Karl Kaiser
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Karl Kaiser

Garbenteich

U-Boot-Fahrer, Postler, Sänger: Karl Kaiser ist 101

  • vonRoger Schmidt
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Pohlheim (rge). Auf ein bewegtes Leben blickt Karl Kaiser in Garbenteich, der heute seinen 101. Geburtstag begeht. Vor allem die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg mit seinen weltweiten U-Boot-Einsätzen der Kriegsmarine beschäftigen ihn bis heute. Für Kaiser war der Krieg in Singapur zu Ende, wo er mit der U-Boot-Mannschaft nach der deutschen Kapitulation 1945 gestrandet war. In Asien musste er bis 1948 ausharren, nicht in Gefangenschaft, aber ohne die Möglichkeit, zurück nach Deutschland zu kommen. Er ist damit ein durch die Ereignisse geprägtes Kind seiner Zeit, das indes Glück hatte, zu überleben und danach wieder bessere Zeiten zu erleben.

Am 15. September 1919 in Frankfurt geboren und aufgewachsen, verbrachte er schon früh Zeit in Garbenteich, denn seine Mutter stammte von dort. Schon als Kind war ihm klar, »die mit den schwarzen Zöpfen aus dem Örtchen heirate ich einmal«. Gemeint war da seine leider schon 2004 verstorbene Frau Marie, mit der er einst bei seinen Besuchen viel Zeit beim Spielen verbrachte. Am 19. September 1941 gaben sich beide das Ja-wort. Aus der Ehe gingen eine Tochter und ein Sohn hervor; der Sohn ist verstorben.

Nach dem Besuch der Schule schloss Kaiser eine Lehre als Maschinenschlosser; dann war er beim Reichsarbeitsdienst beim Bau des Westwalls im Einsatz. Er meldete sich wie viele seiner Jahrgangskollegen freiwillig zur Wehrmacht. Erstes Ziel war die Marineschule der Kriegsmarine in Kiel zur Ausbildung als U-Boot-Fahrer. Im Herbst 1937 ging es für ihn auf die U 64 zum ersten Einsatz. Im April 1940 erlebte er die Schrecken des Krieges, als das U-Boot bei der Schlacht um Narvik bei einem Bombenangriff versenkt wurde. Mit ihm überlebten 27 U-Boot-Fahrer, die von deutschen Gebirgsjägern. Acht werden bis heute vermisst. Weitere Einsätze folgten für den Obermaat auf der U 124 und U 181.

Arbeit fand er im Kühllager des US-Depots in Gießen, wechselte aber bald zur Deutschen Bundespost nach Frankfurt. Dort war er im technischen Bereich des Fernmeldeamtes für die Wartung der Funkanlagen mitverantwortlich. 1978 ging er in den Ruhestand.

In seiner Freizeit war der Jubilar viele Jahre Tenor-Sänger bei der »Liederblüte«, später beim »Frohsinn« Garbenteich. Mitglied ist er unter anderem beim Sportverein. Früher war er im Garten aktiv. Heute macht ihm ein Augenleiden zu schaffen. Bis zum Frühjahr lebte er dank seiner Familie eigenständig, heute benötigt er Unterstützung. Zum Ehrentag gratulieren auch drei Enkel, fünf Urenkel und fünf Ururenkel. Diese kümmern sich liebevoll um den Jubilar. FOTO: RGE

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