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Mit "Katwarn" können Bewohner im Landkreis nun auch auf ihrem Smartphone gewarnt werden.

Katastrophenwarnung kommt per Smartphone

Moderne Zeiten, moderne Technik: Der Landkreis Gießen führt die Bevölkerungswarnung per Smartphone ein. Bei Großbränden, Umweltkatastrophen oder auch verschmutztem Trinkwasser werden die Nutzer gemeindegenau vor diesen Gefahren gewarnt und erhalten Verhaltenstipps.

Gießen (pad). Mittels der App "Katwarn" will der Landkreis Gießen ab sofort die Bewohner zusätzlich vor Katastrophen warnen. "Damit sind wir einen Schritt weiter in der flächendeckenden Bürgerwarnung", sagte Landrätin Anita Schneider beim Startschuss für das System am Mittwoch in Gießen. In der Leitstelle der Feuerwehr übergab sie zusammen mit Kreisbrandinspektor Mario Binsch, Entwickler Niklas Reinhardt vom Fraunhofer-Institut sowie zwei Vertretern der Sparkassen-Versicherung, welche die Entwicklung unterstützte, das von einem Anwendungsprogramm (eben App) gestützte System seiner Bestimmung.

Smartphone und Sirene

Bisher wurde vor allem lautstark gewarnt: So fuhren im Ernstfall Lautsprecherwagen der Polizei und Feuerwehr durch die Straßen, warnten etwa vor giftigen Rauchwolken nach Großbränden oder verschmutztem Trinkwasser. Überdies wurde im Radio auf Gefahren hingewiesen.

Nicht zu vergessen der klassische Katastrophenalarm per Sirene: Ein an- und abschwellender Alarmton (vom durch zwei Pausen unterbrochenen Feueralarm gut zu unterscheiden) warnte die Bevölkerung vor außerordentlichen Gefahren und wies darauf hin, das Radiogerät einzuschalten.

All diese Wege sollen weiterhin erhalten bleiben, betonte Landrätin Schneider. "Es handelt sich um eine zusätzliche Möglichkeit." Um das System zu nutzen, benötigt man allerdings ein Smartphone mit gängigem Betriebssystem. Mit diesem sucht man die Anwendung "Katwarn" im "App-Store" – dem digitalen Vertriebsplatz für Anwendungssoftware. Die App ist kostenlos. Wenn das Betriebssystem mitspielt (was es bei mehreren Versuchen des Reporters gestern leider noch nicht tat), kann man das System auf sein Smartphone installieren.

Warnung für bis zu 7 Orte

Wie es funktioniert: In das Programm gibt man die Postleitzahl des Wohnortes ein. Wahlweise kann man noch sechs weitere Postleitzahlen eingeben (wenn etwa die Oma in der Nachbargemeinde wohnt oder der Arbeitsplatz am anderen Ende des Landkreises liegt). Dann erhält man, sobald eine Katastrophenwarnung für diesen Ort vorliegt, automatisch eine Benachrichtigung aufs Smartphone – wenn man nicht auf lautlos gestellt hat, zusätzlich mit einem entsprechenden Tonsignal. Die Nachricht enthält neben der Lagebeschreibung auch Verhaltenshinweise, etwa die Fenster zu schließen oder Wasser abzukochen.

Mit der "Schutzengel-Funktion" wird man außerdem vor Gefahren gewarnt, wenn man in einen anderen Landkreis hineinfährt, der ebenfalls an dem System teilnimmt, zum Beispiel Offenbach. Derzeit sind die Hälfte aller hessischen Kreise – vor allem der Süden – mit dabei, in Marburg-Biedenkopf und dem Lahn-Dill-Kreis wird über die Einführung aktuell gesprochen.

"Katwarn" sendet auch Entwarnung

Damit man weiß, wann die Gefahr vorüber ist, wird auch eine Entwarnung verschickt. Zusätzlich werden Warnungen des Deutschen Wetterdienstes der beiden höchsten Warnstufen mit versendet – also etwa vor schweren Gewittern oder Orkanböen. Da Katastrophenwarnungen sehr selten seien – in Berlin waren es im Vorjahr 18 – könne man so auch sicher sein, dass das System funktioniere, erklärte Entwickler Reinhardt. Vor was das System warnt, entscheiden weiterhin die zuständigen Behörden. Die Anschaffung wurde vom Land Hessen mit 15 000 Euro gefördert, der Unterhalt kostet den Kreis pro Jahr rund 3000 Euro.

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