Unfallstatistik

Unfälle im Kreis Gießen: Handy wird immer mehr zur Gefahr

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5553 Unfälle gab es 2018 im Kreis Gießen. Zunehmend machen der Polizei Unfälle zu schaffen, bei denen sich Fahrer von ihren Handys ablenken ließen. Die Hauptursache für Unfälle ist aber eine andere.

Jeder zweite Autofahrer nutzt sein Smartphone ohne Freisprechanlage, jeder sechste schreibt am Steuer auch mal Nachrichten. Zunehmend machen der Polizei Unfälle zu schaffen, bei denen Fahrer sich zuvor von ihrem Handy ablenken ließen.

Veränderung gibt es nur, wenn es weh tut

Bernd Paul, Polizeipräsident

"Der Nachweis, dass ein Smartphone den Unfall mit verursacht hat, ist äußerst schwierig", erklärt Manfred Kaletsch, Stabschef im Polizeipräsidium Mittelhessen, bei der Vorstellung der Unfallstatistik 2018. Zahlen zur Häufigkeit derartiger Unfälle könne man daher nicht nennen. Sei es durch Navi, Autoradio oder Smartphone: Niemand räume ein, abgelenkt worden zu sein. Die schärfere Sanktionierung mit 100 Euro Bußgeld und Fahrverboten habe keine abschreckende Wirkung. "In solchen Fällen würde ich das Handy als Tatwerkzeug am liebsten einziehen", sagte Polizeipräsident Bernd Paul. "Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem es eine Veränderung nur gibt, wenn es weh tut."

Paul machte zwischen den Zeilen deutlich, dass das Problem allerdings schwer zu bekämpfen ist – indem er nicht etwa konkrete Maßnahmen nannte, sondern einen schlichten Appell an die Autofahrer richtete: Ziel müsse sein, die "Verkehrsmoral" zu erhöhen.

Erhöhte Geschwindigkeit ist Hauptursache von Unfällen

Hauptursachen von Unfällen, bei denen Menschen verletzt werden oder ihr Leben verlieren, bleiben indes zu hohes Tempo und nicht eingehaltener Abstand. "Erhöhte Geschwindigkeit ist mit großem Abstand Todesursache Nummer eins", betonte Paul. Für Straßenbau und gesetzliche Maßnahmen seien andere zuständig, sagte der Polizeipräsident. "Wir als Polizei aber haben Einfluss auf die Regeltreue." Er kündigte einen verstärkten Einsatz von Blitzern und Geschwindigkeitskontrollen an.

Die Zahl der Verkehrsunfälle im Kreis ist 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 223 auf 5553 zurückgegangen. Auch die Zahl der Verletzten ist rückläufig, sie ist um 135 auf 1119 betroffenen Personen gesunken. 211 Menschen wurden dabei schwer verletzt. Neun Menschen kamen im vergangenen Jahr bei Unfällen im Kreisgebiet ums Leben. 2017 waren es elf Tote.

B 457 bleibt Schwerpunkt

Bei fast einen Viertel aller gemeldeten Unfälle flüchten die Verursacher. Die Zahl sei seit mehreren Jahren unverändert. "Sollten Sie Zeuge eines Unfalls werden, merken Sie sich die Kennzeichen und zögern nicht, die Polizei zu informieren", bittet Paul um Unterstützung bei der Aufklärung von Unfallfluchten. "Das ist kein Auftrag zum Denunzieren", sagte er. "Es ist eben kein Kavaliersdelikt."

Ein Unfallschwerpunkt seit Jahren ist die Bundesstraße 457 zwischen Lich und Gießen. Auch 2018 häuften sich dort die Zusammenstöße. Man habe Tempolimits an mehreren Stellen eingerichtet, betonten Vertreter des Polizeipräsidiums am Freitag. "Außerdem werden seit kurzer Zeit die Auf- und Abfahrten zur A 5 durch Ampeln geregelt." Man solle dem Ganzen "ein wenig Zeit einräumen", bitten die Beamten um Geduld, bis die Maßnahmen greifen.

Mehr Lkw-Unfälle

Seit Jahren steigen unterdessen im gesamten Gebiet des Polizeipräsidiums Mittelhessen Unfälle, an denen Lkw beteiligt sind. Die Zahl ist im Vergleich zum Vorjahr um 6,8 Prozent auf 3554 gestiegen. "Drei Viertel dieser Unfälle wurden durch die Lasterfahrer selbst verursacht", erklärte Klaus-Uwe Becker vom Polizeipräsidium.

Ebenfalls nehmen in den vergangenen Jahren kontinuierlich Unfälle mit Motorrädern zu. "Auf bekannten Strecken ist seit vergangenem Jahr ein Videokrad unterwegs", berichtete Becker. "Damit können wir Fehlverhalten beweissicher filmen." Einen deutlichen Anstieg der Unfälle gab es 2018 außerdem auf den Autobahnen in Mittelhessen, diese haben innerhalb eines Jahres von 2925 auf 3162 zugenommen. Dies liege vor allem an der aktuellen Vielzahl an Baustellen insbesondere an Brücken, berichtete Gerold Reitz.

Einen positiven Trend verzeichnet das Polizeipräsidium für das Kreisgebiet bei Unfällen in der Altersgruppe zwischen 18 und 24 Jahren unter Alkoholeinfluss. Seit 2006 geht die Zahl kontinuierlich zurück, von 66 im Jahr 2006 auf inzwischen 15. Das sei auf das Programm "Bob" und entsprechende Präventionsarbeit der Polizei zurückzuführen, ist Paul überzeugt. (Foto: Schepp)

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