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Verfolgte christliche Völker

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Pohlheim (se). "Verfolgte christliche Völker im Zeitgeschehen" - zu diesem Thema hatte das Kulturforum der Sozialdemokratie im Landkreis Gießen in das Gasthaus "Grüner Baum" nach Watzenborn-Steinberg eingeladen. Referenten des Abends waren die Vorsitzende des Kulturforums, Jutta Dörrenhaus aus Grüningen, sowie Israel Be Josef aus Garbenteich, der zurzeit gemeinsam mit Horst Biadala als stellvertretender Vorsitzender die Geschicke des SPD-Ortsvereins Pohlheim leitet. Während Dörrenhaus in ihrem Vortrag einen tiefen Einblick in die Geschichte der Völker gewährte und dabei über Geschehnisse in der Zeit bis zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts berichtete, bezog sich Israel Be Josef in seinem Vortrag auf Ereignisse in der jüngeren Vergangenheit.

Dass dieses Thema die Menschen nicht nur in Pohlheim berührt, beweist die Tatsache, dass die Veranstaltung gut besucht war. Nahezu jeder Platz im Saal der Gaststätte war besetzt. Dörrenhaus verstand es in ihrem Vortag, das unendliche Leid der Armenier, Aramäer und anderer verfolgter christlicher Völker im Osmanischen Reich anschaulich darzustellen.

Die Angabe, der Genozid an den Armeniern in den ersten beiden Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts, vor allem in den Jahren 1915/16, unter Verantwortung der sogenannten Jungtürken habe bis zu 1,5 Millionen Menschen das Leben gekostet, wurde von Dörrenhaus aus der Anonymität herausgeführt. Sie schilderte, welches Leid die Armenier, aber auch andere christliche Volksgruppen wie die Aramäer zu erdulden hatten. Reihenweise wurden Dörfer dem Erdboden gleichgemacht, die Menschen zu Tausenden ermordet.

Antichristlichen Pogromen fielen demnach Ende des 19. Jahrhunderts auch über 50 000 Aramäer und Assyrer zum Opfer. "Es ist nicht zu fassen, welche Brutalität dazugehört, einen Menschen zu verstümmeln und anschließend zu töten", sagte Dörrenhaus. Das Deutsche Reich nahm davon Abstand, die Türkei für dieses Vorgehen zu kritisieren, wohl auch, um einen Bündnispartner nicht zu verärgern.

Wie Israel Be Josef ausführte, waren die Aramäer auch im 19. Jahrhundert Repressalien und Verfolgungen ausgesetzt. In den 1930er Jahren gab es ein Massaker, die assyrischen Christen wurden zusammengetrieben und alle männlichen Personen ab dem zehnten Lebensjahr erschossen. Zahlreiche Aramäer mussten türkische Namen annehmen. "Damit wurde ihnen die Identität genommen", erklärte Israel Be Josef. In den 1960er Jahren seien die ersten Aramäer als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen, und in den Jahren 1984/85 habe eine regelrechte Fluchtwelle nach Europa und in die USA eingesetzt.

In der Versammlung fand auch das in Pohlheim errichtete Denkmal in Erinnerung an die Opfer des Völkermords im Osmanischen Reich vor 100 Jahren Erwähnung. (Foto: se)

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