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Tanja Kunzmann verkauft in ihrem Keller Wolle, Socken und Schals. FOTOS: SRS

Selbst gestrickte Socken

Laden "IdeenReich" in Pohlheim:  Wollparadies in der Waschküche

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Tanja Kunzmann hängt an der Nadel. Täglich strickt sie Strümpfe, Schals und Stulpen und verkauft sie in einem kleinen Laden, den sie in ihrem eigenen Keller in Watzenborn-Steinberg eingerichtet hat. Bayrische Eishockeyspieler und schwäbische Hexen zählen zu ihren Kunden.

Bunter wird’s nicht. Einen farbenprächtigeren Ort dürfte es in Watzenborn-Steinberg kaum geben als Tanja Kunzmanns Waschküche. Hunderte Wollknäuel in grünen, blauen, gelben und roten Tönen liegen in Regalen und auf Tischen. Strümpfe, Babyschuhe, Schals und Stulpen stehen hier zum Verkauf - selbst gestrickt von der 44 Jahre alten Kunzmann, die in ihrem Keller einen kleinen Laden eingerichtet hat.

Kunzmann fertigt Wollwaren in Farben und Mustern nach den Wünschen ihrer Kunden an.

"Ich hänge an der Nadel", sagt die Pohlheimerin schmunzelnd. Tagsüber arbeitet sie hauptberuflich im Personalamt der Gemeindeverwaltung Fernwald, kümmert sich um Lohnabrechnungen und Bewerbungen. Setzt sie sich am Feierabend zu Hause dann auf das Sofa, schaltet sie den Fernseher ein und packt die Stricknadeln aus. Ein leises Klackern ist dann zu hören. "Stricken beruhigt mich", sagt sie.

Stricken von Oma gelernt

Mit Freundinnen setze sie sich bisweilen ins Café, um an Socken und Stulpen zu arbeiten. "Auch im Urlaub im Strandkorb stricke ich. Ich muss gar nicht mehr auf die Nadeln sehen, kann dabei auf das Meer schauen." Ihr fallen beim Stricken, erzählt sie, immer wieder Ideen und wichtige bevorstehende Termine ein. "Ich habe beim Stricken ständig einen Zettel und einen Stift daneben liegen."

Mit 14 Jahren lernte sie das Stricken. Schräg gegenüber ihres Elternhauses in Annerod lebte die Großmutter. "Nach der Schule haben wir bei Oma gegessen. Sie saß dann im Wohnzimmer und hat gestrickt." Irgendwann nahm Kunzmann neben ihrer Großmutter Platz und versuchte sich selbst an Socken. Das Stricken halte für sie auch die Oma in Erinnerung.

"Dinge, die die Welt nicht braucht? Doch, Frau schon."

Freunde und Bekannte haben Kunzmann vor mehreren Jahren ermutigt, ihre Socken und Stulpen in einem Laden zu verkaufen. "Wer kauft denn gestrickte Socken?", antwortete sie zuerst - und richtete im Mai 2013 dann doch in ihrem Keller einen kleinen Laden ein. Das "IdeenReich" war geboren.

Es ist Samstag, kurz vor Mittag. In Kunzmanns zwölf Quadratmeter großem Keller und in der Waschküche daneben herrscht reger Betrieb. Kunden fragen gezielt nach Socken in ihren Lieblingsfarben und nach bestimmten Mustern. Kunzmann hat ihr Sortiment in den vergangenen Jahren beispielsweise um Glückwunschkarten, Schmuck und Geschenkartikel erweitert, den sie im Großhandel einkauft. "Mein Mann meint: Ich verkaufe Dinge, die die Welt nicht braucht", erzählt sie lachend. Ihr Antwort darauf: "Doch, Frau schon."

Eishockeyspieler bestellte Socken in Farben seines Luxuswagens

Kunzmann nimmt auch Wünsche für Muster und Farben der Socken in Auftrag. Und sie erhält zunehmend online Bestellungen aus ganz Deutschland. Hexen einer schwäbischen Faschingszunft bestellten bei ihr per Internet 13 schwarz-rot geringelte Paar Kniestrümpfe für den närrischen Umzug. "Und ein Eishockeyspieler aus Bayern hat sich Socken in der blau-grünen Farbe seines Luxuswagens gewünscht." Sie habe doppelten Faden verwendet, damit die Socken die Füße des Sportlers auch auf der Eisfläche warm halten.

Sie könne sich durch die Einnahmen aus dem Laden als Kleinunternehmerin einen Urlaub mit der Familie leisten, sagt sie. In diesem Jahr allerdings steht eine Veränderung an. Sie will nach oben ins Haus umziehen, in die frisch renovierte Wohnung. "Da ist es größer und heller, auf das Kellerflair kann ich auch verzichten." Das Schaufenster des Ladens liege dann direkt an der Straße.

"Ich fühle mich nicht als Unternehmerin"

Auf die Frage, ob sie sich vorstellen könnte, das "Ideenreich" hauptberuflich zu führen und jeden Tag zu öffnen, schüttelt sie aber den Kopf. Seit 1995 arbeite sie in Fernwald im öffentlichen Dienst. Diesen sicheren Job wolle sie auf keinen Fall aufgeben. "Wenn ich auf den Laden angewiesen wäre, würde es mir vielleicht auch nicht mehr so eine Freude bereiten", sagt Kunzmann und fügt hinzu: "Ich fühle mich nicht als Unternehmerin."

Inzwischen ist es halb eins, der Kundenstrom ist abgeebbt, die Waschküche ist nun menschenleer. "Wenn es ruhig wird, falte ich dann manchmal Wäsche zusammen." Diesmal aber setzt sie wieder zu ihrer Lieblingsbeschäftigung an. Sie kramt Stricknadeln hervor. Und das leise Klackern setzt wieder ein.

Samstags geöffnet

"IdeenReich" ist samstags von 10 bis 12.30 Uhr in Watzenborn-Steinberg Zur Eichwiese 2, geöffnet, weitere Infos unter www.ideenreich-pohlheim.de

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