Streit um Radwegebeschilderung

  • Patrick Dehnhardt
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Pohlheim(pad). Der ADFC kritisiert den Pohlheimer Bürgermeister Udo Schöffmann für seine Äußerung "Der ADFC bekriegt alle Radwege". ADFC-Vorstandmitglied Jan Fleischhauer zeigt sich in einer Pressemitteilung über diese Wortwahl verwundert.

Der ADFC sei eine Lobbyorganisation für den Radverkehr, schreibt Fleischhauer. Daher unterstütze man alle Maßnahmen, die der Verbesserung des Radverkehrs dienen. "Dazu gehören selbstverständlich auch Radwege." Daher sei die Aussage Schöffmanns absurd. "Der ADFC setzt sich vielmehr nachdrücklich für den Bau von Radwegen ein und unterstützt und begleitet die Kommunen und Planungsbüros auch bei der Umsetzung."

Benutzungspflicht aufgehoben

Der ADFC habe auch in Pohlheim den Radwegebau begleitet, sich an den Verkehrsschauen beteiligt. Dabei habe es keine Dissonanzen gegeben, schreibt Fleischhauer. Schöffmann habe er dabei nie getroffen, dieser habe auch mit sonst keinem ADFC-Vorstandsmitglied Kontakt gehabt.

Fleischhauer sieht in Schöffmanns Worten vor allen Dingen eine Kritik daran, dass viele Wege nicht mehr als "Gemeinsamer Geh- und Radweg" beschildert werden. Diese Änderung habe die Kohl-Regierung 1997 beschlossen. "Seitdem gilt keine allgemeine Radwegbenutzungspflicht mehr in Deutschland", schreibt der ADFC-Mann. Radler sollten die freie Wahl haben, wenn sie die Fahrbahn benutzen wollen. Dies sorge für mehr Sicherheit, da Kreuzungen und Einmündungen auf Radwegen für Unfallgefahren sorgen würden. Zudem würden Rennradfahrer so keine Fußgänger gefährden.

"Studien zeigen jedoch, dass mehr als 90 Prozent aller Radfahrer Radwege auch dann benutzen, wenn diese nicht mehr als benutzungspflichtig beschildert sind", schreibt Fleischhauer. Im November wolle der ADFC bei der Hauptverkehrsschau die Stadt Pohlheim erneut beraten.

Bürgermeister Schöffmann steht indes zu seiner Aussage. "Es ist einfach kontraproduktiv, wenn wir Millionen Euro für den Bau von Radwegen ausgeben, für diese Schilder aufstellen, damit sie benutzt werden - und dann der ADFC gegen diese Schilder vorgeht." So hätten diese etwa beim Radweg in der Neuen Mitte auf Betreiben des ADFC entfernt werden müssen. Dadurch würden viele Radler diesen nicht erkennen. Auch beim neuen Radweg zwischen Lang-Göns und Holzheim hätten die Schilder auf Wunsch des ADFC entfernt werden müssen. "Ich sehe es als sehr gefährlich an, wenn die Radler dort auf der Straße fahren", sagt Schöffmann.

Die Haltung des ADFC nennt Schöffmann kontraproduktiv: "Da brauche ich doch keine Radwege zu bauen, wenn die Fahrradfahrer laut ADFC auf der Straße sicherer unterwegs sind."

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