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Susanne Tröller vom Verein Apfelwein- und Obstwiesenroute überreicht Ottmar Müller den großen Sieger-Bembel.

Zeit der "Fratzenschneider" vorbei

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Pohlheim (rge). Zur "Jagd auf den großen Bembel" kamen am Samstag mittelhessische Selbstkelterer in der Burg Grüningen zusammen. Der "Stöffche-Contest" wird von der Hessischen Apfelwein- und Obstwiesenroute (AOR) im Landkreis Gießen veranstaltet. Die 11. Auflage richteten die Obst- und Gartenfreunde Dorf-Güll aus, das alte Gemäuer bot dabei den idealen Rahmen für einen spannenden Geschmackstest.

Vollmundig mit feiner herber Note

Vereinsvorsitzender Michael Wagner freute sich mit den AOR-Organisatoren Susanne Tröller und Hans Jörg Müller über 30 Apfelwein-Kostproben, die in die Wertung eingingen. Die wurden von allen Teilnehmern in einer Blindverkostung benotet. Maximal gab es 19 Punkte zu erreichen: für die Farbe bis zu drei, den Geruch vier und den perfekten Geschmack bis zu zwölf Punkte. Gar nicht so einfach, auch für Experten, bei dieser großen Menge an Kostproben. Entsprechend waren die Gläser klein, wurde pures Brot gereicht, auf dass alle bis zum Schluss das gleiche Geschmacksgefühl hatten.

"Die Zeiten sind vorbei, dass auch ein ›Fratzenschneider‹ dabei ist", stellte Michael Wagner im Blick auf frühere Zeiten mit allzu saurem Apfelwein fest. Wie er auch verriet, habe noch nie ein Teilnehmer sein eigenes Stöffche herausgeschmeckt. Trotz hoher Qualität sind hier nur Hobby-Obstbauern am Werk. Bereits in die Wiege gelegt wurde das Handwerk dem 29-jährigen Teilnehmer aus Bellersheim, Lukas Bayer. Wie er erzählt, war er schon als Kind mit den Eltern auf den Streuobstwiesen und später beim Keltern dabei. Heute betreut er selbst fünf Parzellen mit 15 bis 20 Bäumen. Sein Stöffche, das unterstreicht er, "ist aus und für die Region". Wie beim Wettbewerb weiter zu erfahren, geht der Trend zum vollmundig milden Apfelwein mit einer feinen herben Note. Wieder OGV-Vorsitzender Michael Wagner: "Es kommt auf die richtige Mischung nicht sortenreiner Äpfel an."

Die Kelterer haben bei ihrem Wettbewerb großen Spaß. Fachgespräche werden geführt, aber auch Alltägliches besprochen.

Dass die Tradition der Streuobstwiesen erhalten bleibt, ist das Ziel der Apfelwein- und Streuobstwiesenroute. Deren Vertreter zeigten sich sehr zufrieden mit der Resonanz, zudem belege der Wettbewerb die generationenübergreifende Begeisterung für das alte und doch junggebliebene Hobby. Wenn damit auch Streuobstwiesen für die Zukunft erhalten werden könnten, das Bewusstsein in der Bevölkerung für die Natur und ihre Früchte gefördert werde, sei es ein schöner Erfolg.

So gab es am Ende eigentlich nur Sieger. Im Finale der "Best of 12" setzten sich Ottmar Müller (Bellersheim) vor Günter Fähler (Grüningen) und Thomas Weber (Biebertal) mit ihrem Stöffche durch.

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