause gesucht für Zauneidechse

Auf rund drei Hektar Fläche sollen Baugrundstücke für Einzel-, Doppel- und Mehrfamilienhäuser entstehen, außerdem erhält das Wohnheim der Schottener Sozialen Dienste hier einen neuen Standort. »Bremsklötze« sind etwa der ehemalige Löschteich und die etwaige Belastung des Boden. Außerdem muss für die hier vorgefundene Zauneidechse (Größe der Population ist unklar) noch eine Umsiedlungsregion gefunden werden.

Lisa Langwasser (SPD) kam auf die mutmaßlich belasteten Flächen entlang des auf dem Gelände liegenden Grabenverlaufs zu sprechen. Es könne zu Auswaschungen kommen.

Ausschussvorsitzender Ottmar Lich (FW) sagte, im Rahmen der Umweltprüfung lägen Untersuchungen vor (Ergebnisse wurden allerdings nicht genannt). Lich schlug vor, diese Bereiche zu kennzeichnen und den weiteren Umgang damit festzulegen. Keinesfalls dürfe es zu einer Gefährdung des Grundwassers kommen.

Langwasser merkte an, dass Bäume rund um den Löschteich kürzlich gefällt worden seien. Eigentlich hätten diese dort stehen bleiben sollen. Jetzt müsse wieder ein Ausgleich geschaffen werden. Bürgermeister Florian Langecker gab zu bedenken, der Investor könne wegen der vielen Auflagen abgeschreckt werden; er habe ein vertragliches Rücktrittsrecht.

Langwasser redete nun über Nachhaltigkeit. Diese könne etwa durch den Bau eines Blockheizkraftwerks (BHK) erreicht werden. Lich stellte fest, solch eine Maßnahme könne auch in den Bebauungsplan aufgenommen werden. Langecker warnte. Der Investor dieses Bauvorhabens trage ohnehin etliche Entsorgungskosten (Altlasten). Ein BHK verbindlich in den Bebauungsplan aufzunehmen, das sei vielleicht kontraproduktiv.

Lich wandte ein: »Man sollte den Gedanken aber prüfen.« Karl-Heinz Till (Grüne): »Warum sollte der Investor wegen eines Blockheizkraftwerks abspringen?« Nachhaltiges Bauen sei doch in aller Munde. Die Gemeinde habe dabei ein Wort mitzureden.

Langecker merkte an: »Das Projekt ist ohnehin sehr mutig.« Freilich könne man den Investor darauf ansprechen. Dies aber festzulegen, sei schwer. Lich wusste, dass ein BHK »einen Bonus bezüglich der Wärmeschutzverordnung« bedeute. Man könne auch die Stadtwerke Gießen (SWG) fragen. Jedenfalls könne man in den Entwurfsbeschluss einen ergebnisoffenen Prüfantrag für ein BHK einbauen. Vom Bürgermeister kam im weiteren Verlauf der Debatte die Auskunft, die SWG hätten eher kein Interesse.

Lich erläuterte daraufhin: »Wir wollten vielleicht einen Tapetenwechsel machen.« Die OVAG sei vermutlich ein bisschen flexibler. In den Beschluss wurde der Prüfantrag aufgenommen, weiterhin die Standorte der Altlasten im Bezug auf eine Gefährung zu konkretisieren.

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