Missbrauch

22-Jähriger nach Sex mit 13-Jähriger verurteilt

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Vier Monate lang waren ein junger Mann und ein 13 Jahre altes Mädchen ein Paar, sehr häufig hatten sie Sex. Der heute 22-Jährige stand deshalb vor Gericht.

"Es war der größte Fehler meines Lebens", erinnerte sich die 15-jährige Schülerin an die Beziehung mit ihrem Ex-Freund. "Lächerlich" finde sie heute, dass sie seinen Heiratsantrag damals angenommen habe. Vier Monate im Herbst 2015 waren die beiden ein Paar, nun sahen sie sich vor Gericht erstmals wieder. Denn beinahe täglich war es in Rabenau und Umgebung zum Geschlechtsverkehr gekommen. Sie war damals 13 Jahre alt und dem Rechtssinn nach ein Kind, ihr Freund 21. Die Staatsanwaltschaft warf ihm schweren sexuellen Missbrauch in sieben nachweisbaren Fällen vor und forderte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten.

Das Urteil fiel etwas milder aus: Ein Schöffengericht des Gießener Amtsgerichts verurteilte den geständigen Arbeitslosen zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren. Außerdem muss er Beratungsgespräche bei Wildwasser, der Gießener Beratungsstelle gegen sexuellen Missbrauch, führen und 250 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Familiäre Probleme

Man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, erklärte Richterin Maddalena Fouladfar. Es handele sich um ein "sehr ernsthaftes Delikt", zumal der Geschlechtsverkehr nur manchmal geschützt gewesen sei. Verhütung sei kein Thema zwischen ihnen gewesen, erzählte die Schülerin, ihr seien die Konsequenzen des ungeschützten Verkehrs jedoch bewusst gewesen: Schwanger habe sie auf keinen Fall werden wollen, mit ihrem Freund aber auch nicht darüber gesprochen. Das Gericht warf dem Mann neben einer hohen Verantwortungslosigkeit vor, sich das unerfahrene Mädchen psychisch gefügig gemacht zu haben. Dazu dürfte auch der Heiratsantrag beigetragen haben, den er der 13-Jährigen gemacht hatte. "Ich war so naiv, dass ich dachte es würde für immer halten", erinnerte sich das Mädchen. Inzwischen wisse sie, dass er auch mit anderen Minderjährigen sexuelle Kontakte unterhalten habe: "Er hat mich benutzt und dann weggeworfen." In der Beziehung soll die damals 13-Jährige auch eine Möglichkeit gesehen haben, familiären Problemen zu entkommen.

Einvernehmlicher Geschlechtsverkehr Zugunsten des Angeklagten führte Richterin Fouladfar bei der Urteilsbegründung ins Feld, dass der Geschlechtsverkehr einvernehmlich stattgefunden hatte. Die Schülerin erzählte, dass es auch auf ihre Initiative hin zu sexuellen Handlungen gekommen war, was eine ehemalige Freundin bestätigte. Psychische Nachwirkungen habe sie nicht: "Mir geht es heute wieder gut."

Das Gericht behält sich vor, die Bewährungsstrafe in eine Freiheitsstrafe umzuwandeln, falls der 22-Jährige seine Auflagen nicht erfüllt. Der wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung Vorbestrafte hatte die Vorwürfe zu Beginn der Verhandlung eingeräumt und nur ein knappes Statement abgegeben: "Ich weiß generell nicht, was in dieser Zeit mit mir los war."

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