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Vor verschlossenen Türen

Rabenau (vh). Nicht nur, dass in Rabenau die Container für Geflüchtete im Dezember an drei Standorten Knall auf Fall abgesetzt wurden – vorigen Mittwoch sind die Bewohner auf ähnlich überraschende Art und Weise nach Geilshausen und Allertshausen gebracht worden.

Jeweils 30 Personen. Offensichtlich war das keine planvoll ausgeführte Maßnahme, sondern ein Überraschungscoup für alle Betroffenen – die Flüchtlinge selber, sie begleitende Sozialarbeiter und die Menschen an den jeweiligen Standorten.

Am Sonntagabend fanden sich gut 30 Geilshäuser im Anbau der evangelischen Kirche zum ersten Treffen der ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer ein. Pfarrer Jörg Gabriel gab bekannt, die Kirche stelle gerne Dinge, die sie habe, zur Verfügung, etwa diesen Raum. Daraufhin spielte sich keines der im Landkreis inzwischen gewohnten Helfertreffen ab, sondern eine Krisensitzung mit dennoch viel Hoffnung auf gute Lösungen.

Rückblick: Die Ankömmlinge in Geilshausen – allesamt aus Afghanistan, darunter Familien mit insgesamt fünf Kindern vom Säugling bis zum 13-jährigen Jugendlichen, auch junge alleinstehende Männer – standen vor verschlossenen Türen ihres Domizils. Der Bus, mit dem sie gegen 19.30 Uhr gebracht wurden, hatte zuvor kein Geschäft angefahren, es gab keine Mahlzeit wie in den bisherigen Unterkünften, und den meisten fehlte auch das nötige Geld für Besorgungen.

Mittlerweile ist der Weg nach innen frei. Abgeschlossen ist immer noch der Sanitärbereich für Frauen, da funktionsuntüchtig. Am Montag sollte der Betreiber der Containersiedlung (Fa. Gies, Stadtallendorf) technische Mängel nachbessern. Die Küche funktioniert dagegen schon. Zum Essen eingeladen war beispielsweise Julia de Boor, Geilshäuser Ärztin für Allgemeinmedizin, die unweit der Wohncontainer ihre Praxis hat. Sie musste leider zum Helfertreffen.

Die Frage des Ortsvorstehers Markus Titz nach dem mutmaßlichen Gesundheitszustand der Flüchtlinge, konnte de Boor (sie ist aus erster Hand darüber informiert) klar beantworten. Alle seien gründlich untersucht, insbesondere auf ansteckende Krankheiten, und bei Bedarf geimpft worden. Einige der Flüchtlinge könnten Englisch, so der 13-jährige Junge, andere etwas Deutsch.

Ortsvorsteher als Bindeglied

Inzwischen hätten die Flüchtlinge erste Kontakte zu den Nachbarn der Containersiedlung gehabt. Sie seien noch etwas ängstlich und würden lieber im neuen Quartier bleiben, wusste Christina Hofmann. Sie hat jemandem Geld fürs Einkaufen vorgelegt. Einige der jungen Männer würden gerne ihr Hobby Bodybuilding weiterführen, berichtete sie. Ein geeignetes Fitnessstudio wäre in Londorf vorhanden.

Die 30 Personen konnten nicht als neue Bewohner Rabenaus im Londorfer Rathaus registriert werden, da sie noch an ihren bisherigen Standorten (Gießen, Lich, Leihgestern, Buseck) gemeldet sind. Jetzt müssen sie zum Wochenbeginn schnellstmöglich nach Gießen, wo in den »Rivers Barracks« (Kreisverwaltung) Dienstleistungen für Flüchtlinge angeboten werden. Dort holen sie ihre Verpflegungspauschale ab und melden sich um für die Anmeldung in Rabenau. Markus Lich formulierte eher im Spaß: »Dann sind die momentan praktisch illegal hier.«

Titz teilte der Runde mit, sein Job sei es, als Bindeglied zwischen den Parteien zu fungieren: Flüchtlinge, Helfer, Nachbarn, Politiker. Gesucht werden Leute, die mit einfachen Mitteln Deutsch mit den Flüchtlingen einüben. Das wird entweder im Kirchenanbau oder in der alten Bücherei stattfinden. Am Donnerstag, 28. Januar, um 20 Uhr treffen sich Sprachmittler in der Gaststätte »Zum Lumdatal« in Londorf zum Austausch. Dort könne man als Neuling Rat einholen. Die Helfer wollen eine WhatsApp-Gruppe einrichten. Kleiderspenden sind ein schwieriges Thema: Allzu schnell kommt vieles zusammen, was nachher keiner benötigt. Besser sei es, Sachen in den Kleiderkammern Allendorf/Lumda (Mühlwiese 2b) oder Grünberg (Neustadt 65) abzugeben.

In der Containersiedlung gibt es keinen Fernsehanschluss. Darauf könnten die Flüchtlinge noch verzichten – der ebenfalls fehlende WLAN-Anschluss jedoch ist die einzige Möglichkeit einer Kontaktaufnahme mit Angehörigen in Afghanistan oder in Aufnahmelagern anderer Länder. Vorschläge, einen WLAN-Anschluss zu beantragen, wurden laut. Hans Heinz Fabel meinte, vielleicht finde sich dafür ein Sponsor.

Nächstes Helfertreffen ist am Sonntag, 31. Januar, um 18 Uhr im Kirchenanbau. In rund drei Wochen soll ein Begegnungsfest mit den Flüchtlingen stattfinden. Kochen würden die neuen Bewohner, hieß es. Man darf afghanische Spezialitäten in Geilshausen erwarten.

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