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Kirchenvorsteher Martin Noack erläutert die laufenden Restaurierungsarbeiten an der Kirchhofmauer in Grüningen.

Spezialmörtel für alte Steine

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Pohlheim (rge). Das Alter der Grüninger Kirchhofmauer kennt niemand genau, allerdings ist das dahinter liegende Kirchenschiff 350 Jahre und der Paul-Hutten-Chor ein halbes Jahrhundert alt. Demnach hat die Mauer, die die historische Kirche umgibt, schon einige Jahrhunderte auf dem Buckel - könnte man vermuten. Und das Alter wirkt sich - wie bereits bei zurückliegenden Sanierungen auf dem Kirchendach - auf die gesamte Bausubstanz aus.

30 Zentimeter hatte sich ein Teilstück entlang der Pfarrgasse zur Seite geneigt. Der Druck vom Kirchgarten mit dem Gotteshaus und seinen Platanen sowie der unter Naturschutz stehenden riesigen Dorflinde taten wohl ihr übriges. Die Standsicherheit war laut Gutachten gefährdet, Handlungsbedarf geboten. Aktuell sind Baufachleute für den Erhalt von Denkmalen und historischen Objekten von Jürgen Enders aus Fulda mit der Restaurierung auf dem 100 Meter langen Mauerstück beschäftigt.

Bis im Herbst soll alles fertig sein, informierte Kirchenvorsteher Martin Noack bei einer Ortsbesichtigung. Das kostet die evangelische Kirche einen sechsstelligen Betrag, von dem die Gemeinde einen mittleren fünfstelligen Euro-Betrag selbst tragen muss. Die eigentlich geplante Fassadensanierung der Kirche wurde so erstmal zurückgestellt. Begleitet wird die Maßnahme vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen, die auch Fördergelder dazu gibt.

Hecke zur Sicherung

Geplant war eigentlich, die Arbeiten bereits im vergangenen Jahr durchzuführen. Während der laufenden Straßenbauarbeiten war dies allerdings nicht möglich, informierte vom Kirchenvorstand Gerdi Leidich. Ganze 30 Meter Mauer müssen jetzt noch komplett abgetragen werden. Ein Mauerloch ist zu sehen, daneben liegen die Steine, die wieder von Hand mit Spezialmörtel eingebaut werden. Der Mörtel mit einer besonderen Mischung hat es in sich, denn seine Verarbeitung ist nur in den Sommermonaten bei entsprechenden Temperaturen möglich.

Bei den Abgrabungen hinter der Mauer wurden zudem Knochen von vier Bestattungen gefunden, darunter offensichtlich die von einer Mutter mit Kind. Da der Vorplatz in einstigen Jahrhunderten als Friedhof genutzt wurde, waren die Archäologen für Grabungen vor Ort. Die Gebeine sollen im Verlauf der Arbeiten wieder an gleicher Stelle beigesetzt werden.

Entlang der Taunusstraße und Langgönser Straße ist das Abtragen allerdings nicht notwendig, hier werden nur die Mauerfugen erneuert, die Abdeckplatten aus Sandstein repariert und teilweise durch neue ergänzt. Zusätzlich soll entlang der Kirchhofmauer eine Hecke zur Sicherung angepflanzt werden. An die heutige Verkehrssicherungspflicht hatten frühere Generationen beim Bau noch nicht denken können.

Mit dem Zeitplan ist man auf dem richtigen Weg, damit rechtzeitig vor dem Winter die Mauer fertig ist. Gefeiert wird auf jeden Fall schon vorher im Rahmen "350 Jahre Kirchenschiff" am Sonntag, 18. August, mit einem sommerlichen Mundart-Gottesdienst in der Grüninger Burg ab 10.30 Uhr. Um 14 Uhr folgt dann das Kabarett "Die Spätzünder" mit Annemarie Schmidt und Mechthild Vogel an gleicher Stelle. Dazwischen gibt es hessische Spezialitäten.

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