Die Hühner lassen sich vom Besuch der Europaministerin Lucia Puttrich (Mitte) nicht aus der Ruhe bringen. FOTO: PAD
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Die Hühner lassen sich vom Besuch der Europaministerin Lucia Puttrich (Mitte) nicht aus der Ruhe bringen. FOTO: PAD

Tierwohl oder Bio-Qualität?

  • Patrick Dehnhardt
    vonPatrick Dehnhardt
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Pohlheim(pad). Die Klappe am Hühnermobil auf dem Obersteinberger Hof öffnet sich - fünf Minuten früher als sonst. Die Hühner sind zunächst verwundert. Dann trauen sich die Ersten hinaus auf die Wiese. Ein paar Augenblicke später sind fast alle 240 Tiere dabei, zu scharren und nach Futter zu suchen. Vom Menschenauflauf am Rand des Geheges lassen sie sich dabei nicht stören.

Lucia Puttrich besuchte am Montag die Pohlheimer Landwirtsfamilie Fay. Es war die erste Station der Europaministerin auf ihrer Sommertour. Dabei will sie Projekte anschauen, die mit EU-Mitteln gefördert wurden. Der Kauf der Hühnermobile wurde mit 40 Prozent unterstützt.

Familie Fay besitzt zwei kleine und zwei große Hühnermobile. Die rund 2200 Hühner legen etwa 2000 Eier pro Tag. Diese werden unter anderem in den "Regiomaten" in Gießen, Watzenborn-Steinberg und Langgöns sowie im Hofladen verkauft. Dort gibt es auch Fleisch von den hofeigenen Schweinen und Rindern. Diese werden im eigenen Schlachthaus zerlegt.

Puttrich wollte wissen, ob die Direktvermarktung vom Tönnies-Skandal profitiere. Maxi Becker verneinte. "Beim Fleisch ist das jetzt nach Tönnies so eine Phase. Da wird zwei bis drei Wochen regional bezogen, es sich dann aber wieder anders überlegt." Die Direktvermarktung brauche eine treue Stammkundschaft.

In Sachen Tierwohl wünschen sich die Fays vom Gesetzgeber Möglichkeiten der Verbesserung: In anderen Regionen werden die Rinder im "Weideschussverfahren" direkt auf der Wiese getötet, ihnen so der Stress der Fahrt von der Weide zum Schlachthaus erspart. Nur im Landkreis Gießen ist dies nicht erlaubt, wenn die Tiere nicht 365 Tage im Jahr auf der Weide stehen. "Dabei ist es das schonendste Verfahren", sagte Landwirt Peter Fay.

Ein weiteres Problem sei, dass die Bio-Vorgaben sich teils mit dem Tierwohl nicht vereinbaren ließen. Für Bio-Hühner gebe es etwa nur eine handvoll Zuchtbetriebe. "Bio-Junghennen sind nur schwer zu bekommen", sagte Philipp Fay. Die Küken müssen über Hunderte von Kilometern transportiert werden, während es welche aus konventioneller Aufzucht direkt um die Ecke gebe. "Dass die Tiere durch halb Deutschland gefahren werden, ist aber nicht unser Gedanke von Tierwohl."

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