Die Staatsanwaltschaft wirft einer 39-Jährigen versuchten Mord an ihrem Ehemann vor. SYMBOLFOTO: SHA
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Die Staatsanwaltschaft wirft einer 39-Jährigen versuchten Mord an ihrem Ehemann vor. SYMBOLFOTO: SHA

Landgericht

Prozess um Mordversuch an Ehemann: Verheimlichte Freundin macht überraschende Aussage

  • Jonas Wissner
    vonJonas Wissner
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Im Prozess gegen eine Frau wegen versuchten Mordes an ihrem Gatten hat nun die verheimlichte Freundin des Opfers ausgesagt. Sie berichtete von einem Gespräch mit der Angeklagten - wenige Stunden vor der Tat.

Bisher wurde in Saal 207 des Landgerichts viel über sie gesprochen, nun kam sie selbst zu Wort: Im Prozess gegen eine 39-Jährige aus dem Kreis Gießen, die im Dezember auf ihren schlafenden Ehemann eingestochen und ihn beinahe getötet haben soll, hat am Donnerstag die 32-jährige Freundin des Mannes ausgesagt. Die Affäre war offensichtlich ein Hauptgrund dafür, dass sich die Situation zwischen dem Ehepaar mehr und mehr zugespitzt hat.

Vor allem hinsichtlich des Abends vor der Tat war die Schilderung der Freundin mit Spannung erwartet worden. An jenem Abend waren die Eheleute aus dem Kreis Gießen - wie so häufig - in Streit geraten. Davor hatte die Angeklagte die Freundin des Gatten zu Hause aufgesucht. Die Beschuldigte hatte ausgesagt, sie könne sich weder an die Tat noch an das Gespräch mit der Freundin erinnern.

Was haben die beiden Frauen damals besprochen? Hat die Angeklagte womöglich auf diesem Weg erfahren, dass ihr Mann und die Freundin ein gemeinsames Kind erwarten? "Das war nicht Thema, in keinster Weise - und es war auch nicht sichtbar", äußerte sich die 32-Jährige im Zeugenstand. Ob die Ehefrau von der Schwangerschaft gewusst habe, sei ihr unbekannt.

Prozess um Messerstiche: Überraschender Besuch

Man hätte annehmen können, dass bei dem wohl ersten direkten Aufeinandertreffen der Frauen die Fetzen geflogen sind - doch laut der Freundin lief es völlig anders: "Sie war komplett ruhig. Sie war immer freundlich, ist zu keinem Zeitpunkt laut geworden." Die Gattin habe unter anderem gefragt, wie lange die verheimlichte Beziehung schon andauere, ob der Mann im Mietvertrag der Freundin stehe - und was mit den etwa 1400 Euro passiert sei, die der Mann vom Ehe-Konto abgehoben habe. Am Ende habe sich die Angeklagte sogar mehrmals bei ihr für das Gespräch bedankt.

Teilweise, so die 32-Jährige, habe sie geantwortet, aber die Ehefrau teils auch an ihren Mann verwiesen. Mit dem Geld habe dieser Mietschulden bei ihr für die gemeinsame Wohnung beglichen. Bezüglich ihrer Beziehung zu dem Mann habe sie der Ehefrau gesagt: "Es ist was Ernstes, nicht ein Spiel oder so."

Während die Freundin unter verächtlichen Blicken einiger Angehöriger der Ehefrau ihre Aussage macht, presst die Angeklagte ihre Hände fest zusammen. Zwischenzeitlich muss sie wegen Übelkeit den Saal verlassen, die Verhandlung wird unterbrochen.

Später wirkt sie, möglicherweise von Medikamenten beeinflusst, schläfrig, wie weggetreten. Abermals gibt es eine Pause. Am Mittwoch war sie im Gerichtssaal zusammengebrochen.

Prozess um Messerstiche: "Aufs Übelste beschimpft"

Die Freundin des Mannes berichtete am Donnerstag auch von Nachrichten, die sie schon früher von der Angeklagten erhalten habe. Einmal habe diese sie "aufs Übelste beschimpft". Ein anderes Mal habe sie geschrieben, "sie hätte die Schnauze voll, ich könnte ihn jetzt haben". Auch habe sie mehrmals den Namen des Mannes vom Klingelschild der Freundin entfernt - und sei vor der Wohnung "Streife gefahren", um zu kontrollieren, ob der Mann dort sei. Zudem hatte sie ein GPS-Gerät im Auto ihres Gatten platziert.

Seiner Frau gegenüber hatte der Mann die Affäre bestritten. Die Freundin sagte nun, bei ihr habe er den Eindruck erweckt, die Frau lebe bereits nicht mehr im Haushalt der Familie. Ein doppeltes Spiel. "Er hat hier bekundet, Sie beide belogen zu haben", hielt die Vorsitzende Richterin ihr vor. "Das wussten wir auch beide", entgegnete die Zeugin.

Zwar habe der Mann auch geäußert, er habe Angst, seine Frau zu verlassen, so die Freundin - "weil sie mehrfach erwähnt hat, dass sie dann entweder sich, den Kindern oder ihm etwas antut".

Nach dem Gespräch mit ihr habe sie jedoch keine Angst um ihn gehabt. Als sie dann aber gesehen habe, dass der Whatsapp-Status des Mannes mit einem Foto der beiden Eheleute versehen war, "da wusste ich, dass was nicht stimmt". Das Bild hat, so scheint es, die Gattin in der Tatnacht über das Handy ihres Mannes gepostet.

Prozess um Messerstiche: Vielfältige Blutspuren am Tatort

Als Sachverständige wurde am Donnerstag Rechtsmedizinerin Dr. Gabriele Laskowski befragt. Sie informierte unter anderem über die Verletzungen des Opfers. Die schwerwiegendste habe sich rechts neben dem Brustbein befunden, dort wurde eine Rippe durchtrennt, der Herzbeutel verletzt. "Das hätte unbehandelt zum Tod geführt." Die Wunden ließen sich aber kaum einzelnen Messern zuordnen.

Auch über die vielfältigen Blutspuren, die im Haus von der Gewalttat zeugten, gab Laskowski Auskunft. Eine davon habe man unterhalb eines Zettels gefunden. Die Aufschrift: "Familie ist da, wo das Leben beginnt und die Liebe niemals endet."

Zusatzinfo: Prozessende naht

Der Prozess um die beinahe tödlichen Messerstiche nähert sich seinem Ende. Am kommenden Dienstag soll der psychiatrische Gutachter als Sachverständiger aussagen, außerdem stehen die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung an - und schließlich das Urteil. jwr

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