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Der Boden der unter Denkmalschutz stehenden Grüninger Warte ist von künstlichen Rosenblättern und Kerzenwachs übersät.

Grüninger Warte

Vandalismus und Vermüllung bedrohen ein Kleinod im Kreis Gießen - Droht Schließung?

  • VonStefan Schaal
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Die Grüninger Warte ist ein beliebtes Ausflugsziel - und einer der schönsten Aussichtspunkte der Region. Doch Vandalismus, Vermüllung und Rücksichtslosigkeit setzen dem Kleinod zu.

Pohlheim - Was für ein Blick. Was für eine traumhafte Aussicht. Wer die 52 Treppenstufen der Grüninger Warte erklimmt und rundum in die Weite schaut, sieht das Schiffenberger Tal, den Vogelsberg, die Wetterau und das Gießener Land, bei klarem Himmel ist die Sicht gar bis zum Hoherodskopf frei. Grün überall.

Es ist zweifellos einer der schönsten - und am gestrigen Sonntag wieder gut besuchten - Aussichtspunkte im Kreisgebiet Gießen. Unten, im Gebäude des »Hoinkdippe« genannten Turms allerdings, am Fuß der Treppe, bietet sich den Besuchern bisweilen ein trister Anblick. Immer wieder lassen Ausflügler im und am Pohlheimer Wahrzeichen Müll liegen. Vor wenigen Tagen hat der Vandalismus einen traurigen Höhepunkt erreicht.

Müll an Grüninger Warte im Kreis Gießen: „So extrem wie jetzt war es noch nicht“

Abfälle müsse man immer wieder an dem Ausflugsziel aufsammeln, sagt der Grüninger Ortsvorsteher Michael Wagner. »Aber so extrem wie jetzt war es noch nicht.« Als er kürzlich die Grüninger Warte aufsuchte, war der Boden und die Rasenfläche vor dem Eingang von künstlichen Rosenblättern und Kerzenwachs übersät. Es waren die Überbleibsel einer Verlobungsfeier. »Wie kann man einen Ort, an dem man selbst nette Stunden verbracht hat, derart vermüllt zurücklassen?«, fragt sich eine Pohlheimerin, die dieser Zeitung Fotos zugeschickt hat. Sie fügt hinzu: »Nach mir die Sintflut?«

Es ist einer von nun mehreren Vorfällen von Vandalismus und Rücksichtslosigkeit an der Grüninger Warte in den vergangenen Wochen, berichtet der Ortsvorsteher. Vor zwei Monaten haben Unbekannte am »Hoinkdippe« mit großer Kraftanstrengung eine massive Sitzbank aus der Verankerung im Boden gehievt und die Bank umgestoßen. Vandalen haben kürzlich außerdem schwere Backsteine einer direkt an dem Aussichtsturm gelegenen Feuerstelle herausgeschlagen und mit den Steinen in der Gegend herumgeworfen. »Die Vorfälle seien »ein Schlag ins Gesicht für alle, die den Ort lieben«, sagt Wagner.

Der Vandalismus an der Grüninger Warte war Mitte Juli auch Thema im Pohlheimer Stadtparlament. Das Problem sei ihm bekannt, sagte Bürgermeister Andreas Ruck. Es wäre bedauerlich, sagen Ruck und auch der Grüninger Ortsvorsteher, wenn man die Warte künftig abschließen müsste und Besucher, die auf den Turm wollen, sich vorher anmelden müssten.

Pohlheim: Rapper nimmt Musikvideo an Grüninger Warte auf

»Ich richte einen Appell an die Vernunft«, sagt Wagner. Dass die Warte ein beliebtes Ausflugsziel ist, dort Verlobungsfeiern stattfinden und sich Brautpaare regelmäßig am Turm fotografieren lassen, sei schön. Vor kurzem habe dort ein Rapper außerdem ein Musikvideo gedreht. »Die Warte war dafür blau erleuchtet«, erzählt Wagner.

»Wir sind stolz auf unser Wahrzeichen«, ergänzt er. »Aber wenn Leute stundenlang das Gebäude mit Rosenblättern und Kerzen schmücken, können sie am Ende auch wieder aufräumen.«

Mitarbeiter der Stadt kratzten stundenlang das getrocknete Wachs vom Boden. Wer für die Überreste verantwortlich ist, konnte bisher nicht festgestellt werden. Wagner macht einen versöhnlichen Vorschlag: »Wenn die Leute, die die Abfälle hinterlassen haben, anonym dem Förderverein der alten Kirche in Grüningen oder dem Schwimmbadverein eine Spende zukommen lassen, sagen wir: Schwamm drüber.«

Kürzlich haben Unbekannte am »Hoinkdippe« eine massive Sitzbank aus der Verankerung im Boden gehievt.

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