Manfred Nietert ist der Meinung: Hier am Ortseingang Grüningen sollte ein Supermarkt entstehen.
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Manfred Nietert ist der Meinung: Hier am Ortseingang Grüningen sollte ein Supermarkt entstehen.

Der Traum vom Supermarkt

Pohlheim (chh). Rund um die Neue Mitte in Watzenborn-Steinberg gibt es vier Supermärkte. Ein Luxus, von dem die Bürger von Grüningen, Dorf-Güll, Holzheim oder Hausen nur träumen können. Trotzdem fordern die Grünen den Bau eines weiteren Supermarktes in Pohlheims größtem Stadtteil.

Der Grund: Die immer älter werdende Bevölkerung Steinbergs habe nichts vom Supermarkt-Mekka in der Neuen Mitte, sie brauche ein Geschäft in Fußnähe – gleichzeitig könnte ein örtlicher Nahversorger die Verkehrsbelastung in Watzenborn verringern.

Der Vorstoß der Grünen freut einen Mann ganz besonders: Manfred Nietert. Der 74-jährige Steinberger hatte mit einem Brief den Stein ins Rollen gebracht. Nietert und seine Ehefrau Isolde wohnen seit 39 Jahren in der Richard-Wagner-Straße. "Als die Neue Mitte eröffnet hat, musste der Supermarkt an der Leipziger Straße dicht machen. Seitdem haben wir hier nichts mehr." Nietert ist mit seinen 74 Jahren noch topfit, er kann mit dem Fahrrad in die Neue Mitte radeln, bei größeren Einkäufen steht das Auto bereit. In der Nachbarschaft gebe es aber viele ältere Leute, die dazu nicht mehr in der Lage seien. "Meine Frau und ich denken natürlich auch an die Zukunft. Man wird nicht jünger."

Einen geeigneten Standort hat Nietert auch schon ausgemacht. Der 74-Jährige holt sein Fahrrad aus der Garage, schwingt sich auf den Sattel und düst los. Eine Minute später parkt er seinen Drahtesel vor der Grünfläche, die am Ortseingang aus Grüningen kommend zwischen der alten und neuen Grüninger Straße liegt. "Ein Supermarkt auf diesem Areal würde nicht nur Steinberg, sondern auch noch einen Teil Watzenborns abdecken. Wir müssten nicht mehr mit dem Auto zur Neuen Mitte fahren, was auch den Verkehr in der Ludwigstraße entlasten würde. Auch die Grüninger müssten nicht mehr durch ganz Watzenborn fahren." Nietert räumt zwar ein, dass die Fläche nicht besonders groß ist, mit etwas Phantasie könne der Platz jedoch reichen.

Fabian Schäfer ist sich da nicht so sicher. Mehr noch: "Aus immobilientechnischer Sicht ist die Fläche nicht geeignet. Sie ist schlichtweg zu klein", sagte der FDP-Stadtverordnete in der jüngsten Bauausschusssitzung. Da es sich lediglich um einen Prüfantrag handele, könne er sich aber damit anfreunden. "Wir müssen uns aber im Klaren sein, dass wahrscheinlich Absagen kommen."

Zuvor hatte der Grünen-Fraktionsvorsitzende Eckart Hafemann den Antrag eingebracht und für die Idee geworben. Es sei nicht zumutbar, dass die ältere Bevölkerung teils zu Fuß den weiten Weg bis zur Neuen Mitte antreten müsse. Auch die Entlastung der Ludwigstraße griff Hafemann auf. Er betonte aber auch, dass die Fläche einen Hasenfuß habe: "Wir müssten den Flächennutzungsplan ändern." Daher solle der Magistrat nicht nur mögliche Investoren wie Rewe, Tegut oder Kaufland offensiv ansprechen und sie durch eine öffentliche Ausschreibung auffordern, ihr Interesse zu bekunden, sondern auch notwendige Maßnahmen (Bebauungsplan, Flächensicherung, Änderung des Flächennutzungsplans) schnellstmöglich einleiten.

Den anderen Ausschussmitgliedern gefiel der Plan. "Ich finde die Idee klasse. Mir scheint die Fläche gut geeignet, ich bin gespannt, ob sich jemand findet", sagte Uli Sann von den Freien Wählern. Peter Alexander (SPD) und Ulrich Engel (CDU) kündigten ebenfalls ihre Zustimmung an, sie sprachen sich aber dafür aus, dass auch für die Ortsteile Dorf-Güll, Grüningen, Hausen und Holzheim nachgefragt werden sollte. CDU-Fraktionsvorsitzender Matthias Jung sah das genauso. "Der Süden Pohlheims ist wirklich abgehängt. Hier ist der Bedarf noch größer als in Watzenborn-Steinberg. Wenn man ehrlich ist, haben wir hier eher ein Luxusproblem." Ein Luxus, von dem sich die Steinberger nichts kaufen können.

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