Ein Mann aus dem Kreis Gießen soll einen 15-Jährigen missbraucht haben.  Wegen eines weiteren Vergehens sitzt er bereits seit 2019 in Haft.
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Ein Mann aus dem Kreis Gießen soll einen 15-Jährigen missbraucht haben. Wegen eines weiteren Vergehens sitzt er bereits seit 2019 in Haft.

Landgericht

Parkour-Trainer aus dem Kreis Gießen soll 15-Jährigen vergewaltigt haben

  • VonRedaktion
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Ein heute 37-Jähriger aus dem Kreis Gießen muss sich vor Gericht verantworten, weil er einen Jugendlichen mehrfach vergewaltigt haben soll. Für die Gießener Justiz ist der Mann kein Unbekannter.

Gießen – Es ist nicht der erste Fall von sexuellem Missbrauch, über den Gießener Gerichte bei einem inzwischen 37-Jährigen aus dem Kreis Gießen zu entscheiden haben. Wegen eines Falles aus dem Jahr 2015, der vier Jahre später am Amtsgericht verhandelt wurde, sitzt der Angeklagte bereits seit 2019 eine dreijährige Haftstrafe ab. Im Zuge dieses ersten Verfahrens, in dem es um den sexuellen Missbrauch an einem 13-Jährigen ging, waren weitere Vorwürfe aufgekommen. Nun muss sich der Mann, der an verschiedenen Schulen und Vereinen im Landkreis Parkour-AGs und -kurse leitete, vor einem Schöffengericht am Gießener Landgericht wegen des Verdachts der mehrfachen Vergewaltigung eines Jugendlichen verantworten.

Auch dieser Tatkomplex fällt in den Zeitraum der Jahre 2014 und 2015. Der Angeklagte, damals Anfang 30, soll mehrere Jugendliche auch privat getroffen und in seiner eigens umgebauten Scheune außerhalb der Schule trainiert haben. Auch auf Fahrten durch ganz Deutschland und Europa zu Parkour-Treffen, sogenannten »Jams«, habe der Angeklagte die Jugendlichen mitgenommen. In der Scheune habe es regelmäßig Abende gegeben, an denen der Angeklagte Alkohol an die Jugendlichen ausgegeben und Trinkspiele veranstaltet habe. Diese hätten, so Zeugenaussagen, einen sexualisierten Charakter gehabt. An mehreren dieser Abende soll er einen Jugendlichen, der sich aufgrund des Alkoholkonsums nicht wehren konnte, vergewaltigt haben. Dabei soll sich der Angeklagte auf den Jungen gelegt haben und mit Hilfe eines Gleitmittels in ihn eingedrungen sein. Eine dieser Taten soll von einem weiteren Jugendlichen gesehen worden sein.

Anklage wegen Vorwurf der Vergewaltigung in Gießen: „Wie in Trance“

Nachdem am ersten Verhandlungstag neben dem Angeklagten unter anderem der heute 21-jährige Nebenkläger und der mutmaßliche Augenzeuge gehört wurden, standen nun zwei weitere Zeugenaussagen auf dem Programm. Auch gab eine Rechtsmedizinerin ihre Expertise zu Wirkungen verschiedener Alkoholkonzentrationen auf Jugendliche und Erwachsene ab und ordnete die Möglichkeit eines sexuellen Übergriffs in diesem Zusammenhang ein. Da sie auf keine direkten Daten zugreifen, sondern sich nur auf die Aussagen in der Hauptverhandlung berufen könne, seien ihre Aussagen als durchaus spekulativ zu betrachten, so die Expertin. Der Nebenkläger habe von einem Zustand wie in »Trance«, von stark eingeschränkter Reaktionsfähigkeit und nicht möglicher Kommunikation berichtet.

Weil er einen Jugendlichen mehrfach vergewaltigt haben soll, ist ein 37-Jähriger vor dem Landgericht angeklagt. SYMBOLFOTO: SCHEPP

»Bei Jugendlichen kann dies schon bei einer Alkoholkonzentration im Bereich von 1,5 Promille auftreten, bei einem mittleren bis schweren Rausch«, so die Rechtsmedizinerin. Je nachdem, wie schnell Jugendliche sich den Alkohol zuführen, könne die Alkoholkonzentration rasch in den Bereich der Vergiftung führen, die einen Krankenhausaufenthalt nötig mache.

Vergewaltigungsprozess in Gießen: Sexualisiertes, enthemmtes Verhalten

Zeugen hätten von einem sexualisierten, enthemmten Verhalten des Angeklagten berichtet. »Alkohol hat enthemmende Wirkung und ist im Bereich der Sexualität ein zweischneidiges Schwert«, so die Rechtsmedizinerin. »Alkohol steigert das Verlangen, hemmt jedoch die körperliche Ausführung.« Dass die genannten Vorwürfe dennoch zutreffen könnten, bejahte die Rechtsmedizinerin. »Wir haben hier einen gut trainierten, gesunden Mann, damals Anfang 30, bei dem nichts dagegen spricht, dass er auch in alkoholisiertem Zustand zu den genannten Vorwürfen im Stande wäre.«

Ein Zeuge, damaliger WG-Mitbewohner und Freund des Angeklagten, schilderte seinen persönlichen Eindruck aus jener Zeit. Die Taten selbst habe er nicht mitbekommen, wohl aber, dass der Angeklagte zu manchen Jugendlichen sehr intensive Beziehungen aufgebaut, manche aber auch schnell wieder fallengelassen habe. Der Zeuge schätze den Angeklagten als intelligent, reflektiert und manipulativ ein. Ein weiterer Zeuge berichtete in seiner Aussage von sexualisierten Anspielungen des Angeklagten. Ein Satz sei ihm dabei besonders unangenehm aufgefallen: »Er sagte zu mir, dass er mich entjungfern werde, wenn ich 18 bin.« Der Zeuge war damals 15 Jahre alt. »Ich finde, man sagt einem 15-Jährigen so etwas nicht, der mit so einer Aussage nicht gut klar kommt.« Aber er habe den Eindruck gehabt, dass dem Angeklagten egal sei, dass er so etwas nicht hören wolle. (red)

Schlagzeilen machte in Gießen zuletzt auch der Fall eines 22-Jährigen, der ein schlafendes Mädchen missbrauchte. Gegen ihn fiel ein vergleichsweise mildes Urteil.

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