Er bedauert, dass er sich aufgrund der Pandemie von seinen Mitarbeitern nicht persönlich mit einem Ausstand verabschieden kann, sagt Udo Schöffmann.	FOTO: SRS
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Er bedauert, dass er sich aufgrund der Pandemie von seinen Mitarbeitern nicht persönlich mit einem Ausstand verabschieden kann, sagt Udo Schöffmann. FOTO: SRS

Interview mit Udo Schöffmann

Pohlheim: Bürgermeister Schöffmann tritt ab - „Wird kein Gespräch mit Herrn Ruck geben“

  • vonStefan Schaal
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Udo Schöffmann tritt als Bürgermeister der Stadt Pohlheim ab. Krachend war er bei der Wahl im November gescheitert. »Die Gründe für den Wahlausgang kenne ich mittlerweile«, sagt er.

  • Bei der Wahl im November hatte der amtierende Bürgermeister von Pohlheim, Udo Schöffmann, deutlich verloren.
  • Ab dem 1. Februar wird Andreas Ruck Schöffmann im Amt des Bürgermeisters nachfolgen.
  • Im Interview blickt Udo Schöffman auf seine sechsjährige Amtszeit zurück.

Pohlheim - Mit Stolz blickt der CDU-Mann vor allem auf das Gewerbegebiet Garbenteich-Ost, das kurz vor der Realisierung steht. Weit weniger wohlwollend sind die Worte, die er für seinen Amtsnachfolger wählt.

Als Sie vor sechs Jahren Ihr Büro als Bürgermeister bezogen haben, hat Ihr Vorgänger Ihnen nur eine rote Mappe hinterlassen. Der Inhalt waren die Pläne zum Gewerbegebiet Garbenteich-Ost und das Outlet-Vorhaben. Das prägende Thema Ihrer Amtszeit?

Da stimme ich zu. Kommende Woche ist ja nun der Satzungsbeschluss für das Gewerbegebiet vorgesehen. Wenn er durchkommt, soll Ende des Jahres die Erschließung der Fläche beginnen. Die ersten Pläne für das Gewerbegebiet gab es im Jahr 2000. Jetzt bringen wir das Projekt zum Abschluss.

Was empfinden Sie dabei?

Ich bin stolz darauf. Auch darauf, dass ich nicht lockergelassen habe. Und selbst wenn das mancher nicht so sieht: Es ist gut für Pohlheim. Die Stadt muss sich über Gewerbesteuereinnahmen finanzieren, und es geht um gute Arbeitsplätze.

Pohlheim: Scheitern des Outlet-Centers herbe Niederlage für Schöffmann

Vor zwei Jahren hat das gescheiterte Vorhaben, in Garbenteich ein Outlet-Center, zu errichten, eine herbe Niederlage für Sie bedeutet.

Natürlich war das eine Niederlage. Wir hätten damals zuerst auf Landesschiene die großen Hürden wie den Autobahnanschluss und die Genehmigungsfähigkeit des Einzelhandels angehen und erst dann vor Ort über das Outlet-Vorhaben reden müssen. Aber wir stehen jetzt nicht vor einem Scherbenhaufen. Und für die Stadt ist die jetzige Lösung besser. Wir werden nicht von einem Großbetrieb abhängig sein. Mehrere Firmen werden sich ansiedeln. Wenn’s dem einen schlecht geht, geht’s dem anderen gut. In Summe ist das Gewerbegebiet ein Gewinn für Pohlheim.

Kurz soll ja auch Otto in Garbenteich im Gespräch gewesen sein.

Ja, die wollten unbedingt zu uns. Die wollten die komplette 36 Hektar große Fläche haben. Nachdem wir im Oktober 2017 die Pläne für das Outlet-Center vorgestellt hatten, hat sich Otto gemeldet. Die haben mich noch im Februar 2018 bekniet.

Also noch vor den Otto-Plänen in Gießen. Warum ist daraus nichts geworden?

Es wäre Großlogistik gewesen. Lkw-Verkehr Tag und Nacht. Und Arbeitsplätze eher im niederschwelligen Bereich. Ich habe Otto abgesagt.

Pohlheim: Kein Gespräch zur Amtsübergabe an Nachfolger Ruck

Am heutigen Freitag wird im Stadtparlament Ihr Nachfolger, Andreas Ruck, ernannt. Was geben Sie ihm mit auf den Weg?

Ich glaube nicht, dass ich Herrn Ruck irgendetwas antragen muss. Im Wahlkampf hat er sowieso gemeint, dass er alles anders machen würde als ich.

Wird es ein Gespräch zur Amtsübergabe geben?

Nein. Es gibt auch keine Anfrage von Herrn Ruck. Aber das darf man nicht überbewerten. Der Bürgermeister führt die Verwaltung. Und auch wenn das Büro des Bürgermeisters in Pohlheim im weißen Haus ist, sind wir nicht in Washington, wo die Verwaltung komplett ausgetauscht wird. Die Leute sind am 1. Februar dieselben. Der neue Bürgermeister ist gut beraten, sich mit den Mitarbeitern der Verwaltung auszutauschen.

Ihre Wahlniederlage liegt drei Monate zurück. In ihrer Deutlichkeit war sie überraschend. Wie blicken Sie auf das Ergebnis?

Ja, die Wahl ist überraschend für mich ausgefallen. Natürlich analysiert man das Ergebnis und hinterfragt, wie das passieren konnte. Trotzdem: Das Wahlergebnis steht, wie es steht. Und ich nehme es so hin.

Pohlheim: Deutliche Niederlage für Schöffmann bei Bürgermeister-Wahl

Was ist denn das Ergebnis Ihrer Analyse?

Die Gründe für den Wahlausgang kenne ich mittlerweile, ich möchte darüber aber nicht in der Öffentlichkeit sprechen.

Hat es mit den Persönlichkeiten der Kandidaten zu tun oder war es ein bestimmtes Thema wie die Einführung der Straßenbeiträge?

Das ist der falsche Ansatz. Aber ich will jetzt zum Abschluss meiner Amtszeit weder dreckige Wäsche waschen noch Personen vorführen. Das ist nicht meine Art.

Und wie gehen Sie mit einer solchen Niederlage um?

Sicherlich war es schockierend. Wenn ich sechs Jahre nichts getan hätte und so ein Ergebnis käme heraus, dann könnte ich sagen: Wunderbar, ich hätte ja was machen können. Wenn ich aber sechs Jahre wirkliche Verbesserungen erwirkt habe, sage ich mir: Gedankt hat dir das jetzt keiner. Die weiteren 170 Eltern, die in den Kitas jetzt ihre Kinder abgeben können, interessieren meine Verdienste nicht, das wird als Selbstverständlichkeit wahrgenommen. Es ist eben ein Amt auf Zeit. Wenn es danach nicht mehr weitergeht, dann ist das so. Für mich war es wichtig, die Wähler nicht zu belügen.

Pohlheim: Schaffung zusätzlicher Kita-Plätze als Verdienst Schöffmanns

Würden Sie die Schaffung der zusätzlichen Kita-Plätze als eines Ihrer größten Verdienste sehen?

Es ist gerade einmal rund zehn Jahre her, da hat das Pohlheimer Stadtparlament gegen den Bürgermeister geklagt, um eine Erweiterung der Kindergärten zu erreichen. In den vergangenen sechs Jahren musste keiner für dieses Ziel eine Klage einreichen. Ja, das ist eines meiner Verdienste, auch wenn das nirgendwo auf einer Plakette stehen wird.

Was werden Sie ab 1. Februar machen, wenn Sie nicht mehr Bürgermeister sind?

Ich werde mir in aller Ruhe überlegen, was ich mache. Ich spüre da keine Eile. Ich werde alles erst mal sacken lassen. Ich fühle mich mit 55 Jahren noch jung genug für etwas Neues.

Könnten Sie sich vorstellen, für das Landratsamt zu kandidieren?

Die CDU wäre schlecht beraten, vor den Kommunalwahlen einen Landratskandidaten zu bestimmen.

Wahrscheinlich gibt es die Option, zur Telekom-Tochter T-Systems zu gehen, wo Sie vor Ihrer Bürgermeisterzeit beschäftigt waren?

Mein außertarifliches Angestelltenverhältnis habe ich damals nach der Wahl beendet. Aber was ich beruflich nun mache, betrifft mich nur noch privat. Bis zum 31. Januar stehe ich im öffentlichen Leben, danach bin ich wieder ganz Privatmann wie mein Nachbar.

Pohlheim: Schöffmann möchte sich im Kreistag engagieren

Wird man Sie im Stadtparlament zumindest als Besucher wiedersehen?

Nein, auch nicht als Besucher. Politisch werde ich nur noch versuchen, mich für die Stadt Pohlheim im Kreistag zu engagieren. Ich kandidiere auf Listenplatz 19 der CDU.

Und welche Themen würden Sie dann im Kreistag angehen?

Unsere Schulen sind ja ein Dauerprojekt. In Garbenteich reicht das Gebäude perspektivisch hinten und vorne nicht mehr, da muss etwas geschehen. Dann sind auch viele kreiseigene Turn- und Sporthallen in Pohlheim in einem schlechten Zustand.

Zum Beispiel?

In Holzheim und in Watzenborn-Steinberg beide Turnhallen. Auch für unser Schwimmbad sollten Lösungen gefunden werden. Jedes Jahr haben wir ein Standarddefizit von 500 000 Euro, wir werden dafür bestraft, dass wir ein Hallenbad vorhalten. Der Kreis müsste zumindest für das Schulschwimmen, das dort stattfindet, einen kostendeckenden Anteil entrichten.

Sie haben vor ein paar Wochen erklärt, Ihre Frau und Ihre Kinder seien die Leidtragenden Ihrer Zeit als Bürgermeister. Hat sich Ihre Familie über das Ergebnis der Wahl daher vielleicht auch ein wenig gefreut?

Nein. Weil sie natürlich wissen, wie viel Herzblut ich in die Arbeit gesteckt habe. Aber natürlich ist die Familie oft hinten runtergefallen. Und sie hat sicher Anspruch darauf, dass ich wieder Dinge erledige, die ich die ganzen Jahre über zu Hause vernachlässigt habe.

Zum Beispiel das Garagenlicht.

Genau. Mein Sohn hat mir vor ein paar Tagen per Handy das Foto von einem jahrealten Zettel geschickt. Darauf standen Dinge, die ich schon lange erledigen will. Ich kann mich jetzt meiner Familie widmen und werde durch nichts gestört, auch meine Zeit als Dienstvorgesetzter der Feuerwehr ist ja nun vorbei. Aber gut, wir nehmen es auch mit Humor: Meine Familie könnte natürlich bald sagen: Jetzt ist der den ganzen Tag zu Hause. Um Gottes willen.

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