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Die Wagner GmbH will mit einer Erweiterung des Betriebsgeländes größere Flächen für die Lagerung von Mutterboden und Pferdemist sowie für Futtersilos und für Stellplätze von Fahrzeugen und Maschinen schaffen. Außerdem soll eine Karbonisierungsanlage installiert werden.

Pyramiden aus Mutterboden

  • vonStefan Schaal
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Die Wagner GmbH bereitet auf einem Gelände an der Landstraße zwischen Linden und Hüttenberg Mutterboden auf. Seit mehr als fünf Jahren will der Familienbetrieb seine Fläche vergrößern. Nun kommt allmählich Bewegung in das Vorhaben.

Pyramiden aus dunkelbrauner Erde stehen auf einem Gelände an der Landstraße zwischen Linden und Hüttenberg. Landwirt und Agrartechniker Andreas Wagner sowie seine Söhne Niklas und Alexander bereiten hier Mutterboden auf, reichern ihn mit Pferdemist, Kalk, Kompost und Polith an. Das Geschäft des Familienbetriebs floriert: Seit mehr als fünf Jahren bereits wollen die Wagners die Fläche des Betriebs deutlich erweitern und auf 7,6 Hektar verdreifachen. Nun stehen entscheidende Schritte für das Vorhaben bevor.

Am kommenden Dienstag entscheidet das Lindener Stadtparlament über den Entwurfs- und Offenlegungsbeschluss. Eine Zustimmung steht so gut wie fest, im Bauausschuss am Dienstagabend fiel das Votum dafür einstimmig aus. Spätestens im August soll dann unter anderem ein Umweltbericht zu dem Areal öffentlich ausgelegt werden, nach den Sommerferien ist der entscheidende Satzungsbeschluss vorgesehen.

Im Rahmen der Erweiterung wollen sich die Wagners zukünftig in Richtung Süden und Westen vergrößern. Sie wollen damit größere Flächen für die Lagerung von Mutterboden und Pferdemist sowie für Futtersilos und für Stellplätze von Fahrzeugen und Maschinen schaffen. Gesetzliche Vorgaben aus der Düngeverordnung machen außerdem den Bau einer Überdachung erforderlich, um Mutterboden und Pferdemist von Regen geschützt lagern zu können. Außerdem wollen die Wagners eine neue Karbonisierungsanlage aufstellen. Darin sollen pflanzliche Reststoffe verkohlt und anschließend in den Mutterboden eingearbeitet werden.

Das Gelände, auf dem der Familienbetrieb sich erweitern will, ist eigentlich als landwirtschaftliche Fläche ausgewiesen - mit Ackerboden von »bester Qualität«, worauf das Regierungspräsidium bereits im März 2018 in einer Stellungnahme zur Änderung und Erweiterung des Bebauungsplans hingewiesen hat. Vor diesem Hintergrund war ein Zielabweichungsverfahren auf Antrag der Stadt Linden bei der Regionalversammlung erforderlich, das inzwischen erfolgreich durchlaufen ist. Im Ausschuss für Energie, Umwelt, Ländlichen Raum und Infrastruktur der Regionalversammlung gab es ein einstimmiges Votum für das Vorhaben der Wagner GmbH.

Jahrelange Verzögerungen

Die Schaffung von Ausgleichsflächen ist durch die Erweiterung indes nicht erforderlich, betonte Mathias Wolf vom Planungsbüro Fischer am Dienstag im Bauausschuss. Der Grund: Ackerfläche solle zum großen Teil auf dem bestehenden Betriebsgelände und von der Wagner GmbH bereits genutzten Fläche des ursprünglichen Bebauungsplans versiegelt werden - und dafür sind bereits Ausgleichsflächen geschaffen worden. Neuversiegelungen seien auf einer Fläche von 5452 Quadratmetern vorgesehen, sagte Wolf.

Der Planer berichtete außerdem, dass die nun zum Teil gewerbliche Nutzung der landwirtschaftlichen Fläche dem Betrieb nur »auf Zeit« verliehen werde. Sollte die Wagner GmbH die Flächen also irgendwann verlassen oder aufgeben, müssen die Bauten entfernt und der ursprüngliche landwirtschaftliche Ausgangszustand wieder hergestellt werden. »Daher kann die vorliegende Planung in sich als ausgeglichen bewertet werden«, sagte Wagner. Für die Feldlerche werde allerdings eine 1500 Quadratmeter große Ausgleichsfläche geschaffen, fügte der Planer hinzu.

Nach einem Hinweis von Hessen Mobil wird das Betriebsgelände für Kunden und Besucher zukünftig nur noch über die nördliche Zufahrt erreichbar sein. Die übrigen Zufahrten zur Landesstraße müssen geschlossen werden, um Beeinträchtigungen der Verkehrssicherheit durch das Ein- und Abbiegen von Lkw und eine zu starke Fahrbahnverschmutzung zu vermeiden.

Vor allem das Zielabweichungsverfahren und zuletzt die Corona-Krise, in der das Lindener Stadtparlament weitgehend per Notausschuss getagt hat, haben zu Verzögerungen für das Bauprojekt des Familienbetriebs gesorgt und bei den Wagners Verwunderung ausgelöst. »Wir wollen doch keine Müllverbrennungsanlage bauen«, sagte Andreas Wagner.

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