Karl-Rudolf Schön und Gerd Espanion warten darauf, dass das Hypocaustum eröffnet werden kann. FOTO: PAD
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Karl-Rudolf Schön und Gerd Espanion warten darauf, dass das Hypocaustum eröffnet werden kann. FOTO: PAD

Warten aufs Anschwitzen

  • vonPatrick Dehnhardt
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Das Hypocaustum am Hallenbad Pohlheim-Fernwald ist seit einigen Tagen fertig. Geschwitzt werden darf dort wegen der Pandemie noch nicht. Der Förderverein blickt der Eröffnung 2021 entgegen - und hat einen Notfallplan in der Schublade.

Eigentlich sollten es im Hypocaustum mollige 60 bis 70 Grad warm sein. Dass Karl-Rudolf Schön und Gerd Espanion vom Förderverein des Hallenbads Pohlheim-Fernwald in dicken Winterjacken statt nur mit einem Handtuch bekleidet auf den Bänken sitzen, hat einen Grund: Noch ist die Heizung aus. Angeschwitzt wird wohl erst im Frühjahr 2021 - derzeit ist der Betrieb aufgrund des Lockdowns nicht möglich.

Dabei wäre das Wetter eigentlich ideal für einem Besuch in der neuesten Attraktion des Hallenbades, sich dabei vom nasskalten Dezember zu erholen und Wärme zu tanken. Bereits vor einigen Jahren wurde die Idee geboren, den Saunabereich des Schwimmbades aufzuwerten. Ein klassischer Anbau hätte allerdings keine Chance auf eine Förderung gehabt.

Dem Förderverein spielten die Römer in die Karten: Diese hatten vor rund 1900 Jahren den Limes in unmittelbarer Nähe gebaut und bewacht. Vor 15 Jahren wurde dieser in die Liste der Weltkulturerbe der Unesco aufgenommen. Spätestens seitdem spielt er im Tourismuskonzept der Region eine Rolle - und können Projekte, die mit ihm in Zusammenhang stehen, eine Förderung aus dem europäischen Leader-Programm erhalten.

So wurde die Idee eines Hypocaustums erarbeitet. Dabei handelt es sich in erster Linie um eine antike Fußbodenheizung: Der Brennofen steht im Freien, der Boden wird von kleinen Steintürmchen getragen. Die heiße Luft kann zwischen diesen hindurchströmen und den Boden von unten erwärmen. Häufig wurden die Luftströme danach durch Wandkanäle oder massive Sitzbänke hindurchgeleitet, um diese auch zu erwärmen. Besonders in römischen Themen war die Technik sehr beliebt.

Die Erweiterung des Hallenbades erinnert an den römischen Stil. Der Innenhof ist quadratisch, "das musste nach Vorstellung der Römer so sein", erklärt Schön. Auch die Säulen und das Kneipp-Becken in der Mitte greifen diesen Stil auf: Das Mosaik zeigt eine moderne Form eines antiken Musters. Der Förderverein hat zudem Statuen im Kunststil der Epoche angeschafft. Zwischen diesen könnte man nach einem Saunagang wandeln und abkühlen - oder sich auf einer der neuen Liegen entspannen.

Zentrales Element ist das Hypocaustum, das zusammen mit zwei Ruheräumen in einem neu errichteten Nebengebäude eingezogen ist. In dem Raum gibt es Möglichkeiten, sich auf die beheizten Bänke hinzulegen oder zu setzen und dabei ins Schwitzen zu geraten. Dass es dabei rund 20 Grad kühler als in der finnischen Sauna werden wird, ist gewollt. "Viele sagen, dass ihnen 90 Grad zu heiß sind", sagt Espanion.

Dank des großen Saunaofens ließe sich diese Temperatur indes auch in dem Hypocaustum erreichen. Der Förderverein überlegt, diese Möglichkeit zu nutzen. "Nach den derzeitigen Hygienevorschriften dürfen in die alte Sauna nur vier Leute rein", sagt Schön. "Und eine Niedertemperatursauna ist gar nicht gestattet." Würde man das Hypocaustum auf 90 Grad anheizen, könnte es die Kapazitäten des Saunabereichs in Covid-19-Zeiten deutlich erhöhen - wenn der irgendwann 2021 wieder öffnen darf.

Römisches Leben

Dass die Anlage in Betrieb geht, ist dem Förderverein eine Herzensangelegenheit: "Wir wollten hier kein Museum bauen", sagt Schön. An der Fassade gibt es Infotafeln über das römische Leben, den Limes und die Badekultur. Doch letztere soll vor allen Dingen praktisch erlebbar sein. Dabei will man sich nicht nur an Wanderer und Radler auf dem Limes wenden, sondern auch junge Leute, Kindergärten und Schulklassen in die Anlage locken. "Die Kinder können mit Tunika das Hypocaustum nutzen", sagt Espanion. "Das beugt schließlich auch Erkältungskrankheiten vor."

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