Mit Abstand statt dicht gedrängt: Das Grüninger Krippenspiel wurde bereits am zweiten Advent als Video aufgezeichnet. FOTO: PAD
+
Mit Abstand statt dicht gedrängt: Das Grüninger Krippenspiel wurde bereits am zweiten Advent als Video aufgezeichnet. FOTO: PAD

Krippe und Corona

Weihnachten 2020: Das Krippenspiel gibts dieses Jahr nur digital

  • vonPatrick Dehnhardt
    schließen

In Grüningen hatte man den richtigen Riecher: Vorsorglich wurde hier das Krippenspiel bereits Anfang des Monats aufgezeichnet. An Heiligabend ist es nun im Internet zu sehen.

Josef stützt die schwangere Maria, während das Paar langsam von Herbergstür zu Herbergstür geht. Immer wieder schicken die Gastwirte sie weiter. "Egal wo ich frage: kein Platz. Um mich geht es doch gar nicht, aber meine Frau erwartet ein Kind", klagt Josef sein Leid.

Auch der letzte Gastwirt empfängt sie mit den Worten "Bei uns ist alles belegt, ich habe nur noch einen Stall." Josef erwidert "Immer heißt es: Für dieses Hotel reicht euer Geld nicht" - und kommt ins Stocken. Es ist nicht schlimm, denn es ist nur die Generalprobe des Krippenspiels in der Grüninger Kirche.

Normalerweise ist die Kirche an Heiligabend voll, ist das Krippenspiel mit zig jungen Darstellern ein Höhepunkt des Abends. Doch so wie andernorts auch, wird es am 24. Dezember in der Grüninger Kirche aufgrund Covid-19 keinen Gottesdienst geben. Es gibt jedoch eine digitale Version.

Kirche derzeit zu klein für viele Gläubige

Bereits im November war klar, dass pro Gottesdienst nur rund 50 Personen in der Kirche sein dürften. Zudem wollten bereits damals viele Gläubige lieber Zuhause bleiben, um Kontakte zu vermeiden. Um ihnen dennoch einen Gottesdienst an Heiligabend und ein kleines Krippenspiel anbieten zu können, hatte Pfarrerin Jutta Martini die Idee, beides aufzuzeichnen.

Dass sie dabei von der Pandemieentwicklung so überholt werden würden, schließlich nur noch das digitale Angebot möglich sein könnte, hatte damals noch niemand geahnt. "Dass es zum Lockdown kommt, war da noch nicht absehbar", sagt die Pfarrerin jetzt. "Wir hatten einen guten Riecher."

Darsteller aus wenigen Familien

Auch wenn zu Beginn die Lage noch weniger dramatisch als heute war, lief schon damals alles mit großer Vorsicht ab, berichtet Martine. Zum einen wurde die Zahl der Rollen auf ein Minimum heruntergefahren. Die Darsteller sollten zudem möglichst aus einer Familie kommen. "Marie und Josef sind Geschwister", sagte Martini. Sprechproben finden als Zoom-Konferenz via Internet statt.

Erst zur Generalprobe und zur Aufnahme des Videos trafen sich alle in der Grüninger Kirche - und selbst das fand in zwei Gruppen statt, die nicht gleichzeitig vor Ort waren. So betreuten Annika Finke und Sascia Costa als Teamer die Gruppe mit Maria, Josef und den Gastwirten, während die zweite Gruppe mit den Hirten sowie der Verkündung des Heilands von Sophie Hoffmann und Lea Schidlowski betreut wurde.

Ab Heiligabend im Internet

Uwe Martini nahm am 13. Dezember die einzelnen Szenen des kleinen Krippenspiels auf - wenige Stunden, bevor auf Bundesebene die Entscheidung für den erneuten harten Lockdown fiel. Aufgezeichnet wurden auch eine Christmette sowie klassische Weihnachtslieder mit Gesang, dargeboten von Lisa Schurtakow und Leonie Fay. Letzteres sollte eigentlich beim Gottesdienst an Heiligabend vorgespielt werden - doch dieser fällt nun aus. "Es gibt bei uns bis zum 10. Januar keine Präsenzgottesdienste", sagt Jutta Martini. "Die Inzidenzwerte sind grauenhaft." Zumindest ist für ein wenig Weihnachtsstimmung gesorgt: Ab dem 24. Dezember ist das Krippenspiel im Internet auf www.ekg-grueningen.de zu sehen. Im Dorf wurden zudem DVDs mit der Aufzeichnung an Gläubige verteilt, die in Sachen Internet nicht so versiert sind. Über 70 hatten diese im Vorfeld bestellt, "das ist jedes 20. Gemeindemitglied".

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare