"Warum ich Bürgermeister werden möchte? Ich will gestalten", sagt Andreas Ruck.	FOTO: SRS
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Pohlheims Bürgermeister Andreas Ruck. (Archiv)

Pohlheim

Nicht zur Wahl gratuliert? Entlassen! Kritik an Pohlheims Bürgermeister weitet sich aus

  • vonStefan Schaal
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Die Kritik an der Absetzung Ewald Seidlers als Umweltdezernent Pohlheims durch Bürgermeister Andreas Ruck wird lauter und schärfer. Jetzt kommt sie auch von seinem Vorgänger.

In den Konflikt um die Absetzung Ewald Seidlers (FW) als Umweltdezernent der Stadt Pohlheim hat sich nun auch Ex-Bürgermeister Udo Schöffmann (CDU) eingeschaltet.

Mit der Entmachtung Seidlers schade der neue Rathauschef Andreas Ruck (parteilos) der Stadt, erklärt Schöffmann. »Die Arbeit von Ewald Seidler war exzellent und verdient Respekt und Anerkennung.«

Ruck hatte an seinem ersten Arbeitstag am 1. Februar den Ersten Stadtrat Seidler als Umweltdezernenten und Beauftragten für Radverkehr entlassen und dies anschließend damit begründet, dass Seidler ihm nicht zur Wahl zum Bürgermeister gratuliert habe. Ein Vertrauensverhältnis sei daher nicht möglich, er wolle außerdem die Aufgaben nun selbst wahrnehmen.

»Strippenzieher« SPD

Schöffmann indes widerspricht Ruck. Hintergrund der Entmachtung Seidlers sei vielmehr, dass die Pohlheimer SPD um Horst Biadala »die nötigen Strippen gezogen und damit ihren Willen durchgesetzt« habe.

Durch Seidler habe die Stadt jahrelang viel Geld gespart, führt Schöffmann weiter aus. Für 80 Stunden ehrenamtliche Arbeit im Monat habe der Umweltdezernent eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 600 Euro erhalten. Zuvor habe die Stadt jährlich 30 000 Euro für einen externen Umweltberater ausgegeben.

Erpressung?

Rückendeckung erhält Ruck von Biadala, der für die SPD im Pohlheimer Stadtparlament sitzt. Der Bürgermeister habe bei der Absetzung Seidlers schlicht von seinem Recht Gebrauch gemacht. Die Tatsache, dass Seidler dem neuen Bürgermeister in den Wochen nach der Wahl nicht gratuliert habe, sei nicht die Hauptursache für die Entlassung, betont Biadala weiter. Seidler sei aufgrund von »Kungelei« fünf Jahre lang Umweltdezernent gewesen. Die Freien Wähler um Ulrich Sann und Seidler hätten 2016 ihren Koalitionspartner CDU »mit der Forderung erpresst, dass eine Zusammenarbeit nur infrage kommt, wenn Seidler Erster Stadtrat und ihm die Verantwortung für ein Dezernat übertragen wird.«

Biadala wehrt sich zudem gegen eine Äußerung des Fraktionsvorsitzenden der Freien Wähler, Sann, der auf die Absetzung Seidlers mit den Worten reagiert hatte, Ruck erinnere ihn an einen »Schwarm Borkenkäfer«. Die Bezeichnung als Ungeziefer sei »Nazi-Jargon«, kritisiert Biadala.

Biadala wehrt sich

Die Worte hätte er nicht gewählt, räumt Andreas Schuch von den Freien Wählern ein. Als Ungeziefer oder Schädling habe Sann Ruck sicher nicht bezeichnen wollen, nimmt er seinen Fraktionskollegen in Schutz. Der Schritt des Bürgermeisters allerdings, Seidler das Dezernat zu entziehen, sei unklug, betont Schuch. Die Art und Weise ohne ein vorheriges Gespräch mit Seidler sowie der Zeitpunkt seien zu beanstanden. Bei allen Differenzen wäre Seidler zu einer geregelten Amtsübergabe bereit gewesen. Doch Ruck habe darauf verzichtet, obwohl der neue Bürgermeister in Fragen des Naturschutzes zumindest in seiner Biografie wenig Expertise vorweisen könne.

Er habe übrigens dem Bürgermeister noch am Wahlsonntag im Namen der Freien Wähler und damit auch im Namen Seidlers gratuliert, betont Schuch. Der Vorwurf Biadalas, die Freien Wähler hätten 2016 die CDU »erpresst«, um das Umweltdezernat zu erhalten, sei ein Versuch, die Freien Wähler »öffentlich zu kriminalisieren«. Bei den Koalitionsverhandlungen vor fünf Jahren hätten sowohl SPD als auch CDU den Freien Wählern den Posten des Ersten Stadtrats angeboten, Schöffmann habe dann zusätzlich den langjährigen Ehrenamtler und Naturschützer Seidler als Umweltdezernent vorgeschlagen.

Koalitionsverhandlungen als Auslöser

In seiner Funktion als Stadtverordneter hat Schuch dem Bürgermeister Fragen zu den Gründen für die Entmachtung Seidlers gestellt und sich erkundigt, was gegen eine geordnete Übergabe der Geschäfte gesprochen habe. Ruck hatte geantwortet, er könne die Arbeiten und die Aufteilung frei gestalten. Er habe eine Gratulation Seidlers erwartet. »Es ist für mich befremdlich, wenn dies nicht passiert.«

Mehrere Fragen blieben unbeantwortet, moniert Schuch. Ruck erklärt, für ihn sei die Angelegenheit abgeschlossen.

Im Wahlkampf habe der Bürgermeister noch die Wichtigkeit von Dialog auf politischer Ebene in den Mittelpunkt gestellt, kritisiert Schuch. »Der Wahl-Ruck gibt sich als Kommunikator. Der Amts-Ruck aber kommuniziert nicht.«

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