14 000 Pohlheimer entscheiden am Sonntag, wer Bürgermeister in Pohlheim wird. FOTO: SRS

Bürgermeister-Wahl am Sonntag

So wollen die Kandidaten Pohlheim verändern - Antworten auf sieben drängende Fragen

14 000 Pohlheimer entscheiden am Sonntag, wer künftig Chef im Rathaus ist: Herausforderer Andreas Ruck, den SPD, Grüne und FDP ins Rennen schicken, oder Amtsinhaber Udo Schöffmann, der von CDU und Freien Wählern unterstützt wird? Vor der Wahl beantworten sie sieben drängende Fragen.

Was sind die drängendsten Probleme und Herausforderungen in Pohlheim, die Sie angehen wollen?

Andreas Ruck: Kommunikation! Mit mir gibt’s keine Basta-Entscheidungen ohne Einbindung der Bürger. Dialog ist wichtig. Verschiedene Aspekte kann man so erkennen und abwägen und zur richtigen Entscheidung kommen. Das betrifft das Gewerbegebiet Garbenteich, wie Kindergärten und Baugebiete. Als gewählter Bürgermeister ist man zuerst Vertreter aller Bürger.

Udo Schöffmann: Das wichtigste Thema, nicht nur in Pohlheim, ist, dass wir die Corona-Pandemie gut überstehen. Nach dem starken Anstieg der Infektionszahlen in Pohlheim müssen wir alle besonnen handeln. Wir müssen uns alle schützen und persönliche Kontakte einschränken, damit wir uns und andere nicht gefährden.

Wie konkret sollte das geplante Gewerbegebiet in Garbenteich gestaltet werden?

Ruck: Bei den Verhandlungen mit Investoren haben Ökologie, Nachhaltigkeit, Minderung der Belastungen von Anwohnern, Schaffung von Arbeitsplätzen und die Unterstützung der heimischen Wirtschaft bei mir oberste Priorität. Dass Start-ups aus Zukunftstechnologien aus nahen Universitäten hier in Pohlheim eine neue Heimat finden, werde ich aktiv fördern.

Schöffmann:Das Gewerbegebiet wird ein Mix aus Wohnen im westlichen Bereich und Arbeiten im restlichen Bereich. Es werden nur Betriebe zugelassen, die eine Wertschöpfung für Pohlheim bringen. Hierzu zählen Aspekte wie hochwertige Arbeitsplätze, geringer Flächenverbrauch, Umweltaspekte und geringer Verkehr.

Seit Jahren hakt es bei Baugebieten in Pohlheim. Mit welchen konkreten Maßnahmen wollen Sie für mehr bezahlbaren Wohnraum in den Stadtteilen sorgen?

Ruck:Zunächst gilt es, die Baugebiete nicht künstlich zu verteuern. Es kann nicht sein, dass die Stadt die Quadratmeterpreise noch selbst antreibt. Ein katastrophales Signal. Gerade Familien haben dadurch keine Chance zum Baulanderwerb. 500 Quadratmeter für rund 150 000 Euro wie in Hausen? Wer soll das bezahlen? Hier gilt es, ein Stopp zu setzen.

Schöffmann:Das Baugebiet Hausen wird nächstes Jahr voll erschlossen, in Garbenteich und Grüningen sind neue Baugebiete in Planung und in Watzenborn-Steinberg wird versucht, auch die restlichen Grundstücke für Oberweg IV anzukaufen. Die Baugenossenschaft Horlofftal baut 2021 auf meine Initiative 16 Sozialwohnungen.

In Watzenborn-Steinberg soll an der Ludwigstraße die größte Kita des Kreisgebiets für rund 150 Kinder gebaut werden. Wie ist Ihre Position zu dem Großprojekt?

Ruck:Der geplante Großkindergarten ist der falsche Weg, sowohl aus pädagogischer Sicht wie im Blick auf Verkehr und eine Pandemie. Bestmöglichen Schutz gemeinsam mit Frühförderung, Spracherwerb und Persönlichkeitsbildung für die Kinder bieten kleinere Kitas, wie ich ihn mit einem zweiten Kindergarten in Watzenborn-Steinberg anstreb

Schöffmann:Die Eltern werden sich freuen, dass mitten im Ort die schönste und zukunftsfähigste Einrichtung entsteht. Es wird eine Spieloase für unsere Kinder. Gleichzeitig ordnen wir die Gesamtsituation um die Volkshalle neu, sodass mehr Parkplätze für die Besucher der Volkshalle zur Verfügung stehen werden.

Welche Ideen haben Sie, um für eine Entlastung im Straßenverkehr in Pohlheim zu sorgen?

Ruck:Gemeinsam mit Experten und Bürgerschaft werden wir Pläne zur Minderung von Verkehr mit sicheren und klugen Wegen entwickeln. Die Förderung des Radverkehrs sowie des ÖPNV, der den innerstädtischen Verkehr entlastet, gehört dazu. Den Bürgern in Pohlheim soll es in Zukunft hier leichtfallen, auf das eigene Auto bei Kurzstrecken zu verzichten.

Schöffmann:Eine Verkehrswende bekommen wir nur alle gemeinsam hin. Die Grundlage ist mit vielen neuen Radwegen, der neuen Radwegweisung und verbesserten Busverbindungen geschaffen worden. Maßnahmen wie ein neuer Bahnhaltepunkt für Hausen und Ergänzungen des Radwegenetzes mit Fahrradstraßen werden noch folgen.

Wie wollen Sie verhindern, dass die südlichen Stadtteile abgehängt werden?

Ruck:Keiner wird abgehängt. Wir sind ein gemeinsames Pohlheim! Deshalb ist auch ein Stadtentwicklungsplan, den ich mit den Bürgern gemeinsam entwickeln möchte, so wichtig. Jeder Stadtteil hat seine Stärken. Verlässlicher, getakteter Nahverkehr, gerade im Süden, mit gutem Anschluss an alle Stadtteile und umliegenden Regionen haben oberste Priorität.

Schöffmann:Die Einkaufsmöglichkeiten, die Arztversorgung, die Gaststätten, die Vereinsstruktur, Sport- und Freizeitmöglichkeiten gilt es zu erhalten. Eine deutliche Verbesserung der Verkehrsanbindung des ÖPNV wird es ab 14. Dezember 2020 mit der Einführung des neuen Pohlheimer-Busrundverkehrs im Stundentakt geben.

Die Corona-Pandemie wird Auswirkungen auf die Finanzlage der Stadt Pohlheim haben. Wo sehen Sie Möglichkeiten zum Sparen im Haushalt?

Ruck:Die Corona-Pandemie ist in der Tat weltweit eine Herausforderung und keiner weiß, wann wir zu einer Normalität zurückkehren können. Und tatsächlich ist die Finanzlage ein wichtiger Aspekt. Aber man kann erst über etwas reden, wenn verlässliche Zahlen auf dem Tisch liegen. Bund und Land haben den zu erwartenden Gewerbesteuerausfall der Kommunen mit 1,2 Milliarden Euro kompensiert. Bisher besteht also offensichtlich kein Handlungsbedarf.

Schöffmann:Ein guter Bürgermeister zeichnet sich dadurch aus, dass er in guten Zeiten für die schlechten Zeiten vorsorgt. Ich gehe davon aus, dass wir Mindereinnahmen durch die Pandemie vollständig mit Rücklagen ausgleichen können. Der gute Umgang mit dem Geld wurde uns ja auch vom Landesrechnungshof bestätigt.

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