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Handels- und Gewerbebetriebe gibt es in allen sechs Pohlheimer Stadtteilen, einige sind aber nur mit genauer Ortskenntnis zu finden. Als Orientierungshilfe für potenzielle Kunden regt der Gewerbeverein seit Langem ein Wegweisersystem an.

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Was fehlt beim Einkauf vor Ort in Pohlheim?

  • Gabriele Krämer
    vonGabriele Krämer
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Im Vorgriff auf die »neue Normalität« nach dem Lockdown arbeitet der Gewerbeverein Pohlheim an Konzepten, die Betrieben vor Ort das wirtschaftliche Überleben erleichtern. Die Bürger sind gefrfragt.

Im Vorgriff auf die »neue Normalität« nach dem Lockdown arbeitet der Gewerbeverein Pohlheim an Konzepten, die den Unternehmen vor Ort das wirtschaftliche Überleben erleichtern. Nun ist auch die Bevölkerung gefragt.

Klassische Gewerbeschau ist passé

Füchse lernen schnell, sie setzen ihr Wissen in raffinierte Strategien um. Nicht umson st ziert ein stilisierter Schlaufuchs das Emblem des Pohlheimer Gewerbevereins. Für die Zeit »nach Corona« sind kluge Konzepte gefragt. Der Verein bringt sich nun mit einem Schnelltest der besonderen Art ins Gespräch - vor allem, um das lokale Kleingewerbe sichtbar zu machen. Für diesen Zweck war traditionell der »Pohlheimer Fuchsmarkt« das passende Forum - die klassische Gewerbeschau ist aber seit 2015 Geschichte, mangels Interesse der Gewerbetreibenden.

Dieser Winter hinerlässt Spuren

»Wohin wollen wir, wenn wir aus der Pandemie kommen?«, formuliert Vereinsvorsitzender Reimar Stenzel die Zielsetzung. Seine Beobachtung nach einem Jahr des bürokratischen Auf und Ab im Leben mit Corona: »In Pohlheim hat sich’s bereits ausgedünnt; aber Mitgliedsbetriebe sind bisher noch nicht betroffen.« Allerdings zeichne sich für manche Gastwirte ab, dass »sie noch so einen Winter nicht überleben, bald sind auch die moralischen Reserven weg. Die Kraft zu sagen, ›lass’ uns noch mal hochkommen‹, geht langsam flöten«.

Wenn es wieder losgeht, will man gewappnet sein. Was also stört die Leute beim täglichen Einkauf vor Ort, was hindert sie bisweilen daran? Welche Angebote, Dienstleistungen oder Branchen fehlen ihnen? Mangelt es an Wegweisern? Könnte die Darstellung im Internet besser sein oder gibt es schlicht nur zu wenig Wissen darum, wie breit die örtliche Wirtschaft doch eigentlich aufgestellt ist?

»Pohlheimer Schaufenster« als Marke

Aufschluss erhofft sich der Vorstand via »Schnelltest« - das ist eine kleine Umfrage, die Günther Dickel als Redakteur des »Pohlheimer Schaufenster« entwickelt hat. Der Titel der bislang wöchentlich erscheinenden Werbebeilage könnte künftig sowohl analog als auch digital für ein »Das sind wir!« der Pohlheimer Betriebe insgesamt stehen. »Die Leute wollen keinen Gewerbeverein sehen, sondern was es bei uns alles gibt«, ist sich Stenzel sicher.

Unter dem Dach des Gewerbevereins haben sich rund 85 Unternehmen mit mehr als 750 Mitarbeitern versammelt, davon 600 in Vollzeitbeschäftigung. Etliche Selbständige sowie Ein- bis Drei-Mann-Betriebe gehören dazu. »Kleinbetriebe sind das Rückgrat der Wirtschaft«, sagt Stenzel und schätzt: »Es gibt in Pohlheim nochmal so viele Betriebe, die nicht bei uns Mitglied sind - eventuell wissen einige gar nicht, dass der Gewerbeverein überhaupt existiert«.

Betriebe sollen »sichtbarer« werden

Sogar einige Firmen mit Sitz in Linden sind Mitglied bei den Pohlheimern. In der Nachbarkommune gebe es wie auch nebenan in Langgöns keinen vergleichbaren Zusammenschluss mehr, so ist der Vorsitzende. Stenzel selbst 2019 in Ermangelung von Erweiterungsmöglichkeiten vor Ort mit seinem kaufmännischen Software-Unternehmen von Hausen ins Stadtzentrum Linden umgezogen.

»Als Randgemeinde einer großen Stadt haben wir das Problem, ein eigenes Profil hinzukriegen«, sagt der 63-Jährige mit Blick auf die mit sechs Stadtteilen weit verzweigte Großgemeinde. »In einem zentralen Ort kann man etwas Gemeinsames entstehen lassen - aber einen solchen Ort hat Pohlheim nicht«. Resümee: »Unsere Betriebe müssen für die Leute sichtbarer werden«. Das A und O sei deshalb eine vernünftige Beschilderung. Seit Jahren dränge der Gewerbeverein bei der Stadt, ein innerörtliches Wegweisersystem zu installieren.

»Hop on, hop off« zur Hausmesse

Eine Mischung von digitaler und analoger Angebotsplattform wird ebenfalls erwogen - im Wissen darum, dass kommunale Gewerbemessen der Vergangenheit angehören. Warum also nicht etwa an einem Samstag »nach Corona« den Pohlheimer Rundverkehr (Linie GI-38) nutzen? Betriebe entlang der Route könnten sich im Rahmen einer Hausmesse präsentieren; diese würden dann von Kunden und Besuchern wie bei einer Stadtrundfahrt im »Hop on, hop off«-System angesteuert. Auf diese Idee sei der Gewerbeverein durch das Erfolgskonzept der »Licher Scheunen« gestoßen, sagt Stenzel.

»Digital beraten, vor Ort verkaufen« ist ein weiterer Ansatzpunkt. Oder: Ähnlich gut, wie es Direktvermarktern in der Region gelungen ist, sich während der Pandemie zu profilieren, könnten nun auch Handwerksbetriebe Präsenz zeigen.

Stenzel mag nichts unversucht lassen, um das örtliche Gewerbe zum sichtbaren Leben zu bringen: »Weil ich ein Optimist bin, lasse ich mich davon nicht abbringen.«

Reimar Stenzel Gewerbevereinvorsitzender

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