Zwei Kitze beim Mähen getötet?

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Pohlheim (pad). In Holzheim soll ein Landwirt zwei Rehkitze beim Mähen getötet haben. Diesen Vorwurf erheben die Jagdpächter Michael Klee und Gerd Loh. Sie sind darüber besonders verärgert, da sie weder vom geplanten Mähen der Wiese noch dem Tod der Tiere informiert worden seien. Sie wollen den Bauer nun anzeigen.

Klee und Loh sowie weitere Jäger haben gemeinsam das Holzheimer Revier gepachtet. Sie betonen, dass es sich um einen Einzelfall handele. "Die anderen Bauern arbeiten alle mit uns zusammen", sagt Loh. Die Jagdpächter würden im Vorfeld informiert, wenn Wiesen gemäht werden sollen. So könnten sie Zäune stellen und die Wiese mit einer Drohne abfliegen, um die versteckten Rehkitze aufzuspüren. "Bei allen anderen Bauern ist das kein Thema", erläutert Klee.

Die Jagdpächter erklären nun, dass sie vor einigen Tagen einen grausigen Fund gemacht hätten. Klee berichtet im Gespräch mit dieser Zeitung, dass ein Reh am helllichten Tag auf einer Wiese gestanden habe. Dieses Verhalten habe ihn stutzig gemacht. Als er näher kam, hätten zwei tote Kitze im Heu gelegen. Zunächst habe er mit dem Landwirt das Gespräch gesucht, sagte Klee. Doch dieser soll ihm lediglich mit "Wenn das so ist, dann ist das so" geantwortet und vom Hof geworfen haben. Diese Reaktion habe für Klee und seine Kollegen das Maß vollgemacht: Die Jäger haben die Untere Jagdbehörde informiert. Zudem wollen sie den Landwirt nun anzeigen.

Der Landwirt wollte zu dem Sachverhalt auf Anraten seines Anwalts keine Stellungnahme abgeben. Ob er somit die Wiese im Vorfeld selbst abgesucht hatte und es sich um einen Unfall handelt, bleibt unklar. Auch die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Gießen und die Untere Jagdbehörde beantworteten die Anfragen dieser Zeitung bislang nicht.

Bei Mäharbeiten auf den Wiesen kommt es immer wieder zu Todesfällen bei Rehkitzen: Die Mütter lassen den Nachwuchs im hohen Gras zurück, wenn sie auf Futtersuche gehen. Wenn sich dann ein Traktor nähert, flüchten die Kitze nicht und werden vom Mähwerk erfasst.

Jagdpächter, Tierschützer und Landwirte versuchen seit Jahren, die Tiere mit Hunden, Drohnen und mittels weiterer Technik aufzuspüren und zu retten. Im Zusammenhang damit kursiert seit einigen Jahren die Zahl von 100 000 Kitzen, die pro Jahr bei Mäharbeiten getötet würden. Laut Frankfurter Allgemeiner Zeitung gäbe es für diese Zahl jedoch keinerlei wissenschaftlichen Belege.

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