Die rote Beleuchtung der Burg Gleiberg im Rahmen der "Night of Light" soll Aufmerksamkeit für die Probleme der Verantstaltungswirtschaft schaffen. 
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Die rote Beleuchtung der Burg Gleiberg im Rahmen der "Night of Light" soll Aufmerksamkeit für die Probleme der Verantstaltungswirtschaft schaffen. 

Protestaktion

Gießen: Protest-Kundgebung auf Burg Gleiberg - Veranstaltungsbranche fordert Hilfen

  • vonLena Karber
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Im Rahmen der "Night of Light" wurden im Kreis Gießen zahlreiche Gebäude rot angestrahlt. Bei einer Versammlung mit Betroffenen aus der Region sprach der hessische DEHOGA-Geschäftsführer.

Wieso erstrahlte der Gleiberger Burgfried am Montagabend ausgerechnet in rot? Dieser Frage begegnete Sabine Glinke von SG Events & Medien mit Humor: "Man hätte natürlich auch sagen können: Eine Branche sieht schwarz", sagte sie, gab aber zu bedenken, dass der optische Effekt in der Dunkelheit dann möglicherweise nicht besonders beeindruckend gewesen wäre.

Stattdessen lautete das Motto der bundesweiten Aktion "Night of Light", mit der auf die prekäre Lage der Veranstaltungswirtschaft im Zuge der Corona-Krise aufmerksam gemacht werden sollte, also "Eine Branche sieht rot". In Deutschland und in den angrenzenden Ländern wurden dabei, wie Glinke berichtete, etwa 8000 Gebäude angestrahlt - exklusive der Häuser zahlreicher Mitarbeiter der Branche, die ebenfalls für rotes Licht in den Fenstern und auf den Balkonen gesorgt hatten, um zu zeigen, wie viele Menschen betroffen sind.

"Night of Light" Kreis Gießen: Rotes Licht leuchtete an einigen Stellen 

Auch im Kreis Gießen sorgten Veranstaltungstechniker an einigen Stellen für rotes Licht. Dabei kam der Illumination der Burg Gleiberg besondere Aufmerksamkeit zu - nicht nur als optisches Highlight, sondern auch, weil im Innenhof der Burg eine kleine Kundgebung stattfand, bei der sich - wie von den Initiatoren der Aktion erhofft - Betroffene aus verschiedenen Bereichen zu Wort meldeten.

Denn schließlich - und auch darauf wollte die "Night of Light" aufmerksam machen - ist das Feld derer, die mit Hochzeiten, Festivals und anderen Veranstaltungen ihr Geld verdienen groß: Es reicht vom Club- oder Restaurantbesitzer über den Techniker, den Caterer oder den Messebauer bis hin zum Plakatierer. Mit 2,5 Millionen Beschäftigten und 250 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr sei die Veranstaltungswirtschaft mit den ihr anhängigen Bereichen gar die zweitgrößte Branche in Deutschland, betonte Glinke. Allerdings, so ihre Kritik, würden "die vielfach versprochenen Hilfen" der Politik nicht greifen und vielen Berufsgruppen nicht gerecht.

Als Beispiel für die Probleme, vor die die Corona-Maßnahmen Veranstalter stellen, nannte Ginke das Festival "Gleiberg rocks". Statt 500 bis 600 Leuten hätten gemäß der aktuellen Bestimmungen nur 56 Personen in den Burghof gedurft. Das rechne sich nicht. "Die nächsten 100 Tage übersteht die Veranstaltungswirtschaft nicht", lautete ihre Prognose, die so im Vorfeld auch von den Initiatoren der Aktion gestellt worden war.

"Night of Light" Kreis Gießen: Veranstalter gehen nicht von baldigem Ende des Zustands aus 

Julius Wagner, Geschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA) Hessen, gab einigen Betrieben sogar nur noch maximal 60 Tage. "Dann ist der Ofen aus", sagte er. Zwar müsse man davon ausgehen, dass es noch lange dauern werde, bis durch eine Impfung wieder Normalität einkehre und keiner rechne mit Discoparties mit Tausend Leuten im nächsten Monat, betonte er. Doch man habe "große Forderungen gegenüber der Politik". Die Erhöhung der Regelobergrenze für Veranstaltungen von 100 auf 250 Personen sei nur ein kleiner Erfolg, und man habe bereits "erneut einen Fahrplan eingereicht".

Konkret sprach Wagner über die Überbrückungshilfen, die Bestandteil des aktuellen Konjunkturprogramms des Bundes sind. "25 Milliarden Euro klingt viel", sagte er. Aber leider ringe sich Hessen nicht dazu durch, diese Hilfe mit Landesmitteln zu ergänzen. Und am Ende würden die meisten Betriebe wohl keine großen Beträge erhalten.

Darüber, wie es ab September weitergehe, sei zudem noch gar nicht gesprochen worden, betonte er. "Wir haben es mit einem sehr düsteren Herbst zu tun."

"Night of Light" Kreis Gießen: Umfassende, schnelle und unbürokratische Hilfe gefordert 

Einen eindrücklichen Einblick in die Probleme, mit denen Betroffene aktuell zu kämpfen haben, gab auch Matthias Burbach. Der Pohlheimer Caterer verzeichnet für vier Monate einen Umsatzrückgang von 82,5 Prozent - abzüglich der Soforthilfen sogar um 89,6 Prozent. Da er zudem wohl zu den Letzten zählen werde, die ihrer Arbeit wieder wie gewohnt nachgehen können, forderte Burbach umfassende, schnelle und unbürokratische Hilfe. Sich selbst und den Betroffenen sprach er trotz der wenig rosigen Aussichten Mut zu. "Kopf hoch, wenn der Hals auch dreckig ist", lautete sein Appell.

"Night of Light" Kreis Gießen: Weitere Teilnehmer

In Lich wurden der Stadtturm (Foto), das Rathaus und die Brauerei mit ingesamt 130 LED-Scheinwerfern illuminiert. Zudem erstrahltem im Waldschwimmbad Bäume, Rutsche, Sprungbretter und Kioskbereich in rot, denn dort fällt unter anderem das Festival "FIT - Familie in Takt" aus.

Auch das Hotel Waldhaus mit der Eventscheune "Blauer Löwe" in Laubach, die Marktschänke in Heuchelheim, die Kirche in Hungen-Nonnenroth und die Grüninger Warte ("Hoingkdeppe") in Pohlheim wurden rot angestrahlt.

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