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Moritz Buss vom landwirtschaftlichen Betrieb Jung hat den Boden für die Einsaat vorbereitet.

Vom Grünland zum Insektenbiotop

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Pohlheim (pm). Jahrelanges Mulchen, intensives Düngen und die Gewinnung von Silage führen zu rückläufigem Artenreichentum auf Grünlandflächen. Damit verlieren Insekten ihre Lebensgrundlagen. Daher habe sich die Naturlandstiftung im Landkreis Gießen auf die Fahnen geschrieben, Projekte zu fördern, deren Ziel es ist, bestehendes Grünland durch neue Saat artenreich und naturnah zu gestalten, erklärt Gabriele R.

Winter von der Stiftung.

In Dorf-Güll wurden nun zwei gemeindeeigene Flächen dafür zur Verfügung gestellt. Dazu mussten zunächst die bestehenden Pachtverträge überprüft und gekündigt werden. Nicht immer war der eingetragene Pächter auch der Nutzer der Fläche. In einer Nutzungsvereinbarung wurden die Gestaltung und die Nutzung festgelegt, erläutert Winter.

Schafe auf den Grundstücken

Um das Projekt auf solide Füße zu stellen, fertigte DiplomAgraringenieur Markus Wieden vom Büro für Landschaftsanalyse Wetzlar eine detaillierte Bestandsaufnahme der beiden Flächen an und beriet die Naturlandstiftung zur Anlage und Pflege. Im Rahmen von Diversitätsmaßnahmen fördert das Regierungspräsidium Gießen die Maßnahme.

Zur Vorbereitung der Ansaat sollte der Boden unkrautfrei und frei von Pflanzenresten sein, die nochmals auskeimen könnten. Die beiden Flächen wurden daher bereits im Herbst gepflügt.

Im Frühjahr wurde dann eine weitere Bodenbearbeitung erledigt. Durch Grubbern und Kreiseln entstand ein feinkrümeliges Saatbeet, in das der Samen eingebracht und gewalzt wurde. Diese Arbeiten führte Moritz Buss vom landwirtschaftlichen Betrieb Jung in Gambach aus.

Die Fläche »vor dem Eschenröder« (660 Quadratmeter) wurde mit der Saatgutmischung Blumenwiese klassisch, Wildsaaten Wetzlar, eingesät. Die Fläche wird lange von der Sonne beschienen, grenzt aber an eine Hanglage mit Weißdorn, der noch gestutzt werden sollte. Wieden wies darauf hin, dass es sich dort anbiete, einen Teil des Hangs als offenen Boden liegen zu lassen. Gerade diese Bereiche würden in der Landschaft immer weniger, böten aber vielen Tierarten Lebensraum.

Auf der Fläche »Am Wolfsgraben« (3400 Quadratmeter) wurde eine Glatthaferwiesenmischung, Wildsaaten Wetzlar, verwendet. Zusätzlich wurde ein Schmetterlingssaum an den Rändern angelegt. Mit dem Schafhalter Thomas Klee aus Holzheim wurde die Pflege der Grundstücke vereinbart.

Es erfolgt eine Mahd nach dem 1. Juli und eine schonende Beweidung durch Schafe im Herbst. Ziel ist dabei, dass die Flächen möglichst kurzrasig in den Winter gehen.

Durch die Klimaerwärmung und die damit verbundenen trockenen Frühjahre werde es immer schwieriger, solche Flächen erfolgreich anzulegen, berichten die Experten. Eine Einsaat im Herbst sollte dabei immer eine Alternative sein, da durchaus manche Pflanzen zum Auflaufen einen Kältereiz bräuchten. Werde im Frühjahr ausgesät, finde man sie erst im folgenden Jahr auf der Fläche, führte Wieden aus. Die Naturlandstiftung wird die Entwicklung der Flächen dokumentieren, das Projekt evaluieren und darüber berichten, kündigte Winter an.

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